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Erschienen am 13.11.2008 00:00
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Altkleider-Rätsel in Orange
Eimer sollen krebskranken Kinder helfen, doch Sammler bleiben im Dunkeln

Hildburghausen/Waldau – Über Nacht tauchen sie auf in

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Solche Eimer stehen immer wieder in den Dörfern der Region. Wo der Inhalt am Ende landet, bleibt offen. Archivfotos: Frank/Thomas
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den Dörfern der Region, zu Dutzenden stehen sie am Wegesrand. Heute hingestellt, morgen wieder abgeholt. In Waldau etwa, in Schleusingen, Goldlauter, Steinheid, Coburg, Birkenfeld, zuletzt dieser Tage in Gerhardtsgereuth: Orangefarbene Eimer mit der Aufschrift „Humana Kinderhilfe“. Schuh- und Kleidergaben werden erbeten, ein herzverzierter Aufkleber an der Minitonne sagt Dank im Namen der „Humana, Hilfe bei Kinderkrebs e. V., eingetragen beim Amtsgericht Hildesheim“. Klingt seriös.

Sind Katzenfänger am Werk?

„Wir wissen auch nicht, wo das hingeht“, sagt eine Gerhardtsgereutherin. Vorgestern hatte sie junge Männer beobachtet, wie sie die meist gut gefüllten Tonnen in einen Lieferwagen luden. „Fast alle im Dorf haben was in die Eimer getan“, erzählt die Frau, Schuhe, Jacken, altes Zeug. „Bevor man’s in den Müll wirft ...“ Aber ob das wirklich kranken Kindern zu Gute kommt? Schulterzucken. In Gerhardtsgereuth und anderswo: Die Tonnen-Aktion mit dem Herz für kranke Kinder hat offensichtlich Erfolg. Fragt sich nur, zu wessen Nutzen.

Das Rätselraten beginnt bei der ungewöhnlichen Sammel-Taktik: Die Tonnen tauchen immer unangekündigt auf und stets nur in einem Dorf oder in ein paar Straßenzügen, nie flächendeckend. Der Lieferwagen, der tags drauf die Eimer mitnimmt, trägt keine Aufschrift, kein Firmenlogo. Wo so viel Fragezeichen stehen, sind Verschwörungstheorien nicht weit.

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Einer „Kinderhilfe“ soll die Sammlung zu Gute kommen.
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Eine kursiert seit langem im Internet: Tierschützer argwöhnen, bei den Altkleidersammlern handele es sich in Wirklichkeit um fiese Katzenfänger. Ein Lockstoff ziehe die Miezen zu den Eimern, und schwupps, sind sie geschnappt, in Autos verfrachtet und zu ungewissen Zielen verschleppt. Humana-Kinderhilfe? Alles Ablenkungsmanöver, sagen die Tierschützer. In Goldlauter haben Katzenfreunde im Sommer sogar alle Eimer abgeräumt und versteckt, bevor das Sammelauto kam. Man wisse ja nie, sagten damals die Schutz-Aktivisten, die anonym bleiben wollen.

„Ich kenne diese Theorie mit den Katzenfängern“, sagt Monika Hahn aus Hinternah. So richtig dran glauben will die Vorsitzende des Südthüringer Tierschutzvereins aber nicht. „Als die orangenen Tonnen in Waldau standen, haben wir sehr genau darauf geachtet, ob in dieser Zeit Katzen vermisst wurden“, berichtet die Hinternaherin. Kein einziges Tier sei damals gemeldet worden. „Aber an jedem Gerücht ist etwas dran“, sagt Monika Hahn. Und empfiehlt allen Katzenhaltern, mehr als sonst auf ihre Tier aufzupassen, sobald die orangenen Eimer in Sicht sind.

Die Tierfänger-These ist also eher unwahrscheinlich. Bleibt die Frage nach den Krebs-Hilfsprojekten, die mit dem Erlös der Kleidersammlung finanziert wurden. Die Antwort ist einfach: Es gibt keine. Jedenfalls keine, die publik gemacht worden wären.

Zunächst geht der wertvolle Tonnen-Inhalt gar nicht an den Humana-Verein. Der gibt sozusagen nur seinen gut klingenden Namen. Wie die Neue Presse bei einer ähnlichen Sammelaktion Anfang des Jahres in Mitwitz (Kreis Kronach) herausfand, werden die Altkleider von einer Firma namens „Abdelaal“ aus Waiblingen bei Stuttgart abgeholt und weiterverkauft. Das erklärt auch das Stuttgarter Autokennzeichen, das viele der Abholwagen tragen. Und „Abdelaal“ verbirgt sich vermutlich hinter der Stuttgarter Telefonnummer, die auf den Eimer-Aufklebern angegeben ist. Nur, dass dort niemand rangeht. Die kommerzielle Firma „Abdelaal“, so heißt es, zahle dem Verein „Humana Hilfe bei Kinderkrebs“ eine Lizenzgebühr, um unter dem wohltätigen Namen auftreten zu können. Wie viel, ist unbekannt. Dass sich mit dem Weiterverkauf von Altkleidern viel Geld verdienen lässt, ist indessen bekannt.

Gänzlich unbekannt ist, was der Humana-Club mit seinen Lizenz-Einnahmen anstellt. Zwar gibt es den Verein in Niedersachsen wirklich, und desssen Vorsitzender Michael Wedekin beteuert: „Wir helfen hier vor Ort bei vielen Projekten.“ Das Geld derer, die Kleidung in die Eimer legen, komme beim Verein an, sagt er. Und wird dann einsilbig. Konkrete Zahlen und Projekte bleibt Wedekin schuldig. Nirgends gibt es Informationen darüber, nicht mal dort, wo Humana angeblich vor Ort agiert. Die Gemeindeverwaltung am Vereinssitz, dem Örtchen Diekholzen, kann „zu der Wohltätigkeit des Vereins keine Angaben machen“.

Behörden sind einflusslos

Und erst recht wissen die Behörden im Landkreis Hildburghausen nichts über den Wahrheitsgehalt der Versprechen auf den orangenen Tonnen. Eigentlich sind sie auch gar nicht zuständig. „Altkleider sind Wertstoffe und kein Abfall“, erläutert Helge Hoffmann, Beigeordneter im Landratsamt. Daher gehe das den Kreis schlicht nichts an. Städte und Gemeinden wiederum werden nur nach Beschwerden tätig, also wenn die Eimer irgend jemanden stören würden. Tun sie aber bisher nicht, jedenfalls nicht auf dem Gebiet der Stadt Hildburghausen, sagt Holger Schmidt vom Ordnungsamt der Kreisstadt. Angemeldet werden muss eine solche Sammelaktion ohnehin nicht.

 
 
 
 
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