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Erschienen am 13.01.2009 00:00
NACHGEFRAGT
Vor Antisemiten nicht verstecken
Professor REINHARD SCHRAMM, Leiter des Patentzentrums Thüringenan der TU Ilmenau
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Reinhard Schramm
Bild:  

In der Nacht vom vergangenen Samstag zum Sonntag wurden die Räume des PATON, Patentzentrum Thüringen an der TU Ilmenau, brutal verwüstet. Die Täter hinterließen neben erheblichen Sachschäden Hakenkreuzschmierereien und antisemitische Parolen. Für Freies Wort sprach Wolfgang Rauprich mit dem Leiter des PATON, Professor Reinhard Schramm.

So etwas hat es doch bislang nirgendwo in Deutschland gegeben, dass ein ganzes Universitätsinstitut auf diese Weise angegriffen wird. Kann dies überhaupt zufällig sein?

Reinhard Schramm: Das PATON ist angesichts der antisemitischen Parolen freilich nicht zufällig für diesen Anschlag ausgewählt worden. Natürlich haben die Täter genau gewusst, dass ich als Leiter der Einrichtung zugleich stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen bin. Damit und mit meinen Auffassungen habe ich nie hinter dem Berg gehalten und werde es auch künftig nicht tun. So wie sich Israel nicht verstecken muss, weil es die Hamas bekämpft, werde ich mich nicht vor den Antisemiten verstecken.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen dem Angriff auf das PATON und dem Krieg im Gaza-Streifen?

Reinhard Schramm: Immer wenn der Staat Israel den gegen ihn gerichteten Terror bekämpft, ist das ein Mobilisierungsfaktor für alle möglichen Antisemiten. Aber einen unmittelbaren Hinweis auf einen solchen Zusammenhang habe ich bei dieser Tat nicht erkennen können. Jedoch bei der Motivation der Täter, zum jetzigen Zeitpunkt hier einzudringen und die Einrichtung kaputtzuschlagen, kann das schon eine Rolle gespielt haben.

In den vergangenen Tagen hat es eine verbale Auseinandersetzung zwischen dem Rektorat und einer Antifa-Gruppe um einen NPD-Funktionär gegeben, der an der TU Ilmenau studiert. Sehen Sie hier Zusammenhänge?

Reinhard Schramm: Einen direkten Zusammenhang kann ich auch in dieser Richtung nicht erkennen. Indirekt allerdings schon, denn solche Vorgänge sind immer dazu geeignet, viele Seiten zu radikalisieren. Es war schlecht, und es hat eher den Rechtsextremisten genützt, dass diese linke Gruppe so radikal und so wenig dialogbereit aufgetreten ist.

Wie umfangreich sind die Schäden, und wie schätzen Sie die Arbeitsfähigkeit des PATON ein?

Reinhard Schramm: Die Schäden können wir momentan nicht genau beziffern. Am stärksten von der Verwüstung betroffen sind die öffentlichen Bereiche, in denen unsere Kunden selbst in Patentdatenbanken recherchieren. Aber auch andere Arbeitsräume sowie einige des benachbarten Informatik-Instituts wurden zerstört. Die Arbeitsfähigkeit ist um die Hälfte eingeschränkt. Wenn die Räume vom LKA wieder freigegeben sind, werden wir etwa zwei Tage benötigen, um die Arbeitsordnung wieder herzustellen.

 
 

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