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Erschienen am 05.10.2009 00:00
Tag der Deutschen Einheit
Damit Himmel für alle offen bleibt
Tausende Besucher kamen zum Gottesdienst und Familientag auf Point Alpha

Geisa/Rasdorf - Die Fahrzeughalle im ehemaligen US-Camp der Gedenkstätte Point Alpha konnte die vielen Besucher am Tag der Deutschen Einheit nicht fassen, auch auf dem Vorplatz herrschte dichtes Gedränge: Mehrere 1000 Menschen kamen zum Gottesdienst mit den beiden katholischen Bischöfen Dr. Joachim Wanke (Erfurt) und Heinz Josef Algermissen (Erfurt) sowie zum anschließenden Familientag.

Die Kolpingwerke der Diözesanverbände Fulda und Erfurt hatten vor dem Gottesdienst eine Dank-Wallfahrt "20 Jahre Mauerfall" auf dem ehemaligen Grenzstreifen organisiert, und die Wallfahrer aus Bayern, Hessen und Thüringen zogen mit ihren Fahnen in die Fahrzeughalle ein. Bischof Heinz Josef Algermissen erinnerte an den Fall der Grenze vor 20 Jahren, die Familien und Freunde voneinander getrennt hatte. So kam es häufig vor, dass bei Trauerfeiern die Angehörigen auf der anderen Seite auf einen Hügel gingen, um wenigstens von weitem den Leichenzug sehen zu können. "So ein System kann nicht bestehen", erklärte der Bischof und ist sich sicher, dass Gott bei der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 seine Hände im Spiel hatte. Jetzt gelte es, Verklärung zu entlarven, das Geschehene nicht zu vergessen.

"Das ist wahrlich ein besonderer Ort für eine Eucharistiefeier: Eine ehemalige Panzerhalle wird zum Ort des Gotteslobes", freute sich Bischof Joachim Wanke in seiner Festpredigt. Dort, wo man einst über Panzerangriffe und Atomwaffeneinsatz nachdachte, werden auf einmal die Seligpreisungen der Bergpredigt verkündigt - dieser Bibeltext wurde am Samstag als Evangelium vorgetragen. Auch 20 Jahre danach ist für Wanke die Friedliche Revolution und die Grenzöffnung noch ein Wunder. "Wir haben wahrlich Grund, dafür Gott, dem Herrn aller Geschichte, zu danken, auch wenn wir wissen, welchen Anteil an diesem Geschehen damals glückliche politische Umstände und tapfere Menschen hatten."

Mit Hilfe von Worten Adolf Kolpings lenkte der Bischof den Blick "auf das veränderte Hier und Heute". So zum Beispiel mit dem Zitat "Die Religion ist die höchste Gabe des Himmels. Durch sie ist der Mensch das, was er ist." In der DDR habe Wanke erfahren: Wer sich an Gott und die Kirche hielt, war gegenüber der alten Ideologie widerstandsfähiger. Das kostete Mut. Und heute: "Ihr merkt doch, wohin uns der Zeitgeist drängen will: Unterhaltung, Zerstreuung, Konsumieren und das Böse in uns und um uns verleugnen, als ob es dies nicht gäbe." Wanke sprach von einem "neuen aggressiven Atheismus, beinahe, wie damals in der DDR" und rief die Christen auf, auch in der offenen, freien Gesellschaft zu zeigen, was Treue im Glauben, im Christsein heißt. "Helft mit, dass hier in der Rhön, hier in Thüringen und Hessen über allen Menschen der Himmel offen bleibt."

Ein weiteres Kolping-Wort zitierte der Erfurter Bischof: "Du musst prägen, sonst prägen andere!" Wie es mit der Kirche in Geisa, Rasdorf, Zella oder Gersfeld weitergeht, hänge weitgehend von den Menschen ab, die in den Gemeinden den Kern bilden, zusammen mit den Priestern und Seelsorgern. "Wir müssen das Herz auftun und durch Wort und Tat zeigen, was wir glauben und bekennen", betonte Joachim Wanke, "das ist es, was wir Christen brauchen, seien wir evangelisch oder katholisch: demütiges Selbstbewusstsein, sanfte Entschiedenheit und ein Engagement, das - bei aller Gelassenheit und Lockerheit - sich nicht einschüchtern lässt." Er mahnte: So wie man die Einheit zwischen Ost und West nicht mehr aufgeben wolle, sollte man auch die Verbundenheit von Erde und Himmel, von Gott und den Menschen nicht aufgeben.

Auch beim Familientag nach dem Gottesdienst herrschte dichtes Gedränge. Dr. Wolfgang Hamberger, Vorsitzender des Point-Alpha-Stiftungsrates, betonte in seiner Begrüßungsrede, dass die Gedenkstätte für die Einheit von Frieden und Freiheit steht. Er mahnte: "Die Freiheit, die wir für ganz Deutschland erlangt haben, sollte nicht die Befreiung von der Wahrheit sein." Man müsse sagen, wie die Menschen in der DDR zu leiden hatten und sich dafür einsetzen, dass es ein solches System nie wieder auf deutschem Boden gibt.

Die Besucher besichtigten das Freigelände, den Turm und die Ausstellungen, machten Führungen mit und informierten sich über die Aktivitäten des Kolpingwerkes. Die jüngsten Gäste interessierten sich besonders für die Fahrzeuge und bastelten Heudrachen. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Orchesterverein Eiterfeld. sach

 
 

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