Ilmenau - Auf den Beitrag von Freies Wort am 7. November, wonach es auch in der Ilmenauer Wehr im Herbst 1989 Diskussionen dazu gegeben habe, wie vermieden werden könne, dass die Kameraden gegen andere Menschen eingesetzt werden, entbrannte am Wochenende indirekt eine heftige Debatte zwischen Verantwortlichen und Informanten. So meldete sich gestern der damalige Wehrleiter, Peter Feige, zu Wort und beteuerte, es habe in der Ilmenauer Feuerwehr "weder zu Wendezeiten noch zuvor" Diskussionen um den Einsatz der Wehr gegen Menschen gegeben. Folglich habe er die Worte, wenn einer das Strahlrohr gegen Menschen richte, werfe er ihn raus, auch nie sagen können.
Das damalige Feuerwehrmitglied Werner Odersky jedoch sagte gestern auf Rückfrage von Freies Wort, zunächst, er erinnere sich noch sehr gut daran, dass diese Worte gefallen seien, wie es auch die gesamte Diskussion dazu gegeben habe. "Wir haben diskutiert wie die Ochsen. Es war eine sehr heiße Situation. Aber natürlich - das ist alles 20 Jahre her..."
Der damalige Feuerwehrchef sieht die Wehr von 1989 gar nicht gerüstet für eventuelle Einsätze gegen Demonstranten. "Wir hatten ein Tanklöschfahrzeug mit Spritze obendrauf und 4000 Litern, das wäre dafür völlig ungeeignet gewesen", sagte Feige. Weder von Feuerwehrleitung noch von der im gleichen Hause damals angesiedelten Abteilung Brandschutz des Volkspolizeikreisamtes habe es auch nur die Vorstellung gegeben, die Kameraden der Feuerwehr gegen Demonstranten einzusetzen. "Aber wir sind bis abends zum Schutz des Feuerwehrgebäudes geblieben", erinnert sich der damalige Wehrleiter.
Zu den Erinnerungen des Feuerwehrmannes Odersky meldet sich auch der damalige Kreisstadtbürgermeister Peter Bischoff, auch oberster Feuerwehrchef, zu Wort. Er verwahre sich gegen die Darstellung Oderskys. Vorhaben, die Wehr gegen Bürger einzusetzen, "waren weder angedacht noch geplant". Und der Feuerwehrhauptmann habe nur auf Anweisung des Stadtchefs gehandelt. Allerdings sei in Ilmenau eine sehr prekäre Situation gewesen, da hier 20 000 Menschen demonstrierten. Zur anderen Sichtweise auf die Ereignisse von 1989 erinnerte der Kreisstadtbürgermeister a.D. gestern gegenüber Freies Wort auch daran: "Es war eine psychisch hoch angespannte Situation!" Zur damaligen Lage teilt Bischoff mit: "Dass es "Scharfmacher" an manchen Stellen gab, die derartiges forderten, will ich nicht ausschließen. ... Dass die Feuerwehr in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt war, wurde notwendig, weil sich unter die friedlichen Demonstranten von Ilmenau nicht wenige "Demonstrationstouristen" mischten, die lauthals das Niederbrennen von bestimmten Gebäuden skandierten. Hauptangriffsobjekt dabei war das Objekt "Gabelbach". Dem umsichtigen und schnellen Handeln der Stadtverantwortlichen damals, war es zu danken, dass es zu keinen Ausschreitungen in irgendeiner Richtung in Ilmenau kam".
Feuerwehr sollte zur Kirche
Schließlich nahmen gestern Informant Werner Odersky und damaliger Feuerwehrleiter Peter Feige persönlich Telefonkontakt auf, um zu klären, wie die Sache zu DDR-Zeiten gelaufen war. Nach 30 Minuten Gespräch stand fest: Der umstrittene Satz des Feuerwehrchefs ist gefallen und es gab sehr wohl Vorstellungen, die Feuerwehr gegen andere Menschen einzusetzen. "Allerdings lag das noch sechs Jahre weiter zurück", erklärt Odersky gestern. Da stand die Einweihung der Katholischen Kirche in Ilmenau an, die vom Westen mitfinanziert und zum Weihetermin vom Fuldaer Bischof und dem ZDF Besuchsankündigung hatte. So seien Vorkehrungen getroffen worden, die FFw-Kameraden anrücken zu lassen. Und damals, also bereits 1983, sagte Ilmenaus Feuerwehrleiter auf entsprechendes Ansinnen, jenen umstrittenen Satz, wie er gestern auch selbst gegenüber Freies Wort bestätigte. Er habe ausdrücklich noch hinzugefügt: "Wir sind zur Brandbekämpfung da!", sagte Feige.
Aus jener Erfahrung, dass bereits sechs Jahre zuvor der Feuerwehreinsatz gegen Menschen angedacht worden sei, sei offenbar dann auch 1989 unter den Kameraden diskutiert worden, "was wäre, wenn wir aufgefordert werden, einzuschreiten", blickt Odersky auf die über 20 Jahre zurückliegenden Ereignisse, bedauert aber, dass er den Zeitpunkt des Zitats zunächst verwechselte. tom

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