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Ressort Ilmenau
Erschienen am 06.02.2010 00:00
Über Bürokratie und den Tod eines jungen Mannes nachdenken
Unfall | Zur heutigen Trauerfeier des Gillersdorfers Jens Langguth bleiben neben Trauer und Bestürzung auch Fragen
Von Klaus-Ulrich Hubert
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Was die Ilmenauer Kameraden hier zur Schau demonstrieren, ist komplizierter als es aussieht. Mit hydraulischen Spreizern und Scheren wird ein Verletzter aus einem Autowrack (Foto) geschnitten. Dabei kommt es nicht nur auf jede Minute an, auch das Spezialwerkzeug muss vorhanden sein. Foto: b-fritz.de
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Gillersdorf/Großbreitenbach/Arnstadt - Hätte unser gerade mal 23-jähriger Kamerad, der sich in der Gillersdorfer Wehr sehr für die schwierige Nachwuchsarbeit engagierte, vielleicht doch noch Überlebenschancen gehabt, bevor er in der Nacht zum 25. Januar an den Folgen eines Autounfalls starb? So fragten sich dieser Tage mit einigem Groll Kameraden der bestens für schwere Unfälle ausgerüsteten Stützpunktfeuerwehr Großbreitenbach. Doch die erfuhr erst später von dem Drama auf winterlicher Fahrbahn. "Und wir fragten uns nicht zum ersten Mal, was bei den Alarmierungsauslösungen und im ,grenzübergreifenden' Zusammenspiel Thüringer Kleinstaaterei und deren Rettungsleitstellen, wie hier des Ilmkreises sowie des Kreises Saalfeld-Rudolstadt, mitunter derart schief läuft", schimpft ein langjähriger Großbreitenbacher Kamerad.

Indes sich ein anderer bitter erinnert: "Vor Jahren kam unsere Truppe mal vom gemeinsamen Kinobesuch aus Neuhaus, als wir zu einem schweren Unfall im Schwarzatal hinzukamen. Unsere Großbreitenbacher Wehr und DRK-Rettungswache wäre in Minuten vor Ort gewesen. Stattdessen mussten die Rettungskräfte, zwar zuständigkeitshalber aber umständlich, von Bad Blankenburg hoch kommen. Wertvolle Zeit verstrich, jede Hilfe kam letztlich zu spät ..."

Bis in die Nacht gesessen

Was war in jener Nacht zum 25. Januar nahe Herschdorf-Allersdorf geschehen? "Jens und ich saßen bis in die Nacht über den letzten Zeilen eines Sketches, der zum bevorstehenden GKC-Faschingsjubiläum ein lustiges Zwiegespräch von uns beiden auf die Bühne bringen sollte. Irgendwann gegen 23 Uhr fuhr Jens dann heim, holte noch eine Tasche, um zu seiner Freundin nach Allersdorf zu fahren", erinnert sich Markus Aldegarmann.

Das faschingsaktive Gemeinderatsmitglied weiter: "Irgend- wann rief dann die Freundin an, wo Jens denn bliebe. Ich sag noch, dass er doch längst drüben sein müsste. Und sie: ,Ist er aber nicht, ich erreiche ihn auch über sein Handy nicht!' Böse Ahnung beschlich uns, als ich ihm hinterher fuhr. Einige hundert Meter hinter Herschdorf, Richtung Allersdorf, wurde die Befürchtung Gewissheit, als ich Autoscheinwerfer quer über das zugeschneite, angrenzende Feld leuchten sah!"

15 Minuten Ewigkeit

Markus fand seinen Freund im Autowrack schwer verletzt eingeklemmt, konnte zunächst über die Beifahrerseite nur eine Decke zum Schutz gegen die eisige Kälte über ihn legen. Und wählte per Handy die zentrale Notrufnummer 112: "Der Unfallort lag zwar dicht an der Kreisgrenze, aber dass sich die Leitstelle des Kreises Saalfeld-Rudolstadt meldete, wunderte mich dennoch. Mir schienen die vielleicht 15 Minuten wie eine Ewigkeit, bevor ein Sani-Wagen dort oben war. Noch ohne Notarzt. Vorher rief ich nochmals die 112 an, was ich am besten an Soforthilfe leisten könnte. Dann verband man mich mit unserer Ilmkreis-Leitstelle. Bald darauf kamen der Notarzt und die Herschdorfer Feuerwehr. Doch die ist natürlich für solche Rettungseinsätze nicht annähernd so ausgerüstet wie beispielsweise die Breitenbacher Stützpunktwehr. Nach besten Kräften versuchten die Kameraden, die Fahrertür per Spitzhacke aufzubrechen, die dabei noch abbrach ..."

