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Erschienen am 16.02.2009 00:00
Karneval
Rathaus-Sturm und afrikanische Fantasie
In Dorndorf und Merkers ging es rund

Dorndorf Tiergatter mit Ziegen und Schafen, Strohbündel und Mistgabeln verliehen dem Platz zwischen Gemeindeamt und Kirche

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In einen Bauernhof hatten die Mitarbeiter der Gemeinde den Platz zwischen Rathaus und Kirche verwandelt. Bürgermeister Ingo Jendrusiak (Mitte) überreichte dem Prinzenpaar neben dem Rathausschlüssel anstatt Geld eine deftige Brotzeit.
Bild: Monika Gebhardt
ein ländliches Flair. Komplett bäuerlich ging es beim Rathaussturm in Dorndorf zu. Schließlich feierte das närrische Volk in dieser Saison Karneval auf dem Bauernhof. Wenn die mit Hansa-Stadt-Kapelle und Prinzenpaar aufmarschierenden Karnevalisten jedoch an die Übergabe voller Kassen glaubten, so hatten sie sich gewaltig geirrt.

Nach dem von DKC-Präsidentin Roswitha Völkner und Winfried Wolfram angedrohten „Ausmisten“ des Gemeindeamtes zu üblicher Zeit speiste Bürgermeister Ingo Jendrusiak das machthungrige Narrenvolk lediglich neben Übergabe des Rathausschlüssels mit Naturalien ab. Hühner, Pferde, Schafe und Kuh gab er freiwillig noch dazu. Gerade mittels Traktor vom Tag der „kapitalistischen Produktion“ in heimatliche Gefielde zurück gekehrt, erholten sich die Angestellten des Gemeindeamtes mit einer deftigen Brotzeit von der schweren Feldarbeit.

Indessen erreichten Großbauern Jendrusiak Anrufe des Landwirtschaftsministers und der Finanzministerin, denen er gute Hoffnung machen konnte. In der Hansastadt gehe man natürlich mit der Zeit, schnalle die Gürtel enger und habe mit der Veranstaltung eines Bauernmarktes schon das Konjunkturpaket 5 geschnürt. Der gesamte Erlös werde an die Raiffeisenbank überwiesen, die bereits zinsgünstige Kredite zugesagt habe. Dem Wunsch der Sparkasse, auch noch das Konjunkturpaket 6 auf den Weg zu bringen, könne man leider nicht Folge leisten. Dieses bekomme vermutlich das Rotlichtmilieu in der Kreisstadt.

Während des wohlverdienten Essens hatte man ganz vergessen, den aus Halle kommenden Besuch abzuholen. Doch Schäfer Frank Pfannkuche raste mit bäuerlichem Gefolge unvermittelt los, um Erna alias Saskia Witzel aus Halle abzuholen. „Ho, ho, ho, bei uns Schäfern ist das so“, stimmten alle in den Gesang mit ein. Nicht Bauer, sondern Schäfer suchte schließlich Frau.

Die entsprach in ihren „Hochhackigen“ nun weder den Vorstellungen des Schäfers noch denen seiner Mutter. Schnell erhielt sie ein bäuerliches Outfit und durfte so wie zahlreiche Anhänger des Narrentums der Einladung des Bürgermeisters in das Gemeindeamt Folge leisten. Dort gab es karnevalstypische Speisen und Getränke. Es wurde bis zum Abwinken musiziert, gesungen und gelacht. Und so soll es bis Aschermittwoch bleiben. gdt

Galaprogramm der Ackerhänsejecken

Merkers – Ihr Galaprogramm unter dem Motto „Mit den Ackerhänsejecken den schwarzen Kontinent entdecken“ konnten die Merkerser Karnevalisten vor einer ausverkauften Werra-Rhön-Halle ausbreiten. Der fröhlich-subsaharische Eröffnungstanz der Teenies gab Sitzungspräsidentin Karina Mihm die Gelegenheit, sich als moderierender Mandrill Rafiki – mit großer Detailtreue dem Vorbild aus „König der Löwen“ nachgestaltet – vorzustellen. Auch der Elferrat hatte sich ganz und gar tropisch gewandet und war so in keiner Weise beengt, als MKC-Präsident Erich Fack in seiner kurzen Begrüßungsansprache dem schwarzen Kontinent einen ebenso gefärbten Humor beistellte. Artillerie-Hauptmann Tom Blaß ließ die Kanone diesmal von einer Affenhorde abfeuern.

Die quirligen Ackerhänschen unter der Leitung von Ute Bley hatten zunächst als Fußballschlümpfe ihr mit viel Anerkennung aufgenommenes Entree. Dass die Begeisterung noch steigerungsfähig war, bewiesen sie dann mit ihrem fantasievollen „Dschungelbuch“. Die rote Garde erfüllte mit Bravour die Aufgabe, mittels eines klassischen Gardemarsches den Draht zur närrischen Konvention stabil zu halten. Ein besonderes Highlight bei den Ackerhänsen ist nach wie vor die große Garde „Blue X-Dream“: Den Gardetanz a la Banane hatten sie weiter vervollkommnet.

Die unbestrittene Sensation des Programms – von der Musikauswahl über die Choreografie bis zur Ausstattung – war jedoch der große Afrika-Tanz, mit dem Nicole Fuhrwerk und ihre Mitstreiterinnen wieder ein Stück Merkerser Karnevalsgeschichte geschrieben haben. Das Bühnenbild von Thomas Salzmann gab dazu den kongenialen Background ab.

Die singenden Trinkspatzen zwitscherten zunächst von lokalen und kreislichen Karnevals-Stichwörtern, wobei sie auch den Werdegang von „Zehn bösen Bänkerchen“ schilderten, die von Angela wiederbelebt werden. Dann wandten auch sie sich dem Motto zu, ließen den Tarzan zu „Preußens Gloria“ herum hüpfen, schilderten dem Publikum per Kanon die für Elefantenspaziergänge geeigneten Bäume und boten die Dschungelvariante der Höhner-Hymne „Viva Colonia“.

Annette Schulz als Wappenvogel Krähe beschäftigte sich mit den sperrigen Engelsflügeln von Bürgermeisterin Inka Sollmann und der Wirkung von Katzenpipi auf eine Steckdosenleiste.

Von den Ackerhänsen dankbar angenommen und vom Publikum als Bereicherung empfunden wurden die Gastbeiträge: Marco Völkner aus Dorndorf in der Bütt, das Duo Michel und Schnaggels aus U-Bach und nicht zuletzt das Kieselbacher Ballett mit seinem dynamischen Piratentanz.

Nicht als Abgesang, sondern als letzten Höhepunkt der Saison verstehen die Ackerhänse ihren Kinderfasching. Das sieht das junge Publikum genauso, und so hatten Karina Mihm als Clown Olga, ihre Assistentin Selina und Disco-Obelix Charly mit dem Kindergarten am Sonntag einen guten Partner. Und die gute Resonanz in der hüpfenden und lachenden Werra-Rhön-Halle war der beste Dank. wer

 
 

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