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Ressort Ilmenau
Erschienen am 15.06.2007 00:00
AKTFOTOGRAFIE
Bernd Kießling: Einfach mehr vom Leben haben
Dr. Bernd Kießling aus Langewiesen eröffnet am Freitag um 17.55 Uhr in der Alten Försterei Ilmenau eine Aktfotoausstellung unter dem Titel ,,Fünf vor Sechs‘‘. Das Motto ist sehr persönlich gewählt: Kießling feiert heute zugleich seinen 60. Geburtstag.
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Dorfschmiede - Foto aus der Ausstellung ,,Fünf vor Sechs‘‘
Bild: Bernd Kießling

Warum machen Sie das eigentlich?

Kießling: Weil ich weiß, dass das Leben kurz und so ernst ist, dass man es ohne ein wenig Spaß gar nicht ertragen könnte. Ich möchte hier Claus Rose zitieren: Wir Fotografen haben einfach mehr vom Leben.

Das Fotografieren relativ unbekleideter junger Frauen macht Ihnen also Spaß?

Kießling: Vor und während des Shootings nicht unbedingt. Da stehe ich unter einem starken Erfolgsdruck. Ich schwitze und vergesse, wo ich die Objektive und die Flash-Cards hingelegt habe. Manchmal verlege ich sogar die Kamera. Die Anspannung legt sich erst, wenn ich und vor allem die Modelle mit den Ergebnissen einigermaßen zufrieden sind. Die Erinnerungen an gelungene Shootings sind angenehm. Und unsere Erinnerungen sind das Einzige, das uns keiner nehmen kann. Nicht einmal das Finanzamt.

Was sagt eigentlich Ihre Frau zu Ihrem Hobby?

Kießling: Ich bin seit 36 Jahren mit der gleichen Frau verheiratet. Da hat sie einiges durchmachen müssen und ich bin immer wieder erstaunt, wie lange sie es mit mir ausgehalten hat. Ich glaube, sie hat es aufgegeben, mir vorzuschreiben was ich zu tun habe und vor allem, was ich zu lassen habe. Manchmal glaube ich sogar, dass sie ein ganz klein wenig stolz auf mein fotografisches Schaffen ist.

Warum machen Sie so eine Ausstellung?

Kießling: Damit meine Fotos nicht nur auf der Festplatte meines Rechners herumliegen und bestenfalls von mir und den Modellen angesehen werden. Ich möchte damit auch weitere Menschen erreichen und denen eventuell eine Freude bereiten.

Wie planen Sie Ihre Fotos?

Kießling: Gar nicht. Ich lasse mich von den Modellen und den Locations inspirieren. Fast immer gehe ich ohne jede konkrete Idee in ein Shooting. Dennoch entstehen manchmal vorzeigbare Fotos. Da denke ich zum Beispiel an ein Shooting mit Eve: Ich sah am Straßenrand Apfelbäume stehen. Da dachte ich bei mir, wenn sie schon Eve heißt, könnte man ja ein Foto zum Thema Eva und der Apfel machen. Das habe ich dann auch getan. Leider war in dem Moment keine Schlange zur Hand. Das Foto fand ich dennoch gelungen. Und Eve fand das auch. Ihr Urteil war mir dabei besonders wichtig.

Wie kommen die Modelle zu Ihnen?

Kießling: Das ist ganz verschieden. Manche kommen mit dem Auto, manche kommen auch mit dem Zug. Die hole ich dann mit meinem Auto in Ilmenau am Bahnhof ab, weil die Bahnstrecke nach Langewiesen verschrottet wurde.

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Bild: Bernd Kießling
Das ist interessant. Meine Frage zielte aber mehr darauf ab, wie die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und den Modellen zustande kommt.

Kießling: Ach so. Dann hatte ich das falsch verstanden. Es ist so: Es gibt zum Beispiel junge Frauen, die den Wunsch haben, den Frühling ihres Lebens in anspruchsvollen Fotos zu dokumentieren, was ich übrigens sehr vernünftig finde. Und die suchen dann einen Fotografen, von dem sie glauben, dass er dazu in der Lage wäre. Die Modelle finden mich manchmal im Internet und manche sehen auch Fotos von mir bei der besten Freundin, die diese stolz herumzeigt. Das ist mir am liebsten. Es hat auch schon einen Fall gegeben, dass ein befreundeter Fotograf mich einem seiner Modelle empfohlen hat. Das hat mich ganz besonders gefreut.

