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Erschienen am 11.03.2010 00:00
Bauausschuss
Kein Luftschloss auf dem Bachplatz
Überarbeitete Planungen für ein Einkaufszentrum im Herzen Hildburghausens vorgestellt
Von Waltraud Nagel

Hildburghausen - Vor 60 Jahren wurde das im Krieg

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Blick auf den Bachplatz vom Schlosspark her: Im Untergeschoss kommt der Supermarkt unter. Die Achse vom Markt zum Schlosspark bleibt erhalten.
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schwer beschädigte Residenzschloss Hildburghausen abgerissen. Nun eröffnet sich die Chance, an seinem Standort einen Gebäudekomplex mit Grünanlagen zu schaffen, der wieder zu einem Magnet für die Stadt werden könnte. In der Sitzung des Bauausschusses am Dienstagabend stellten Jürgen Brückner, der Sanierungsberater der Stadt, und Investor Herbert Lickert das aktuelle Projekt vor. Rund sechs Millionen Euro wird es kosten, sagte Lickert auf Nachfrage von Freies Wort.

Schlosskeller wird aufgegeben

Es sei eine städtebaulich sehr schöne Lösung gefunden worden, lobte Brückner. Das neue Gebäude mit Ziegeldach lehne sich an die Konturen des Schlosses an. Der Luisen-Blick - von der Bach-Straße her durch die Mitte des Gebäudes hindurch auf den Schlosspark - werde erhalten, ebenso die Parkanlage mit dem Turm an der Stadtmauer. Hier wird eines Tages auch der geplante Mauerkronenweg einmünden. Gut gelungen sei ebenfalls die Platzgestaltung nach der Bachstraße hin. Der großflächige Supermarkt verschwindet im Untergeschoss und ist von dieser Seite her gar nicht zu sehen. Ebenerdig vom Bachplatz aus sind Einzelhandelsgeschäfte geplant, im ersten Geschoss könnten Wohnungen entstehen oder auch ein Hotel. Einziger Wermutstropfen: Der Schlosskeller ist nicht zu halten. Trotzdem zeigte sich der Sanierungsberater der Stadt überzeugt: "Hier bekommt Hildburghausen ein Einkaufszentrum und eine Platzgestaltung, die sich sehen lassen kann!"

Zweieinhalb Jahre war die Stadt mit dem Investor im Gespräch, erinnerte Bürgermeister Steffen Harzer. Das zähe Ringen um eine Lösung im Sinne der Stadt habe sich gelohnt, wenn auch mit dem schmerzlichen Kompromiss, den Schlosskeller aufgeben zu müssen. "Wir sollten das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplanes für dieses Konzept einleiten", forderte das Stadtoberhaupt die Räte auf. Dann könne im Herbst mit dem Bau begonnen werden.

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Investor Herbert Lickert.
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Auch Bauausschussvorsitzender Mathias Günther (Linkspartei) nannte die vorgestellte Lösung gegenüber der ursprünglichen Idee "sehr positiv".

Schon 2007 war ein Bebauungsplan für den Bereich Johann-Sebastian-Bach-Platz aufgestellt worden. Damals gehörten die Flächen noch dem früheren CDU-Stadtrat Kurt Muffel beziehungsweise seiner Hildburghausen Projektmanagement GmbH. Die wurde inzwischen samt Grundeigentum am Bachplatz von Herbert Lickert und dem Architekten Michael Sing übernommen. Lickert hat in Karlsruhe ein Unternehmen zur Immobilienentwicklung und -verwaltung, das deutschlandweit tätig ist.

Beide Herren waren im Bauausschuss anwesend, um ihre Vorstellungen zu erläutern. Die Höhendifferenz von der Bachstraße zur Zetkinstraße von etwa fünf Metern wurde ausgenutzt, um den großflächigen Markt mit etwa 2500 Quadratmetern sowie die Anlieferungszone und Pkw-Stellplätze unterzubringen - ohne, dass diese Bereiche den Anblick von der Bachstraße her beeinträchtigen. Denkbar sei auch, räumten sowohl Lickert wie auch Sanierungsberater Brückner ein, dass die untere Ebene zum Schlosspark hin statt der jetzt angedachten Fensterfront teilweise Stadtmauer-Charakter tragen könne, die ja in etwa hier verlaufe. Für den Supermarkt seien die Fenster nicht zwingend notwendig.

