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Ressort Ilmenau
Erschienen am 11.11.2009 00:00
Feuerwehr war in der DDR in brisanter Lage
Verunsicherung | Wehrleitung und Kameraden blieben standhaft. Auch als die Russen sprengten.
Von Thomas Klämt

Ilmenau - Die Kameraden der Ilmenauer Feuerwehr befanden sich zu DDR-Zeiten in brisanter Lage, was Optionen für ihre Einsatzbefehle betraf. Das wird nach den Beiträgen von Freies Wort am Samstag, Seite 17, und gestern, Seite 15, immer deutlicher. Zunehmend melden sich Informanten zu Wort, die bestätigen, dass durchaus angedacht gewesen oder diskutiert worden war, die freiwilligen Kameraden auch gegen Andersdenkende einzusetzen. Montag hatte es ein Aufbegehren damals Mitverantwortlicher gegen diese Darstellung gegeben.

Zur Einweihung der Katholischen Kirche Ilmenaus 1983 dankte gestern der damalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Thomas Jäcklein im Gespräch mit Freies Wort ausdrücklich den Kameraden der Ilmenauer Wehr, die sich damals gegen ihren Einsatz positioniert haben. Jäcklein war damals von der Katholischen Kirchgemeinde mit der Organisation der Zusammenarbeit mit den staatlichen Organen der DDR beauftragt, wie er erklärte. Natürlich habe es damals bereits das Ansinnen gegeben, mit Wasserwerfern "Sicherheitsvorkehrungen" zu treffen, sagt Jäcklein. Ob das nun Wasserwerfer im eigentlichen Sinne oder eine Feuerwehr mit aufgepflanzter Spritze auf dem Fahrerhaus war, spielte dabei nur am Rande eine Rolle: "Wir haben das als Wasserwerfer empfunden", verdeutlicht Jäcklein rückblickend. "Wir hatten immer eine gute Nachbarschaft mit der Feuerwehr", sagt er, doch zur Kirchweihe sei es sehr brisant geworden. "Die ganze Feuerwehrflotte stand auf dem Kirchgelände bereit, vom Tanklastzug bis zum normalen Kfz", erinnert Jäcklein. "Wir haben das als sehr befremdlich gefunden, und ich habe das bei der Kreisleitung und der Abteilung Inneres auch kritisch angemerkt. Da wurde mir entgegenet, dies sei allein geschehen, um die Veranstaltung der Kirche nicht zu stören, sollte die Feuerwehr ausrücken müssen ... Wir kamen uns ganz schön veralbert vor", so Jäcklein.

Genossen im Zwiespalt

Es seien damals schon alle hier in Bereitschaft gewesen, was immer auch zur Kirchweihe erwartet worden sei. Natürlich hätten die Genossen selbst durchaus so ihre Probleme gehabt, erinnert Jäcklein. Immerhin sei die Kirche, die mit Unterstützung aus der Bundesrepublik gebaut worden war, "mit neuesten Baumaterialien errichtet worden", in Zeiten, in denen in der DDR Mangel an vielem herrschte. "Da hatten es die Genossen schon schwer", begreift Jäcklein auch deren Situation. Bis hin zur Verweigerung der Festhalle oder der Mensa für die Christen seien die damaligen Gegenreaktionen des Staates gegangen.

Inwieweit die Feuerwehrkameraden zu Einsätzen bei "Staatsfeinden" herangezogen werden sollten, bleibt im Dunkel der Geschichte. Eine Wortmeldung des damaligen Stellvertretenden Leiters der Abteilung Feuerwehr beim Volkspolizeikreisamt (VPKA), Burkhard Hoffmann, belegt allerdings, dass es Einsatz-Vorstellungen gab. Diese Abteilung Feuerwehr war disziplinarisch dem VPKA unterstellt, in Ilmenau allerdings in Räumen bei der Freiwilligen Feuerwehr angesiedelt und dieser aber lediglich in Sachen Weiterbildung weisungsberechtigt. Deren Vizeleiter nun erinnert sich an mindestens ein Gespräch 1989 mit dem damaligen Leiter der freiwilligen Feuerwehr, wie er gestern im Gespräch mit Freies Wort sagte. Dabei sei es darum gegangen, zu klären, ob die Kameraden als "Sicherungskräfte" die damalige Demonstration begleiten würden. Der Wehrleiter habe ihm daraufhin klar gemacht, dass die Feuerwehr dafür nicht zuständig sei. "Das sei Sache des Veranstalters, hat er mir damals gesagt und ich habe ihm entgegnet, ich sehe das auch so. Damit war das damals auch erledigt", sagt Hoffmann.

Zuführungsauftrag entgangen

Er erinnert an die schwierige Situation, die im Herbst 1989 für die Feuerwehr entstanden war. Es war eine Zeit ungeahnter Ereignisse, auch gewalttätiger Vorgänge und vieler neuer Gefahren, mit denen bei allen anstehenden gesellschaftlichen Veränderungen dennoch habe verantwortungsvoll umgegangen werden müssen. So gab es im VPKA bereits wegen der in Fenster gestellten Kerzen Anfragen bei der Feuerwehr, wie gefährlich das sei. Die Kerzen waren damals Protest-Symbol jener, die einen Ausreiseantrag gestellt hatten und auf Genehmigung warteten. Die Feuerwehr habe darin aber keine Gefahr gesehen, so die Darstellung vor dem VPKA.

"Große Hektik kam rein mit den Ereignissen, die sich um den 7. Oktober vor Arnstadt zutrugen", erinnert sich Hoffmann. Der Aussichtsturm auf den Höhen bei Siegelbach war gesprengt worden. "Da wurde damals alles vermutet. Erst viel später wurde bekannt, dass die Aktion wohl auf eine Aufklärertruppe der sowjetischen Streitkräfte zurückging. Warum die dort tätig wurde, ist nie so richtig klar geworden. Wahrscheinlich waren die sich auch nicht bewusst, was sie da auslösten. Aber es wurde in jenen Zeiten eben befürchtet, dies könnte auf Ilmenau überschwappen. Das hatte alles sehr beunruhigt", so Hoffmann. Dazu sei gekommen, dass die Abteilung Feuerwehr des VPKA in Arnstadt direkt im VPKA seine Räume hatte und dort "mit der Polizei zusammen Zuführungen vornehmen musste. Das sprach sich natürlich auch bis zur Feuerwehr in Ilmenau herum. Wir hatten hier aber das Glück, bei der Feuerwehr untergebracht zu sein. Die Anweisung dazu hätte es hier aber auch geben können", blickt der damalige Vizeleiter der Abteilung Feuerwehr beim VPKA zurück. Der Missbrauch der Kollegen sei durchaus denkbar gewesen. Die ursprünglichen Aufgaben dieser Abteilung jedoch lagen ganz woanders, erklärt Hoffmann. Gewachsen war dieser spezielle Feuerwehrbereich aus der einstigen Polizei-Unterstellung der Feuerwehr, bedacht vor allem mit den Aufgaben staatlicher Brandschutzkontrollen, "ein besonderer Status", sagt Hoffmann.

 
 

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