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Erschienen am 16.01.2010 00:00
Museum
Porzellan bekommt mehr Raum
In Eisfeld rückt das "weiße Gold" im Jubiläumsjahr noch stärker ins Blickfeld. Eine Sonderschau wird am 18. April eröffnet.
Von Christel Kühner
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Figürliches Porzellan aus Thüringen - daran hat nicht nur Museumsleiter Heiko Haine seine Freude. Foto: ehrlichbild.com
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Eisfeld - "Wir sind hier im Kernland des Porzellans", sagt Heiko Haine, der Leiter des Otto-Ludwig-Museums Eisfeld. Das ist nicht nur eine Feststellung. Im Jahr 2010, dem 250. Jahr der Nacherfindung des Thüringer Porzellans, ist das vor allem eine Verpflichtung. Zumal für das Eisfelder Museum, das gerade im Jubiläumsjahr seiner Rolle als Eingangstor zur Thüringer Porzellanstraße, einer der schönsten touristischen Straßen Mitteldeutschlands, gerecht werden möchte.

Und während das Thüringer Porzellan-Jubiläumsjahr am 17. April auf der Heidecksburg in Rudolstadt seinen offiziellen Auftakt bekommt, zeigt das Eisfelder Museum ab 18. April die Sonderausstellung "Thüringer Porzellankunst aus Lichte - die Firma Gebrüder Heubach und ihre Erzeugnisse".

Die seit 1840 im Besitz der Familie Heubach befindliche Porzellanfabrik in Lichte begann erst in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts mit der Fertigung von Zierporzellan. Einen ersten Höhepunkt stellte die Plattenmalerei dar. Beachtliches, so ist vom Eisfelder Museumsleiter zu erfahren, schuf die 1904 in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Firma auf dem Gebiet des figürlichen Porzellans vor und nach dem ersten Weltkrieg.

Die ganze Breite und Vielfalt

Bis zum 12. September dieses Jahres wird die Porzellan-Sonderausstellung im Eisfelder Museum zu sehen sein.

"Wir haben hier in Eisfeld seit Jahrzehnten eine eindrucksvolle Sammlung an Thüringer Porzellan und an Dokumenten zu seiner Geschichte", macht Heiko Haine aufmerksam. Immerhin habe Thüringen schon ab 1860 zu den im europäischen Maßstab gewichtigen Porzellanländern gehört. "Und wenn auch in Eisfeld die Glanzlichter der Porzellankunst aus dem 18. Jahrhundert fehlen, wie man sie in den großen Sammlungen zwischen Eisenach und Weimar bewundern kann, wir präsentieren im Otto-Ludwig-Museum die ganze Breite und Vielfalt dessen, was Thüringen seit der Entstehung der Porzellanindustrie hervorgebracht hat", so Haine. So findet der Besucher Porzellane ganz unterschiedlicher Zweckbestimmung aus den Manufakturen von Blankenhain bis Katzhütte, von Kloster Veilsdorf bis Sitzendorf und Wallendorf.

Das "weiße Gold", das kann man mit Fug und Recht sagen, hat die Geschichte Thüringens ganz besonders geprägt. Deshalb soll das Porzellanjahr 2010 in Eisfeld auch nicht einfach so zu Ende gehen. Für das Jahr 2011 ist bereits eine weitere umfangreiche Ausstellung geplant, die bisher wenig beachtete Porzellanplattenmalerei aus dem Lichtetal zum Inhalt haben soll.

"Alte Meister en miniature" wird sie überschrieben sein und vor allem bedeutende Gemälde auf Porzellanplatten zeigen. Laut Heiko Haine haben die Vorarbeiten dafür bereits vor längerer Zeit begonnen. Im vergangenen Jahr konnte das Museum mit Unterstützung des Thüringer Kultusministeriums und des Vereins Freunde von Kirche und Schloss zu Eisfeld e. V. vier Porzellanplatten des Altmeisters Louis Scherf mit Porträts der Fabrikbesitzer Scheidig aus Gräfenthal käuflich von einem Sammler erwerben. Ebenso wurden mit Hilfe des Vereins zum Jahresende drei Musterbögen der Porzellanfabrik Scheibe-Alsbach aus der Zeit um 1835 von einem Privatmann erworben. Sie bereichern jetzt den Eisfelder Sammlungsbestand.

Bei aller guten inhaltlichen Vorbereitung des Porzellanjubiläums sieht der Museums-Chef ein Problem: Mit Landesmitteln sollten Vitrinen angekauft werden, um die zerbrechlichen und wertvollen Exponate auch ordentlich zu präsentieren. Die geplanten Mittel aber werden erst nach der Bestätigung des Landeshaushaltes zur Verfügung stehen, also voraussichtlich ab Mai. Dann aber läuft die Sonderausstellung bereits ...