Schaufenster spielen dagegen auf der zweiten Ebene, wie Lickert das Erdgeschoss bezeichnete, eine große Rolle. Einzelhandelsgeschäfte ab 300 Quadratmeter seien angedacht. "Schuhgeschäfte, Textiler - hier haben wir schon eine recht große Zahl von Anfragen", sagte Herbert Lickert. "Wir wollen hier ganz bewusst eine Ergänzung zu den kleineren Läden in der Innenstadt." In Ebene 3 oder dem ersten Obergeschoss kann sich der Investor attraktive Wohnungen vorstellen, auf Grund der günstigen Lage zum Park und zur Innenstadt auch als altersgerechte barrierefreie Angebote. Ein Hotel wäre sicher vorstellbar, das müsse man natürlich prüfen. Zur konkreten Nutzung werde er sich dann Gedanken machen, wenn die Zustimmung zur Änderung des Bebauungsplanes vorliegt und man damit die Gewissheit habe, bald loslegen zu können. Herbert Lickert sagte auch: "Wir wollen hier auch keine Luftschlösser planen. Aber, das was wir jetzt hier vorlegen, ist realisierbar."

Stadträtin Sabine Laube (Freie Wähler) äußerte Bedenken, dass der Lieferverkehr auf der dem Park zugewandten Seite mit der Fußgänger-Achse von der Stadt zum Park kollidieren könnte. Das sei nicht als Problem zu erwarten, hieß es, da man wegen des "Buckels" an dieser Stelle ohnehin sehr langsam fahren müsse und solch große Supermärkte in der Regel außerhalb der Öffnungszeiten beliefert würden.

Wie auch andere Stadträte machte Laube ebenfalls auf die Notwendigkeit eines Hotels aufmerksam. Angebote im gehobenen Niveau wie auch Hostel-Charakter müssten ihrer Ansicht nach in dem Haus machbar sein, verbunden mit einer entsprechenden Gastronomie. Außerdem sähe sie gerne einen Mehrzwecksaal für die Stadt integriert. Für letzteren Wunsch sahen weder die anderen Mitglieder des Bauausschusses noch die Planer Möglichkeiten. Wer solle den betreiben und bezahlen?, war die Frage. Stadtrat Peter Nowak (Linkspartei verwies diesbezüglich auf den dritten Bauabschnitt des Theaters, der ja irgendwann umgesetzt werden solle. Er hieß das vorgestellt Konzept insgesamt gut, hatte aber Sorge, dass den Innenstadtgeschäften die Kunden entzogen werden könnten.

Den dringenden Wunsch der Stadt nach einem Hotel bekräftigte auch Mathias Günther noch einmal.

Ein Magnet für die Innenstadt

"Konkurrenz belebt das Geschäft", waren sich Herbert Lickert und Bürgermeister Harzer einig. Die Sogwirkung des neuen Einkaufszentrums am Bachplatz werde auch auf die kleinen Läden in der Innenstadt ausstrahlen. Und gerade, um ihre Daseinsberechtigung zu erhalten, setze man ja im Neubau auf größere Flächen ab 300 Quadratmeter. Der Kunde wolle Auswahl haben, sonst komme er gar nicht erst in eine Stadt zum Einkaufen. "Mit dem neuen Einkaufszentrum könnte Hildburghausen insgesamt ein Umsatzvolumen von 15 Millionen Euro im Jahr binden", meinte Lickert optimistisch. Ansonsten würden fünf bis zehn Millionen Euro nach Suhl oder Meiningen verloren gehen. Stefan Tief (Hildburghäuser Bürgerunion), der das Konzept insgesamt begrüßte, schnitt noch mal die Frage nach der Gastronomie an. Konkrete Antworten darauf, gab es aber noch nicht.

Vier Stadträte stimmten im Ausschuss für die Änderung des Bebauungsplanes, Sabine Laube dagegen. Das letzte Wort hat nächste Woche am Mittwoch der Stadtrat.

 
 

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