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Marisfeld – Mittwochnachmittag. Schneeflöckchen tanzen vor dem mächtigen steinernen Bau des Schlosses Marisfeld. Romantisch. So sieht Weihnachten aus. Und wie es in dieser Zeit in den Häusern duftet! Das wissen die Mädchen und Jungen des Marisfelder Kinderheims ganz genau. Vielleicht sitzen sie deshalb an diesem Tag wie auf glühenden Kohlen und warten. Nicht etwa auf den Weihnachtsmann. Noch nicht. Die Wunschzettel sind zwar geschrieben, doch es ist nicht der weißbärtige Mann, nach dem sie Ausschau halten. Vielmehr sind‘s drei Bäckerinnen. Die Heimkinder wissen nämlich von der duft(end)en Überraschung von Freies Wort:
Ulrike Doering aus Eisfeld, Regina Jünger aus St. Bernhard und Bärbel Grübel aus Hildburghausen sind die drei Zeitungs-Leserinnen, die gleichzeitig begeisterte Weihnachtsbäckerinnen sind. Sie haben sich an der Freies Wort-Aktion beteiligt, Lieblings-Weihnachtsplätzchen-Rezepte eingeschickt und sich spontan bereiterklärt, gemeinsam mit den Heimkindern von Marisfeld zu kneten, schneiden, formen und backen.
Ärmel hochgekrempelt
Eine Tür wird geöffnet. Endlich ist es soweit. Die drei Bäckerinnen sind angekommen, binden die Schürzen um und los geht‘s. In der Küche ist alles vorbereitet: Dafür hat Birgit Kellermann, die Köchin und Hauswirtschafterin des Heims, gesorgt. Den beiden silbernen Backöfen, über die sie regiert, werden an diesem Abend Höchstleistungen abverlangt. Doch erst einmal dürfen sie sich warmlaufen. Das tun auch die Kinder – die sechsjährige Nicole ist da, hat die Ärmel hochgekrempelt genau wie der vierjährige Ludwig, die achtjährige Alexandra und der zwölfjährige Leon. Auch Melissa (10 Jahre) ist dabei. Mit Mütze auf dem Kopf und Ohrenschmerzen. Plätzchenbacken macht Spaß und lenkt ab. Alle wollen sie helfen, Schneeflöckchen zu zaubern. Sie formen Kugeln, die wenig später mit einer Gabel platt gedrückt werden. Große, kleine, dicke, dünne – unförmige, ebenmäßige. Vielfältig in Form und Gestalt. Es ist eben beim Backen wie im richtigen Leben. Langweilig wird‘s nie! Findet Ludwig. Er ist längst auf den Geschmack gekommen – und auch Leon lässt die eine oder andere Kugel im Mund verschwinden. „Das schmeckt lecker“, sagt er. Seine Augen funkeln. Ihm gefällt‘s.
Es dauert keine fünf Minuten – und das erste Blech verschwindet im Schlund des großen Backofens. Ihm folgen Nummer zwei und drei. Der Hitze widerstehen die Schneeflocken. Auf der Zunge haben sie keine Chance. Das kann der neunjährige John bestätigen, der gerade noch einmal zugreift. Und während er genießt, rieseln vor den Fensterscheiben die weißen Winterboten fast lautlos vom dunklen Abendhimmel. „Ich back‘ gern Plätzchen“, verkündet der Junge – und lässt eines im Mund verschwinden. Schließlich muss auch ein Bäcker einmal, zwei-, dreimal probieren . . . In seinen Augen tanzen die Fünkchen Polka. „Mir gefällt das Rühren – wenn der Zucker reinkommt. Doch am allerschönsten ist das Naschen zwischendurch“, schwärmt er.
Jede Menge los
Es geht weiter. Ulrike Doering hat mit Nicole ein Team gebildet. Die beiden schneiden Mokkaplätzchen von vorbereiteten Teigrollen ab. Ganz vorsichtig. „Ich glaub‘ unsere Messer sind ganz schön scharf“, stellt sie fest. Während die einen schneiden, hilft John, die Bleche zu belegen. Und macht sich als Vorkoster nützlich. „Sie schmecken nach Kakao.“ Das mag er.
Schnell füllen sich die Bleche. Es macht Freude, den Kleinen und ihren großen Helfern zuzuschauen. Auch die jüngste Kinderheimbewohnerin, die vierjährige Sophie lugt vom Arm einer Erzieherin herunter auf die Bäcker. Sie darf probieren und schenkt ein Lächeln, das anspornt. Wie alle Kinder lieben auch die Mädchen und Jungen, die im Marisfelder Schloss ein Übergangs-Zuhause gefunden haben, die Vorweihnachtszeit. „Da ist bei uns jede Menge los.“ Die Erzieherinnen erzählen von einer Buchlesung und Bastelnachmittagen. „Ich habe was für meine Oma gebastelt“, verrät Sophie. Vom eigenen Krippenspiel, von Auftritten im Seniorenheim Suhl, beim dortigen VdK, beim Advent im Hof ist die Rede. John schwärmt von der Eishalle in Ilmenau – und den Adventnachmittagen mit Weihnachtsliedersingen. „Wir haben Kerzen angezündet und Walnüsse geknackt, die wir zum Erntedank bekommen haben.“
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Es summt. Der Ofen meldet sich zu Wort. Das ist ja fast wie bei Frau Holle, als die Brote im Backofen rufen: „Zieh uns raus, zieh uns raus, sonst verbrennen wir.“ Nur diesmal sind‘s die Ober- und Unterteile der Mokkaplätzchen, die fertig sind. Das duftet! Nun geht‘s an die Füllung. Und da mischen wieder John und Alexandra, die Hartfett-Rührerin, mit. „Backen macht riesigen Spaß“, verrät sie. Es gehöre zu Weihnachten einfach dazu. „Ich freue mich aufs Fest, besonders auf die Geschenke“, sagt sie. Alex wird das Fest in diesem Jahr zu Hause verbringen. Plötzlich ein leiser Aufschrei. „Jetzt hab‘ ich die verkehrte Seite bestrichen.“ Das Mädchen ist unglücklich – wird aber gleich getröstet. Und schwuppdiwupp ist‘s vergessen. Wieder dieses Summen – das letzte belegte Blech. Fertig. Alle sind glücklich, ein klein wenig geschafft – und wahrscheinlich satt für den Tag. Plätzchen schmecken eben. „Nächstes Jahr könnt ihr‘s dann ganz allein“, sagt Bärbel Grübel zu Leon. Doch der kontert: „Nächstes Jahr könnt‘ ihr uns nochmal besuchen. Dann backen wir wieder gemeinsam!“
Neue Erfahrungen
Es hat allen Spaß gemacht. „Es war ein sehr, sehr schönes Erlebnis, sind sich Regina Jünger und Ulrike Doering einig. Bärbel Grübel nickt dazu. Alle haben sie neue Erfahrungen gesammelt. „Es macht einfach immer wieder Spaß, mit Kindern zu backen.“ Das gehöre zu Weihnachten dazu. Und während in der Weihnachtsbäckerei wieder Ordnung gemacht und gespült wird, ist der Duft der Weihnacht längst durchs ganze Haus gezogen. Nun kann das Fest kommen – die Weihnachtsplätzchen jedenfalls sind gebacken!



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