Markus weiter: "Meine Handy-Anrufdaten bewahre ich gut auf, auch für meine Zeugenangaben bei der Polizei. Irgendwann sah ich dann die Feuerwehr Königsee zu Werke gehen, während ich froh war, dass Jens' inzwischen eingetroffene, erschütterte Freundin und deren Eltern nichts durch die zugeschneiten Autofenster sahen, als ich versuchte, sie einwenig zu beruhigen."

Inmitten des Blaulichtmeeres an der Unfallstelle bangten längst auch Thomas und Carola Langguth, die Eltern des Verunglückten, um das Leben ihres Sohnes. Dessen Vater gestern: "Wir sind jetzt in unserer Trauer und Verzweiflung gefangen. Und wer weiß, welche Chancen unser Sohn wirklich zum Überleben gehabt hätte, wenn ihn eine entsprechend ausgerüstete Feuerwehr früher aus dem Pkw-Wrack bekommen hätte. Aber irgendwann demnächst wollen wir genauer wissen, wie es zu diesen Rettungsabläufen kam. Allein als wir ankamen, dauerte es noch rund eine Stunde, ehe er aus dem eisigen Autowrack befreit war.

Unser Sohn ist tot. Aber es darf künftig anderen nicht ebenso passieren!"

Die Großbreitenbacher Wehr bekommt in diesen Tagen allerneustes hydraulisches Rettungsgerät für rund 8000 Euro. "Denn die Autokarosserien werden immer sicherer, vielfach sind sie beispielsweise an den A-Säulen im Vorderbereich so verstärkt, dass die herkömmlichen Hydraulikscheren nicht mehr durchkommen", sagt ein Großbreitenbacher Kamerad. Und fordert, wie viele andere deutsche Wehren sowie der ADAC, dass endlich für neue Autos an fest vorgeschriebenen Plätzen im Fahrzeug Rettungskarten für die Retter leicht zu finden sein müssen. Mit Angaben zu den für die Notfallkräfte gefährlichen Airbags, Karosserieverstärkungen, Batterie-Abklemmmöglichkeiten und so weiter.

Hohe Verantwortung

Doch ob dies dem jungen Gillersdorfer noch geholfen hätte? Jens Frey, Leitstellenchef in Arnstadt, gestern zum Einsatzablauf: "Unser Team wie auch das im Nachbarkreis haben rund um die Uhr einen verantwortungsvollen Job, ständig angemessen Kräfte und Mittel für Notfallsituationen zu alarmieren. Von Königsee ist's etwa nur halb so weit nach Allersdorf wie von Großbreitenbach. Gerüchte von fälschlicher Alarmierung trete ich vehement entgegen. Dramatisch war freilich der Verletztentransport in eine Spezialklinik. Der Rettungshubschrauber war schon in der Luft, musste aber dort oben wegen Schneetreibens abdrehen."

 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von Thunder am 06.02.2010 14:53
    Gebietskampf
    Ich finde dass die Mitarbeiter der Leitstelle vollkommen Richtig gehandelt haben, die Feuerwehr von Königsee ist auf jeden Fall die Feuerwehr gewesen die den kürzeren Anfahrtsweg hatte und auch Mittel zur schweren Technischen Hilfeleistung Mitführt, wie jede größere Stützpunkt oder Schwerpunktfeuerwehr.
    Sicherlich kommen im Nachhinein solche Fragen auf „was wäre wenn“ aber das ist nun hier bei dem Fall nicht gegeben, fraglich ist das Verletzungsmuster woran der junge Mann schließlich starb, und nicht warum ist unsere Feuerwehr nicht gerufen worden sondern die Feuerwehr!

