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Erschienen am 25.10.2008 00:00
Lebenswege
Krebs besiegt, dann Äquator umrundet
Nach der Hiobsbotschaft der Ärzte nahm das Leben von Günter Raßloff einen völlig anderen Verlauf

Wiesenfeld Weil es erstens anders kommt, als man

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Günter Raßloff mit seinem Fahrrad, dahinter sein Schutzengel Brigitte.
Bild: Richard Veltum
zweitens denkt, hat Günter Raßloff doch den Krebs besiegt.

Günter Raßloff, der heute 64 Jahre alt ist und seit zehn Jahren in Wiesenfeld wohnt, bekam im Jahre 2000 die Hiobsbotschaft von den behandelnden Fachärzten, dass er Nierenkrebs hat. Von nun an nahm sein Leben einen völlig anderen Verlauf. Viele Träume und Wünsche fanden durch diese lebensgefährliche Krebserkrankung ein abruptes Ende. Nun hieß es, sich auf die neue Situation einzustellen und auch asketisch zu leben.

Während einer erfolgreichen Operation wurde der Krebs- herd entfernt. Nach mühevollen Wiedereingliederungsversuchen musste Günter Raßloff im Jahre 2004 letztendlich seine berufliche Tätigkeit als Spitzendreher in einer Hünfelder Firma schweren Herzens aufgeben. Er war zu diesem Zeitpunkt 60 Jahre und vor ihm lag die größte Herausforderung seines Lebens: Mit dieser neuen Gesundheitssituation und mit Hilfe seiner Frau Brigitte Hermsdorf den Lebensabend sinnvoll zu gestalten. Und weil Günter ein agiler und lebenslustiger Mensch ist, entschied er sich nicht „für das Bücherlesen im Schaukelstuhl“.

1991 war Günter Raßloff, eine echte „Erfurter Puffbohne“, zu seiner großen Liebe Brigitte nach Bad Salzungen gezogen. Und Brigitte war es auch, die ihm Mut machte, den großen Neuanfang zu meistern. Schon in seiner Kindheit fuhr Günter mit seinem Fahrrad kreuz und quer durch Erfurt. Und dem inzwischen gereiften Mann diente nun das kindliche Hobby zur Ertüchtigung nach seiner schweren Krebserkrankung. Er kam auf die Idee, mit der gewonnenen Zeit und dem neu geschenkten Leben seinen persönlichen Rekord aufzustellen. Nämlich den Äquator zu umrunden!

Sein gestecktes Ziel erreichte er dann auch am 11. Juni 2008 um 12.58 Uhr im Bad Dürrenberger Saaleweg. Mit exakt 40 076,592 Kilometern hatte er nach fünf Jahren mit seinem Mountainbike eine Streckenlänge bewältigt, die der Erdumrundung entspricht. Die meisten Kilometer radelte er im Jahre 2006 – genau 10 147. Zweiflern sei gesagt, dass alle Fahrten von Biker Günter in Zeit und Länge sowie Kalorienverbrauch genauestens dokumentiert sind und sein persönliches Fahrtenbuch nunmehr zum Familienschatz gehört.

Brigitte hatte 1997 bei der AOK Bad Salzungen das Bike der Marke „Giant“ gewonnen. Günter war mit diesem Mountainbike in Deutschland, Österreich, Italien, Schweiz, Frankreich, Holland, Dänemark, Kroatien, Schweden, Polen, Tschechien und Ungarn. Auf seinen zahlreichen Touren bevorzugte er Flussradwege ganz besonders, da sie landschaftlich sehr reizvoll sind. Am Rhein entlang ging es unter anderem, an Main, Elbe, Weser, Werra, Fulda, Saale, Donau, Geisa, Hörsel, Gera, Ziller, Fränkische Saale, Etsch, Inn, Haune, Felda, Schwarza bis hin zum Platten- und Bodensee.

Ab und zu radeln Günter Raßloffs erwachsener Sohn Alex und Neffe Florian zur Verstärkung des Teams mit. Da gibt es dann jedes Mal viel Spaß und Freude. Brigitte fährt als Schutzengel oftmals im Opel Astra mit. Sie organisiert zuverlässig die Übernachtungen in sorgfältig ausgewählten Orten, macht die Tourenplanung am PC und sorgt für das leibliche Wohl ihrer Radsportler.

Aktiver und erfüllter kann man sich sein Leben wohl kaum vorstellen. Günter Raßloff praktiziert dies mit großer Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen. Und dem Paar ist zu wünschen, dass es auch weiterhin noch viele Wege im In- und Ausland gemeinsam gesund und glücklich befährt. vel

 
 

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