Hildburghausen - Das Haus an der Ecke Obere Allee und Knappengasse, direkt neben dem Bertholdstor hat schon den verschiedensten
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Kurz nach der Wende erwarb das Ehepaar Werner und Helga Trützschler das Haus. Nun beherbergt es ein Milch- und Reklameschildermuseum sowie ein Café, Sohn Gerds Musikkneipe "Brumby" und seit vergangenem Jahr auch die Buchbinderwerkstatt von Enkelin Karoline, der Tochter ihres ältesten Sohnes Hanno.
Der Weg des Ehepaars Trützschler beginnt im sächsischen Löbau, wo sich Werner und Helga in einer Molkerei kennen gelernt haben. "Danach gingen wir auf Wanderschaft", scherzt Werner Trützschler. Über Eisenhüttenstadt und Frankfurt/Oder kamen die beiden 1957 in die Region, arbeiteten in den Molkereien in Schleusingen, Hildburghausen und Obermaßfeld. "Von Kollegen habe ich eines Tages ein Butterfass und eine Milchzentrifuge geschenkt bekommen", erklärt Trützschler senior.
Von vorn angefangen
Eins kam zum anderen, und immer mehr Geräte und Ausstellungsstücke aus der Molkereigeschichte kamen zusammen. Schon zu DDR-Zeiten gab es in der Molkerei einen Raum, in dem Werner Trützschler seine gesammelten Exponate ausstellen konnte. "Nach der Wende entschieden wir uns, mit dem Kauf des Hauses, nochmal von vorn anzufangen." Mit diesem Gedanken fand auch die Leidenschaft von Sohn Hanno Einzug ins Museum. "Der Hanno hatte sich nach alten Emailleschildern umgeschaut. Die waren ja sehr selten oder verrotteten dort, wo sie angebracht waren. So ergab sich eine ansehnliche Sammlung von Werbeschildern, die wir im Museum zeigen." Nachdem alle "Hildburghäuser durch sind", wie Werner Trützschler sich lachend ausdrückt, sorgt jetzt das Café von Ehefrau Helga für den Erhalt der Ausstellung. Hier treffen sich regelmäßig verschiedene Runden, um beim leckeren, selbst gebackenen Kuchen gemütlich zu plaudern und die Geselligkeit zu pflegen. "Mein Kalender ist ganz schön voll mittlerweile", sagt Helga Trützschler. In der kleinen Küche des Cafés werden aber nicht nur Kaffee und Kuchen bereitet. Am Mittag kocht Helga für die Familie im Haus Mittagessen.
"Hanno kommt fast jedes Wochenende vorbei und hilft mit", freuen sich Trützschlers. Ihr ältester Sohn ist auch selbständig tätig und könne unter der Woche nicht vorbeikommen, weil er da unterwegs sei. "Und der Gerd, der kommt fast jeden Tag vorbei."
