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Römhild - Wir hatten es schon immer geahnt. Die Hölle ist schwarz-gelb, ihre Einwohner schunkeln zwischen zischenden Sektkorken und brodelnder Soljanka und der Schlachtruf der lasterhaften Sippe ist ein dreifach donnerndes Römmeld Helau! Kein Wunder, dass sich die engelsgleichen Wonneproppen Cordula, Sabine und Karolin im Reich des tüddeligen Teufels sofort wie zu Hause fühlten.
Dass sie nach ihren mysteriösen Todesfällen ausgerechnet in den langweiligen Himmel mit seinen Schaukelwolken und der Babyentstehungsmaschine gekommen sind, konnten sich die drei sündenerprobten Freundinnen ohnehin nicht erklären. Dann schon lieber ab durch die Höllenpforte geschwebt und hinein ins närrische Getümmel im nigelnagelneuen Hauptquartier der Römhilder Karnevalsgesellschaft. Und das steht nach ungezählten Jahren des Exils im Hainaer Kulturhaus endlich wieder in der "heimlichen Hauptstadt des Grabfelds" - pünktlich zum 55. Jubiläum der Römhilder Karneval Gesellschaft (RKG) wohlgemerkt.
"Wir sind wieder hier, in unser'm Revier, war'n nie wirklich weg, ha'm uns in Hee nur versteckt", fanden der singende Streufdorfer Ingolf und seine Tochter Annemarie am Samstagabend gleich die passenden Verse für das glorreiche Ende der Narrenodyssee. Andere sahen das schon etwas pragmatischer, allen voran Junggardist Martin: "So sind die Römmelder halt, erst ihr Kulturhaus verscherbeln und dann ein neues gebaut."
Überhaupt gab es so mancherlei aus den Nähkästchen zu plaudern für den stimmgewaltigen Nachwuchsredner, von der grausamen Orgie seiner Geburt, von seltsamen Paarungsritualen im Wald und den Abenteuern bei der Lehrstellensuche. Denn bei seinem favorisierten Römhilder Arbeitgeber könne man sich jetzt höchstens noch zum Zusammenkehren der Scherben bewerben, bedauerte Martin. "Aber: Hochmut kommt eben vor dem Fall."
Von solchen Sorgen ist Lisa Hilton - pardon, es muss natürlich Hänisch heißen - zum Glück noch verschont. Allerdings wurde die nichtsahnende Hotelerbin vom Römhilder Waldhaus zur standesgemäßen Vorbereitung ihrer Hotelleriekarriere im Sommer kurzerhand ins Land von Pizza, Pasta und Amore verschickt. Widerspruch zwecklos. Und was macht man in Italien außer säuselnden Italienern nachzustellen? Einkaufen natürlich! "Mode heißt ja schließlich: Mutti opfert das Ersparte."
Doch nicht nur bei den Auftritten in der Bütt konnten sich Vereinspräsident Heiko Bartholomäus und Sitzungspräsident Jan Schöppach auf die karnevalsverrückte Jugend des Grabfeldstädtchens verlassen. Ebenfalls wie die alten Hasen trällern die Römhilder Spatzen ihre Stimmungsschlager ins Mikrofon. Mittlerweile zu kecken Teenagern gereift, gaben die drei Mädels vor zehn Jahren ihr Bühnendebüt als blitzeblaue Schlümpfe. Narrentreue, die vom Landesverband der Thüringer Karnevalisten mit einem Orden belohnt wurde.
Auf einen biegsamen Jungspund in seinen Reihen ist der Verein allerdings besonders stolz. Hatte man doch jahrelang Ausschau gehalten nach solch einem Energiebündel in Uniform wie Franziska Struck. Traute sie sich im letzten Jahr nur gemeinsam mit Trainerin Patricia Hartung ins Rampenlicht, wirbelt das stolze Tanzmariechen nun ganz allein mit einem strahlenden Lächeln und halsbrecherischen Sprüngen über die Bühne. Neben ihrem Solo beweist Franziska natürlich auch mit den anderen Ballettbackfischen der RKG, das Gardetanz in Römhild längst zum Leistungssport geworden ist. Schick fliegen die langen braunen Zöpfe durch die Luft, hoch schnellen die Beine.
Zwei Prediger in Aktion
Noch mehr in's Schwitzen kommen die männlichen Zuschauer höchstens noch bei einem Besuch in Römhilds wohl bekanntester Zahnarztpraxis. In der "Modelagentur im Steinweg", bei dem der Laufsteg direkt vom Wartezimmer auf den Zahnarztstuhl führt, kommen selbst Pfarrer Thomas Perlick nicht nur fromme Wünsche in den Sinn. Einmal mehr bewies das geistliche Oberhaupt des Ortes, dass jahrelanges Training an der Kanzel die zweifelsohne beste Vorbereitung für den Gang in die Bütt ist. Gott sei Dank wird ihm der geliebte Kirchenjob vom anderen Prediger der Stadt nicht strittig gemacht. Der steht nämlich lieber hinter seinem Tresen oder an der Hotelrezeption. "Bei mir kann man singen, bei ihm kann man saufen", freute sich der Pfarrer diebisch über so geschickte göttliche Arbeitsteilung.
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Aber so einer schwarz-gelb-gelaunten Geburtstagsgesellschaft verzeiht man ja auch einmal ihre derben Späßchen. Vor allem, wenn der Verein zur Versöhnung aus den eigenen Reihen tanzende Glückshormone, eleganten Weltenbummler, eine männerlüsterne Erika G. oder ein waschechtes Geburtstagsballett mit Sektflaschen, Geschenken, Blümchen und einem Clown zaubert.
Wer jetzt allerdings Lust auf verrückte Jubiläumsstunden mit dem wohl schönsten Gardemännerballett südlich vom Rennsteig bekommen hat, sei die ernüchternde Nachricht gleich vom Vorsitzenden selbst mitgegeben: "Wir sind restlos bis auf den letzten Stuhl an allen vier Büttenabenden ausverkauft." Ganz ohne Reservierung können sich Kostümfans am 13. Februar zum großen Kostümball und am 15. Februar zum Rosenmontagsball der RKG in den närrischen Wahnsinn im Römhilder Miami Park stürzen.