Mehr als die bereits zugesagten 100 000 Euro aber kann die Stadt auch nicht beisteuern. Schließlich sollen in diesem Jahr noch der Eingangsbereich des Museums umgestaltet (Freies Wort berichtete) und die erste Etage des Steinernen Hauses einer Sanierung unterzogen werden.

Städtepartnerschaft im Focus

Die Volkskunde- und die Stadtgeschichtsabteilung werden dann erst einmal eingelagert, so stehen die Räumlichkeiten für die Nutzung der Sonderausstellungen bis 2011 zur Verfügung. Nur zur Lösung des Vitrinen-Problems, da muss dem Museumsteam noch etwas einfallen.

Mit der Porzellankunst aus Lichte ist der Reigen der Sonderausstellungen 2010 aber keinesfalls zu Ende. Noch bis 28. Februar läuft die am zweiten Weihnachtsfeiertag eröffnete Ausstellung "Dreiklang", die drei künstlerisch veranlagte Schwestern mit Eisfelder Wurzeln näher vorstellt: Karin Stauch, Modedesignerin und Textilgestalterin, Maritta Kästner-Langguth, Keramikerin, und Helga Schmidt, Malerin und Grafikerin.

Ab 3. Oktober bestimmen französische Farben die Sonderausstellungsräume. "Vive la France - 15 Jahre Eisfeld-Ham" heißt es dann, denn am 28. September 1995 hatten die beiden Städte ein Partnerschaftsabkommen unterzeichnet, das immer mehr mit Leben erfüllt wurde. Gestaltet wird diese Ausstellung vom Städtepartnerschaftsverein Eisfeld - Ham und von Wolfgang Swietek, freier Mitarbeiter von Freies Wort, der viele Partnerschafts-Momente mit der Kamera festgehalten hat.

Der Möglichkeit für Künstler aus der Region, sich und ihr Werk zu präsentieren, bleibt das Eisfelder Museum treu. Aus Anlass seines 75. Geburtstages wird der Neuhäuser Maler Baldur Schönfelder nach Weihnachten 2010 einen Querschnitt aus seinem künstlerischen Schaffen zeigen.

Fest eingeplant im Jahresprogramm ist auch die 7. Regionale Museumsnacht am Samstag, 15. Mai. Eine "Nacht der Töne" soll es 2010 geben, und in Eisfeld existiert längst eine Arbeitsgruppe für deren spezielle Vorbereitung. "Einige Überlegungen haben wir schon." Mehr verrät Heiko Haine noch nicht.

Die 6. Museumsnacht im vergangenen Jahr war jedenfalls ein voller Erfolg für die Eisfelder Einrichtung. Auch mit der Resonanz auf die Sonderausstellungen 2009 war der Museumsleiter durchaus zufrieden. Dem "Künstler der Region" Oskar Bohn zu Jahresbeginn hatte sich im März eine Exposition der Stiftung Ettersberg angeschlossen, die sich unter dem Titel "Die Rückkehr der Demokratie" den Revolutionen in Ostmitteleuropa von 1989 bis 1991 widmete.

Von Schulen zu wenig genutzt

Der Lehrer, Maler und Bildhauer Carl Lorenz kam ab Mai vergangenen Jahres zu Ehren, illustrierte Künstlerbriefe konnten die Besucher ab Oktober bewundern, und zum Jahresausklang wurde die erwähnte "Dreiklang"-Schau eröffnet. Seit dem 20. Jahrestag der Grenzöffnung am 9. November gibt es zudem eine Ausstellung im einstigen Grenzturm an der Übergangsstelle Eisfeld - Rottenbach.

Die Besucherzahlen, weiß der Museumsleiter, sind trotz der Schilder an der Autobahn nicht in die Höhe geschnellt. Es ließe sich auch schlecht nachvollziehen, wer von den Schildern inspiriert den Weg ins Otto-Ludwig-Museum fand. Zugenommen aber, das weiß man aus Gesprächen im Museum und in der hier angesiedelten Tourist-Information, hat die Zahl der Interessenten, die auf dem Werratalradweg unterwegs sind und einen Abstecher ins Schloss machen.

Was sich Heiko Haine so wie viele seiner Kollegen wünscht, das wären mehr Schulklassen als in den letzten Jahren. Im Museum würden die Mädchen und Jungen nicht nur vieles über das regionale Handwerk erfahren. Zeitzeugnisse könnten den Geschichtsunterricht prima ergänzen.

 
 

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