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Erschienen am 01.12.2009 00:00
Einweihung
55. Jubiläumskarneval im eigenen Narrensaal
Mit einem schwarz-gelben Galaabend kehrten die Römhilder Narren am Samstagabend endlich zurück in ihr Grabfeldstädtchen
Von Susann Winkel

Römhild - 81 Jahre ist es her, als in der "Quelle" -

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Von den Milzern bekam Vereinspräsident Heiko Bartholomäus einen Storch aus echtem Milzer Holz - als Schutzpatron. Foto: win
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Römhilds wohl berüchtigstem Trinketablissement - ein Stammtisch gut gelaunter Bürger auf eine folgenschwere Schnapsidee kam: Die Gleichbergstadt ist reif für den Karneval. Gesagt getan richteten die Herren von der "Feuchten Ecke" noch im selben Jahr den ersten großen Maskenball mit einem Festumzug aus. Sie ahnten wohl nicht, mit welchem schwarz-gelben Karnevalsfieber sie Generationen von Narren in ihrem Städtchen infizierten. Denn bis heute ist denen die fünfte Jahreszeit die schönste und die liebste im Kalender geblieben - auch wenn es auf dem Narrenschiff nicht immer viel zu lachen gab.

Wirtschaftkrisen, Weltkrieg, der politische Zensurmaulkorb der DDR und schließlich in den 90ern der Gang ins Exil nach Haina: Ihren Humor haben sie über all die Jahre trotzdem behalten, genau wie ihre Lust auf Karneval. Und weil zu dem feuchtfröhlichen Wahnsinn im Kostüm nun einmal auch eine vernünftige Narrhalla gehört, machte die närrische Gesellschaft kurzerhand Nägel mit Köpfen und baute sich binnen Jahresfrist ihr eigenes kleines Reich in Schwarz und Gelb.

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Beim ersten Karneval in Römhild 1928: Mitglieder vom Stammtisch "Feuchte Ecke". Foto: Vereinsarchiv
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Ein neues Narrenheim und das in der Schnapszahlensaison 55 - das musste natürlich standesgemäß in einer zünftigen Karnevalsgala gewürdigt werden. So durften die diesjährigen Tollitäten, Ihre Lieblichkeit Prinzessin Paola I. und ihr Prinz Enrico I., am Samstagabend Delegationen anderer Narrenstädte, verdiente Ehemalige, Gönner, Helfer und Enthusiasten gleichermaßen in den "heiligen Hallen" am Rande des Herrensees in Empfang nehmen.

"Das grüne Herz Deutschlands schlägt närrisch!", war Michael Danz, Präsident des Landesverbandes Thüringer Karnevalsvereine, ganz aus dem Häuschen beim Anblick des neuen Vereinsheims. Nicht nur er dankte an diesem Abend für Generationen von ehrenamtlicher Arbeit im Namen der "schönsten Nebensache der Welt". Damit diese farbenfrohe Nebensache auch in den nächsten 55 Jahren unbeschwert genossen werden kann, hatten die Karnevalisten aus Milz weder Kosten noch Mühen gescheut, und ihren Nachbarn einen Storch aus echtem Milzer Holz als Schutzpatron vermacht. Der Elfenrat aus Mendhausen setzte dagegen ganz auf seinen weiblichen Charme und brachte den Römhilder Kollegen eine waschechte lebensgroße Elfe mit, die in ihrem früheren Leben sicher einmal Mode in einem Schaufenster präsentiert hat.

Geburtstagstorte als Geschenk

Auch die Gleichamberger Karnevalisten bewiesen, dass sie die Gelüste der "Kuchefresser" aus der Grabfeldstadt aufs Genauste kennen und hatten eine leckere und extra große Geburtstagstorte im Gepäck. Wie sehr die Römhilder dem Süßen und insbesondere den berühmten Schleusinger Schokoladenorden verfallen sind, das war auch dem SCC "Slusia" noch bestens aus den vergangenen Karnevalstreffen in Erinnerung. So ging es munter weiter, bis auch die Delegationen aus Berkach, Meiningen, Jüchsen, Wasungen und schließlich die Behrunger mit Magnumflaschen einer geheimen Spezialfüllung ihre besten Wünsche überbracht hatten.

Und diese Wünsche kannten an diesem Abend viele Adressaten. An vorderster Stelle zu nennen ist sicher Vereinspräsident Heiko Bartholomäus, der "im vergangenen Jahr vielleicht ein Sechstel seiner Zeit daheim verbringen konnte", wie Sitzungspräsident Jan Schöppach bewundernd erklärte. Ein Einsatz, der allerdings nur dank höchster Karnevals- und Bautoleranz von seiner Ehefrau und seinem Arbeitgeber möglich war. Dank galt auch den vielen Helfern aus dem Verein, den Römhilder Firmen, die es beim Großprojekt mit so mancher Rechnung nicht ganz so ernst genommen haben, und natürlich den Aktiven von Gestern und Heute, ihren Familien und all jenen Närrischen, die außerhalb des Rampenlichts für den reibungslosen Ablauf sorgen.

Neben Laudatio von Haubindas Schuldirektor Burkhard Werner, Glückwünschen und Geschenken durfte bei dieser Gala mit Knalleffekten selbstverständlich auch ein kleiner Blick in die Analen der Römhilder Karnevalsgesellschaft nicht fehlen. Und die vagabundierte seit ihrer offiziellen Gründungsversammlung im Jahre 1954 - übrigens ebenfalls in der "Quelle" - mit ihrem Fundus von einem Ausweichquartier ins nächste. "Ich glaube, wenn das neue Vereinsheim nicht gekommen wäre, hätten wir über die Jahre noch ganz Römhild saniert", erinnerte Jan Schöppach lachend an die arbeitsintensiven Ortswechsel der Vergangenheit. "Diese Odyssee, diese Irrfahrt hatte vor 14 Tagen zum Glück ein Ende. Endlich seid ihr wieder daheim", war auch Bürgermeister Klaus Theilig ganz gerührt.

Die feiererprobten Karnevalisten in Schwarz-Gelb passten am Samstag genau auf, dass die rührselige Stimmung in ihrem neuen Narrenreich nicht überhand nimmt. Büttenreden, Gardetanz oder die musikalische Liebeserklärung von Mandy und Nicole an ihre Heimatstadt - man geizte nicht mit den Kostproben des Vereinskönnens. Mehr davon zu sehen gibt es ab 16. Januar 2010 bei den vier Festsitzungen - und dann dank neuem Narrenheim auch endlich wieder in der heimischen Karnevalshochburg an der Spring.

 
 

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