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Ressort Ilmenau
Erschienen am 14.01.2009 00:00
Nach dem Einbruch
Materielle Schäden beseitigt, menschliche Verletzungen bleiben
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Quadratzentimeterweise werden in den Institutsräumen Spuren gesichert. Fotos (5): b-fritz.de
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Ilmenau – Die Sonne steht gestern Mittag tief am Himmel. Gleißend werden die Strahlen von den Fenstern des Plattenbaus am Helmhotz-Ring reflektiert. Einige fallen auf den Leibnizbau an der Langewiesener Straße. Wer hier öfter vorbeigeht, dem fällt nur ein quergeparkter tiefblauer Mercedes-Transporter mit Blaulicht auf. Hämmernde Geräusche dringen wie all die Tage aus dem Innern des Gebäudes. Die Universitätsbibliothek bekommt neue Räume – Bauarbeiter brechen den ganzen Tag Betonwände aus dem Oktaeder heraus.

,,An den zermürbenden Krach haben wir uns schon fast gewöhnt, aber an diese Sch... hier nicht‘‘, sagt eine junge Frau. Solche Wörter gehören sonst nicht zu ihrem Wortschatz, aber nun muss es raus. Das Landespatentzentrum, kurz Paton genannt, befindet sich in der ersten Etage. Übers Wochenende trieben hier Einbrecher ihr Unwesen. Das Paton wurde verwüstet, Wände und Geräte mit Hakenkreuzen und antisemitische Losungen beschmiert. Gestern Mittag endeten die Aufräumarbeiten. Reinhard Schramm ist noch immer fassungslos. Die erste Wut hat sich bei ihm gelegt, die Arbeit des Patentzentrums geht weiter. ,,Das Gefährlichste an der Entwicklung in Deutschland ist die Gleichgültigkeit gegenüber der rechten Gefahr.‘‘ Für den bekennenden jüdischen Wissenschaftler bedeutet das, dass die Menschen immer noch nicht erkannt haben, am Ende heißt das Opfer Deutschland. Wie es 1945 der Fall war. ,,Hier und heute geht es um den Erhalt der Demokratie‘‘, schreibt Schramm allen demokratischen Parteien gerade in Wahlkampfzeiten auf die Fahnen. Für ihn ist das der gemeinsame Nenner. ,,Die Juden hatten bei

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Bis gestern Mittag wurde die Zimmer aufgeräumt.
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Hitlers Machtantritt geglaubt, es wird schon nicht so schlimm werden‘‘, sagt der Professor. Am Ende gehörte seine Familie zu den millionenfachen Opfern der Nationalsozialisten. Falsche Hoffnungen bezeichnet er als menschlich. Wenn heute der Iran Israel bedroht, dann sollten wir das sehr ernst nehmen. ,,Der Nahostkonflikt geht uns alle an, das sind nicht nur Idioten.‘‘ Aus der geschichtlichen Erfahrung heraus macht sich bei ihm Angst breit. Schramm plädiert, in bessere Bildung zu investieren. ,,Nicht schimpfen, langfristig für Bildung sorgen, um der verbreiteten Unwissenheit zu begegnen‘‘, rät er. ,,Rechtsextremismus geht gegen das ganze Land, nicht nur gegen Juden, die sich betroffen fühlen.‘‘

Kerstin Zerbe und Heike Schwanbeck packten gestern wie alle wissenschaftlichen Mitarbeiter mit zu, um die Spuren der Verwüstung zu beseitigen. ,,Das ist eine einschneidende Erfahrung, zu was Rechtsextremisten alles fähig sind.‘‘ Beide sind zutiefst beunruhigt. Angst macht sich breit, bei Überstunden selbst Opfer eines solchen Überfalls zu werden. Jeder fasst es als einen persönlichen Angriff auf.

Gegen Mittag sind die gröbsten materiellen Schäden beseitigt. Die Spurensicherung gibt den letzten Raum frei. Professor Schramm dankt in der Mittagsrunde allen, stößt mit einem Glas Wein und Kaffeetassen an. Doch die menschlichen Beschädigungen werden für immer bleiben. Volker Pöhl

   
 
 

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Kommentare zum Artikel

  • von hex am 15.01.2009 20:39
    Rettet die deutsche Orthographie
    Liebe Freies-Wort Redaktion.
    Ein Tippfehler passiert. Aber dieser Artikel schreit ja geradezu: "Korrigiert mich!".
    Ob "Materille" Schäden, oder "Gleisende" Lichtstrahlen...bitte achtet auch auf die formale Qualität eurer Texte. Danke!

 

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