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Erschienen am 03.02.2010 00:00
380-kV-Trasse
"Lammfromm zur Schlachtbank?"
FDP-Kreisvorsitzender appelliert an Verantwortungsbewusstsein der Räte

Schleusingen - Der Kreisvorsitzende der FDP, Thomas Vollmar, kann sich der Polemik gegen die jüngsten Bemerkungen des Schleusinger Bürgermeisters schwerlich enthalten, beim Thema Raumordnungsverfahren von Vattenfall. Zugleich appelliert an die Stadträte, sich kritisch mit den Trassenkorridoren auseinander zu setzen: "Mit völligem Unverständnis", so ließ er nunmehr wissen, reagierten die Freien Demokraten auf die Einlassungen Brodführers zur Planung der 380-kV-Trasse. Wie Freies Wort in seiner Freitagsausgabe auf Seite 18 berichtete, hatte Brodführer im Hauptausschuss ausgeführt, die Trassen-Planungen beträfen nicht Schleusingen, sondern nur Heckengereuth.

Die FDP, so Vollmar, frage sich "wann realisiert man in den oberen Rathausetagen eigentlich, dass seit 1994 auch Heckengereuth zu Schleusingen gehört? Zur Kämmerin hat sich das ja auch rumgesprochen, denn dort werden seit 16 Jahren die Schlüsselzuweisungen und die Steuern auch für Heckengereuth kassiert." Zudem irre Brodführer, wenn er glaube, das Problem sei nur weit weg, so Vollmar. Die geplante Stromtrasse werde sehr wohl auch Kern-Schleusinger treffen, zunächst solche, die auf dem Einfirst Erholung suchten, hieß es.

Vollmar entwirft ein plastisches Bild: Die geplante Trasse beinhaltet Wald-Schneisen bis zu 200 Metern Breite. Die Übertragungsspannung von 380 Kilovolt ruft ein elektrisches Feld sehr hoher Stärke hervor. "Da werden Leuchtstoffröhren hell, wenn man sie nur in die Luft hält". Vattenfall als Bauherr dieser Stromtrasse habe aber noch mehr vor. So sei in fernerer Zukunft in Schleusingen ein Umspannwerk geplant, über welches Südthüringen an die Trasse angeschlossen werden soll. Im Moment werde dieses Vorhaben aus taktischen Gründen allerdings noch nicht propagiert. "Steht die Trasse erst und ist Gras über die Proteste gewachsen, kommen die 380 Kilovolt samt Elektrosmog auch in der Schleusinger Gemarkung an. Dazu werden dann natürlich viel mehr Überlandleitungen gebraucht, denn die Energie soll von hier ja verteilt werden."

Es sei nicht an Abrede zu stellen, dass eine sichere Stromversorgung entsprechende Infrastruktur benötige. Deshalb brauche man aber noch lange nicht alles unwidersprochen zu schlucken, was ein politisch unterstützter Großkonzern vorsetzt. "Eine vernünftige Prüfung führt zu einer Abwägung zwischen der teilweisen Zerstörung der Natur und des Lebensumfeldes aller Schleusinger und den Erfordernissen der Infrastruktur. Da ein Gutachten die Realisierungsmöglichkeit des Letzteren eben auch ohne diesen gravierenden Einschnitt nachweist, fällt diese Abwägung nicht mehr schwer."

Von einer Erdverkabelung bis zum Ausweichen auf vorhandene Trassen gebe es nachgewiesener Maßen eine Vielzahl von Alternativen, hieß es in der Note des Kreisvorstandes der Liberalen. "Der Thüringer Wald gehört doch nicht Vattenfall, dem Tochterunternehmen eines schwedischen Staatskonzerns. Der gehört uns, die wir hier leben."

Die FDP ruft daher die Schleusinger Stadträte auf, sich der Konsequenzen dieser Trasse und deren Alternativen bewusst zu werden und die vorliegende Planung abzulehnen. "Schleusingen muss sich nicht als einzige Kommune entlang der Trasse lammfromm zu Schlachtbank führen lassen, während alle anderen den Mut haben, sich zu wehren," schreibt der FDP-Kreischef. red

 
 

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