  • von klettpaul am 07.02.2010 14:35
    Fragen?!
    Bei aller Trauer und Tragik in der Sache ist vielleicht auch die Frage zu stellen, ob unser Kamerad eine Überlebenschance gehabt hätte, wenn nicht plötzlich die Straße vor seinem Auto verschwunden wäre und stattdessen ein Baum auftauchte. Für diesen Fall hätte erst gar keine Leitstelle angerufen werden müssen. Bei einem Notruf vom Handy wird aber automatisch über den nächst gelegenen Funksendemast die Leitstelle informiert, in dessen Landkreis dieser steht. Und nicht nur diese Leitstelle alarmiert nun mal die Feuerwehr, die am nächsten zum Unfallort ist. Herr Hubert, hier im Artikel unterschwellig der Leitstelle SLF oder IK zumindest eine Teilschuld anzudichten, geht am Einsatz der Kameraden der Königseer Feuerwehr und des Rettungshubschraubers vorbei und ist eher Ausdruck Ihres Unverstandes. Herrn Frey ist nur zuzustimmen!

  • von herman08150 am 08.02.2010 08:13
    ...das
    denke ich mal, ist jetzt ein Hin-und Her und gegenseitige Spekulationen, was wäre wenn,sind hier total fehl am Platz!
    Aufarbeitung ja und mein tiefstes Beileid allen Angehörigen!

  • von unbekannt am 08.02.2010 08:25
    fraglich
    Es ist sehr interessant, was man hier lesen muss. Die Aussage vom Herrn Frey ist nicht zu fassen. Der Anfahrtsweg von Großbreitenbach ist nur wenige 100m (wenn überhaupt) weiter und für die großen Fahrzeuge leichter zu bezwingen, da Königsee mit ähnlichen Gerät nur Berg auf fahren muss. Die Feuerwehr Großbreitenbach hätte sofort mit dem RTW oder den anderen Einsatzkräften alarmiert werden sollen. Der komplette Rettungsdienst und die örtliche Feuerwehr kamen doch auch aus dem IK – warum dann nicht auch die Stützpunktwehr??? Wie ich gerade mit erschrecken lesen muss, ist das ja nicht das erste Mal das da so etwas schief geht. (Artikel vom 13.10.2007)

  • von Thunder am 08.02.2010 17:43
    Mehr wie fraglich
    Weist du überhaupt was du hier schreibst? der Anfahrtsweg wäre über 3 km weiter gewesen und wäre selbst auch eine berg und Talfahrt geworden, wir leben nun mal im Thüringer Wald!!! hört doch einfach auf zu blöd hier zu diskutieren, es kommt einem bald so vor als seit ihr scharf drauf auf solche Einsätze, wo sich normaler weise niemand drüber freut hin zukommen oder hinfahren zu müssen, und bei einer Stunde rettungsarbeiten ist es ja nun auch auszumalen wie schwer der Vku war und dazu noch die Überlebenschance. Ich denke nicht das irgendwas schief läuft in Sachen Leitstelle, es war die Örtliche FF vor Ort und die nächst gelegene Stützpunktwehr, in den Leitstellen sitzen ausgebildete und fähige Leute, also keine Vorurteile bilden !!!

  • von unbekannt am 24.02.2010 08:37
    fraglich
    Also ich muss sagen, dass ich es unverständlich finde, dass zum wiederholten Male über die Presse ein Kompetenzgerangel zwischen Leitstelle oder gar Feuerwehren heraufbeschwört wird. Für uns als Feuerwehrangehörige ist es nicht leicht solche Einsätze zu bewältigen und auch die Nachwirkungen hiervon. Aber dass dann im Nachinein noch so darüber herumspekuliert wird, finde ich unakzeptabel. Die Feuerwehr Königsee ist für solche Einsätze bestens ausgerüstet und geschult. Bei solchen Schadenslagen gibt immer der Notarzt das Arbeitstempo vor und nicht die Feuerwehr.Solche Ereingnisse sind immer eine Tragödie, aber ich denke, dass die Kameraden der Feuerwehr sich auch mehr gefreut hätten, wenn sie mit zur Rettung eines Lebens beigetragen hätten.

 

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