Gerd Trützschler wohnt mit seiner Familie im ehemaligen Eisturm der Brauerei. "Für die Eltern ist es schon gut, dass immer einer in der Nähe ist, um Besorgungen zu erledigen oder einfach auch, um zu schauen, ob es ihnen gut geht", findet er. Mit seiner Musikkneipe "Brumby" ist er ins untere Geschoß des Hauses eingezogen. "Jeder hat hier seinen eigenen Bereich, aber es ist auch nicht weit, jemanden zu besuchen", umschreibt Gerd Trützschler die Situation. Ein- bis zweimal in der Woche treffe man sich zum gemeinsamen Essen, bei dem auch gerne mal lange Gespräche geführt würden. "Ich bin auf jeden Fall ein Familienmensch", bekennt Gerd. "Vor allem natürlich auch, was meine eigene Familie angeht." Mit seiner Frau Katrin ist er seit 25 Jahren zusammen. Die Kinder Frauke und Karl leben noch zu Hause, befinden sich gerade in der Ausbildung. "Beim Kneipenfest und den Live-Konzerten helfen sie gelegentlich auch im Brumby mit aus." Zu Hause gehe es eher wie in einer Wohngemeinschaft zu. "Eigentlich ist alles sehr harmonisch. Die Kinder sind schon immer sehr selbstständig gewesen - Jeder weiß, was er zu tun hat. Natürlich wäre es manchmal schöner, wenn man mehr Zeit füreinander hätte", räumt Gerd ein. Mit der Kneipe sei es eben so, dass - obwohl keine 50 Meter entfernt - man sich fünf Tage lang nicht sehe. Wenn er 17 Uhr das Brumby aufsperrt, ist seine Frau noch nicht von der Arbeit zurück. Wenn sie am Morgen zur Arbeit geht, schläft er noch, weil er erst gegen 2 oder 3 Uhr ins Bett gekommen ist. "Vielleicht klappt es ja auch deswegen so gut", schmunzelt Gerd. Er konnte sein Hobby, die Musik, mit in die Arbeit einbringen. Zig Jazz-, Blues- und Rockplatten und CDs füllen die Regale im "Brumby". Offensichtlich ist davon auch in der Familie etwas hängen geblieben. Gerds Sohn Karl ist Musiker, spielt Schlagzeug in zwei Bands. Aber auch zwischen den CD-Regalen findet ein reger Austausch statt, meint Gerd. "Ich habe zu Hause keine Musik mehr, da bekomme ich das zu hören, was die jungen Leute gerade toll finden, andersrum stöbern sie aber auch gern mal in meiner Musiksammlung."
Altes Handwerk - Neuer Geist
Musik spielt auch in Karolines Leben eine große Rolle. Sie mag aber eher die verschiedenen elektronischen Spielarten. Deswegen sei auch das "Brumby" ihres Onkels Gerd nicht die bevorzugte Adresse, wenn sie abends mit Freunden ausgehe. In ihrem Beruf widmet sich Karoline allerdings einem weniger modernen Handwerk. Viele alte, schwere gusseiserne Gerätschaften stehen in ihrer Buchbinderwerkstatt. Hier haucht sie abgenutzten oder beschädigten Büchern neues Leben ein, fertigt Einbände für Diplomarbeiten oder selbst erstellte Schriften. "Ich experimentiere aber auch viel mit neuen Techniken und frischen Ideen", erklärt sie. Verschiedene Verpackungen, Kisten und Schachteln entstehen unter ihren geschickten Händen. Ihr Firmenmotto "Altes Handwerk - Neuer Geist" ist wohl gewählt und trifft genau auf ihre Angebotspalette zu. Gelernt hat sie in der ehrwürdigen "Anna-Amalia-Bibliothek" in Weimar. Aber schon in ihrer Lehrzeit zog es sie immer nach Hildburghausen zurück. "Meine Familie ist mit sehr wichtig, sie gibt mir ungemein Rückhalt", bekennt auch Karoline. "Wenn die Familie nicht hinter mir stehen würde, könnte ich das hier in meinem Alter nicht machen." Auch über die Nähe zu den Großeltern freut sich die junge Frau. "Oma bringt mir öfters Mittagessen, wenn ich die Werkstatt nicht verlassen kann, oder sie kommt mal auf einen Schwatz vorbei." Auch Freunde und Eltern sind gern gesehene Gäste in der Buchbinderei. "Sie sind häufig neugierig, was ich so alles herstelle und natürlich schaut meine Mutter auch mal, ob hier alles in Ordnung ist", lacht sie. "Was die Arbeit betrifft, bin ich der Chef, ab und zu heißt es aber auch: Willst du nicht mal die Fenster putzen? Das ist okay so und hält sich in Grenzen", meint Karoline. Eine eigene Familie zu gründen, könne sie sich im Moment nicht vorstellen. "Das hier ist mein Kind." Sie zeigt mit ausladender Geste durch die Werkstatt. "Das braucht jetzt erstmal meine ganze Aufmerksamkeit."


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