![]() |
|
|
|
||
Ilmenau – Die Sonne steht gestern Mittag tief am Himmel. Gleißend werden die Strahlen von den Fenstern des Plattenbaus am Helmhotz-Ring reflektiert. Einige fallen auf den Leibnizbau an der Langewiesener Straße. Wer hier öfter vorbeigeht, dem fällt nur ein quergeparkter tiefblauer Mercedes-Transporter mit Blaulicht auf. Hämmernde Geräusche dringen wie all die Tage aus dem Innern des Gebäudes. Die Universitätsbibliothek bekommt neue Räume – Bauarbeiter brechen den ganzen Tag Betonwände aus dem Oktaeder heraus.
,,An den zermürbenden Krach haben wir uns schon fast gewöhnt, aber an diese Sch... hier nicht‘‘, sagt eine junge Frau. Solche Wörter gehören sonst nicht zu ihrem Wortschatz, aber nun muss es raus. Das Landespatentzentrum, kurz Paton genannt, befindet sich in der ersten Etage. Übers Wochenende trieben hier Einbrecher ihr Unwesen. Das Paton wurde verwüstet, Wände und Geräte mit Hakenkreuzen und antisemitische Losungen beschmiert. Gestern Mittag endeten die Aufräumarbeiten. Reinhard Schramm ist noch immer fassungslos. Die erste Wut hat sich bei ihm gelegt, die Arbeit des Patentzentrums geht weiter. ,,Das Gefährlichste an der Entwicklung in Deutschland ist die Gleichgültigkeit gegenüber der rechten Gefahr.‘‘ Für den bekennenden jüdischen Wissenschaftler bedeutet das, dass die Menschen immer noch nicht erkannt haben, am Ende heißt das Opfer Deutschland. Wie es 1945 der Fall war. ,,Hier und heute geht es um den Erhalt der Demokratie‘‘, schreibt Schramm allen demokratischen Parteien gerade in Wahlkampfzeiten auf die Fahnen. Für ihn ist das der gemeinsame Nenner. ,,Die Juden hatten bei
![]() |
|
|
|
||
Kerstin Zerbe und Heike Schwanbeck packten gestern wie alle wissenschaftlichen Mitarbeiter mit zu, um die Spuren der Verwüstung zu beseitigen. ,,Das ist eine einschneidende Erfahrung, zu was Rechtsextremisten alles fähig sind.‘‘ Beide sind zutiefst beunruhigt. Angst macht sich breit, bei Überstunden selbst Opfer eines solchen Überfalls zu werden. Jeder fasst es als einen persönlichen Angriff auf.
Gegen Mittag sind die gröbsten materiellen Schäden beseitigt. Die Spurensicherung gibt den letzten Raum frei. Professor Schramm dankt in der Mittagsrunde allen, stößt mit einem Glas Wein und Kaffeetassen an. Doch die menschlichen Beschädigungen werden für immer bleiben. Volker Pöhl











