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Der Erfurter Journalist und Historiker Jan Schönfelder hat in seinem Buch "Der Mut der Einzelnen" die Wendezeit in Arnstadt aufgearbeitet. Freies Wort sprach mit dem jungen Autor.
Wie kommt ein junger Mensch dazu, ein sachlich fundiertes Buch über die Revolution in Arnstadt zu schreiben?
Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit dem Thema DDR im Jahr 1989. Zwar ist über diese Zeit in Thüringen noch nicht viel Literatur erschienen, aber Arnstadt wurde immer wieder erwähnt. Das hat mich interessiert: Warum gehörte eine unauffällige Provinzstadt zu den Vorreitern der Revolution? Was oder wer war der Auslöser?
Haben Sie mit Zeitzeugen von damals geredet?
Ja, mit vielen Leuten aus Arnstadt, aber keine Interviews gemacht. Ich wollte eher Hinweise bekommen, wo man nach Material suchen könnte. Denn mittlerweile ist die Wendezeit 20 Jahre her, da verklärt sich vieles in der Erinnerung der Einzelnen. Das Buch ist zu 100 Prozent aus Archivmaterial entstanden, etwa aus Material der Stasi-Unterlagenbehörde oder auch aus privaten Tagebüchern.
Sie haben sich sehr für Arnstadt interessiert, obwohl sie kein Arnstädter sind?
Ich finde es spannend, wenn einmal recherchiert wird, was tatsächlich geschah. Denn mit dem Thema hat sich bisher niemand intensiv beschäftigt. Das finde ich schade, denn die Arnstädter können stolz sein: Die Stadt gehörte zu den ersten in der DDR, in denen demonstriert wurde. Am 30. September gab es eine Demonstration - die erste in Thüringen! Damals gehörte viel Mut dazu, sich nachmittags auf den Holzmarkt zu stellen und Gesicht zu zeigen. Jeder kennt eben jeden in Arnstadt, wo man nicht in der anonymen Masse untertauchen konnte, wie in Dresden, Berlin oder Leipzig. In den Großstädten war man abends im Dunkel beim Demonstrieren kaum zu erkennen. In Arnstadt waren es wirklich Einzelne, die Mut gezeigt haben. Was mich noch interessiert hat: Wie haben sich Partei, Staat und Kirchen verhalten? Wie haben sie diese Herausforderung angenommen?
Sie haben die Wende sehr akribisch aufgearbeitet...
...wobei ich klar sagen muss: In dem Buch wird nicht die komplette Revolution in Arnstadt beschrieben. Es beschäftigt sich nur mit den allerersten Wochen und den ersten drei Demonstrationen. Die folgenden Demos, Bürgerversammlungen, Parteigründungen und Runden Tische des Umbruch-Herbstes sind im Buch nicht mehr beschrieben. Ich würde mich aber freuen, wenn mein Buch für andere ein Anstoß ist, auch diese wichtigen Ereignisse zu recherchieren. Es gibt über Arnstadt noch viele Akten, die nicht aufgearbeitet sind.
Wie haben Sie selber die Wendezeit erlebt?
Ich war 14 Jahre alt und habe die Revolution in meiner Heimatstadt Neustadt/Orla miterlebt. Ich hatte als Jugendlicher schon das Gefühl, dass jetzt etwas Großes und Wichtiges passiert. Ich habe übrigens in dem Buch "Kirche, Kerzen, Kommunisten. Die demokratische Revolution in Neustadt/Orla 1989/90" aufgeschrieben, was damals in meiner Heimatstadt geschah. Im Vergleich muss ich sagen: Einzelne Arnstädter waren wirklich sehr mutig.
Gespräch: Uwe Appelfeller


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