Was sind das für Modelle?

Kießling: Keine Ahnung was das für Modelle sind; ich glaube, ganz normale junge Frauen eben. Jedenfalls keine Profis, die sich für Geld ausziehen. Die mag ich nämlich nicht.

Bezahlen Sie eigentlich die Modelle dafür, dass sie sich vor Ihnen ausziehen?

Kießling: Nein. Ich lege sogar Wert darauf, dass sich die Modelle ungestört ihrer Bekleidung entledigen können und das Shooting entspannt beginnen. Ich schaue ihnen beim Ausziehen jedenfalls nicht zu.

Werden Sie von den Modellen bezahlt?

Kießling: Ich beziehe ein auskömmliches Gehalt und bin zur Sicherung meines bescheidenen Lebensstandards nicht auf Zahlungen meiner Modelle angewiesen. Es hat allerdings schon Fälle gegeben, dass ich von Modellen als Dank mit Konfekt belohnt wurde.

Was erwarten Sie von Ihren Modellen?

Kießling: Vor allem sollten sie ein interessantes Gesicht haben und das besitzen, was man Ausstrahlung nennt. Kurz gesagt: Sie müssen mir sympathisch sein. Alles andere liegt im Geschick des Fotografen. Vor allem sollten sie sich mit ihren Fotos identifizieren. Und intelligent sollten sie sein. Die Auswertung der Ergebnisse und anerkennende Worte sind mir wichtig. Schließlich ist Applaus das Brot des Künstlers. Damit will ich nicht gesagt haben, dass ich mich als Künstler betrachte. Kunst sind meine Fotos bestimmt nicht.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit Aktfotografie?

Kießling: Schon lange, aber intensiv seit ungefähr 12 Jahren.

Würden Sie heute noch Bilder aus dieser Zeit veröffentlichen?

Kießling: Aber sicher. Mein Stil hat sich nicht geändert, lediglich mein Anspruch an die technische Ausführung.

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Bild: Bernd Kießling
Glauben Sie, dass Sie eine spezifische Handschrift besitzen?

Kießling: Das weiß ich nicht. Ich versuche Abwechslung in meine Fotos zu bringen, Wiederholungen zu vermeiden und vielfältige Möglichkeiten zu versuchen. Ich habe mich aber immer bemüht, ästhetische Fotos zu schaffen und weibliche Schönheit mit Stil in einem Bild festzuhalten. Ob das meine persönliche Handschrift ist, müssen andere beurteilen.

Auffällig ist die Vielfalt Ihrer Fotos an verschiedenen Locations. Was ist der Grund dafür?

Kießling: Die Arbeit im Studio bringt wenig Neues. Ich glaube, da sind die Möglichkeiten weitestgehend erschöpft. Neue Inspirationen bekomme ich an interessanten Aufnahmeorten. Zum Glück gibt es in und um Ilmenau noch genügend davon.

Dennoch arbeiten Sie nach wie vor auch im Studio.

Kießling: Das stimmt. Mit einem neuen Modell beginne ich immer zuerst im Studio. Ich glaube, das ist für ein Modell, das zum ersten Mal vor der Kamera steht, einfacher.

Noch eine letzte Frage: Warum heißt die Ausstellung eigentlich „Fünf vor Sechs“? Hat das etwas mit den fünf Fingern an der Hand der jungen Dame auf dem Foto des Plakates zu tun?

Kießling: Keineswegs. Ich habe allerdings schon von solchen Assoziationen gehört und war darüber mehr als erstaunt. Sehen Sie sich doch das Foto bitte genauer an: Die Uhr zeigt auf Fünf vor Sechs. Außerdem beginnt die Vernissage um 17.55 Uhr. Und auch das ist Fünf vor Sechs. Im Übrigen sind Bilder aus den letzten fünf Jahren zu sehen. Daher die Fünf. Und Sechzig bin ich auch noch nicht. So einfach ist das. Ich bin ein wenig verwundert, dass Sie da nicht selber drauf gekommen sind.

 
 

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