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Ressort Ilmenau
Erschienen am 28.04.2008 00:00
Erstes deutsches EduCamp
Das Lehren und Lernen am Puls der Zeit erforschen
Die Besucherzahlen übertrafen alle Erwartungen

IlmenauWie sieht die Zukunft des Lernens aus? Diese Frage beschäftigte rund 180 Besucher des ersten deutschen EduCamps an

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Podiumsdiskussion im Audimax, die am ersten Abend des Ilmenauer EduCamps sehr gut besucht war.
Bild: b-fritz.de
der Technischen Universität Ilmenau. Marcel Kirchner, Promotionsstudent und Mitorganisator, definiert das EduCamp als „Treffpunkt für Bildungshungrige“, das sich an das derzeit sehr populäre Konferenzformat BarCamp anlehnt: „Die Besonderheit ist dabei, dass sich der Ablauf des Camps erst vor Ort entscheidet und von den Themenvorschlägen der Teilnehmer abhängig ist“.

Schon am ersten Abend kündigte sich an, dass diese Konferenz der anderen Art ein voller Erfolg werden würde. Gegen halb sieben strömten 130 Diskussionsbegeisterte in den Humboldtbau der Universität, um bei der Podiumsdiskussion den Standpunkten von Experten aus dem Schul- und Hochschulbereich, aus Unternehmen und Agenturen sowie interessierten Studenten zu lauschen.

Das eindrucksvolle Einstiegsvideo machte schnell deutlich, dass eine neue Zeit der Internetnutzung angebrochen ist. „Der einfache Nutzer ist nicht mehr nur Rezipient von Informationen, sondern kann selbst gezielt Informationen im Internet verbreiten oder sich mit anderen Nutzern vernetzen, um Informationen auszutauschen. Dieses neue Paradigma der Internetnutzung bezeichnet man als Web 2.0“ erklärt Marcel Kirchner. Von Wikis, Podcasts und Weblogs ist in diesem Zusammenhang die Rede. Der Einsatz von so genannter Social Software im Bildungsbereich wurde am Wochenende unter dem Leitspruch „Lernen und Lehren 2.0“ rege diskutiert.

Große Potenziale in Weblogs erwartet

Marcel Kirchner sieht in der Nutzung von Weblogs große Potenziale: „Ein persönlicher Weblog kann nicht nur Lernergebnisse aus der Schule oder eines Studiums präsentieren, sondern auch den Lernprozess Schritt für Schritt mit allen aufgetretenen Problemen oder Erfolgserlebnissen dokumentieren. Jeder kann das Blog lesen und damit hilfreiche Tipps geben oder eine Perspektive darlegen, an die man im Projekt noch gar nicht gedacht hat“. Der Promotionsstudent hat gemeinsam mit Thomas Bernhardt den Lernerfolg von Social Software im Rahmen ihrer Diplomarbeit untersucht: „Ergebnis war bisher, dass der Einsatz am Anfang einen gewissen Mehraufwand bedeutet, aber langfristig gesehen das Lernen und Arbeiten der Studierenden effizienter gestalten kann. Das muss aber in Folgestudien genauer untersucht werden.“ Fakt ist, dass das Lernen den Schülern und Studenten nicht abgenommen wird.

Dies bestätigten auch an der Podiumsdiskussion beteiligte Studenten. Das Web 2.0 biete zwar viele neue Chancen und Möglichkeiten, aber der Einsatz im Schul- und Hochschulbereich würde in der Praxis vor allem von der Motivation der Schüler und Studenten abhängig sein. „Das Internet vergisst nichts“ – dies stelle einen weiteren wichtigen Aspekt bei der Verwendung von Social Software dar. Inhalte, die im Internet veröffentlicht werden, bleiben dort auch bestehen. Fehlerbehaftete Inhalte könnten zum Problem werden, wenn sie als richtig beurteilt und weiter verbreitet werden.

Datenschutz im Web wurde diskutiert

Auch das Thema Datenschutz und Privatheit im Web 2.0 wurde bei der Podiumsdiskussion angerissen. Doch aus Zeitgründen bestand nicht die Möglichkeit, alle Themen zu vertiefen. Somit blieben einige Fragen und Aspekte offen, die dann aber an den beiden folgenden Tagen in den einzelnen Sessions ausführlich behandelt werden konnten. Nicht nur das E-Learning in der Schul- und Hochschule bildete dabei einen wichtigen Bestandteil, sondern auch das Corporate E-Learning, was der Frage nach geht, wie Unternehmen das Wissen ihrer Mitarbeiter mit neuen Medien abbilden und verbessern können.

Ob sich Social Software in der Zukunft gegen das altbewährte Schulbuch durchsetzen wird, konnte beim EduCamp jedoch keiner vorhersagen. „Die Zukunft des Lernens ist sicherlich selbstbestimmter. Lerner werden immer stärker zu eigenen Produzenten von Inhalten, können selbstgesteuerter und aktiver beim Lernen agieren. Lehrer müssen sich darauf einstellen, auch von den Lernenden neues Wissen zu erhalten und vorrangig Tutoren zu sein, die Lernende auf ihrem Weg begleiten“ fasst Kirchner zusammen.

Das EduCamp 2008 in Ilmenau bewies den Organisatoren, „dass es jede Menge bildungshungriger Studenten, Wissenschaftler und Unternehmer gibt, die das Lehren und Lernen am Puls der Zeit erforschen und Social Software für sich persönlich, in ihren Seminaren oder im Unterricht einsetzten“. Die rege Teilnahme von insgesamt 180 Menschen aus ganz Deutschland habe die Erwartungen der Organisatoren mehr als übertroffen. Dem nächsten EduCamp in Ilmenau stehe demnach nichts mehr im Wege. Sabrina Bohn

 
 

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