Meiningen/Rohr-Kloster. Die „Mittelstandsvereinigung pro Südthüringen e.V.“ – durch die Fusion von „Pro Südthüringen“ und der
Der Verein will sich mit gebündelten Kräften den Herausforderungen stellen, die seit der Wirtschaftskrise nicht kleiner geworden sind. „Anhand von Umfragen verdichtet sich immer mehr die Erkenntnis, dass sich nach dem krisenbedingten schweren Einbruch der Wirtschaftsleistung auch unsere Südthüringer Wirtschaft langsam aber stetig erholt“, äußerte der wiedergewählte Vorstandsvorsitzender Roland Weidner vorsichtigen Optimismus. Wenn auch rund 80 Prozent der Südthüringer Unternehmen zumindest wieder kostendeckend arbeiten, so zeige doch die aktuelle Situation, welche Einschnitte sie in den letzten Monaten hinnehmen mussten. Gesunkenes Auftragsvolumen, geringerer Umsatz und eine erhebliche Zurückhaltung der Kunden im Bereich des Handels habe zu dieser Situation geführt.
Der notwendigen Risikobereitschaft der Unternehmen stehe das zögerliche Verhalten des Bankgewerbes entgegen, kritisierte Weidner. Und dankte deshalb der IHK Südthüringen, die mit dem neu eingerichteten Liquiditätsmanagement für Firmen in Schwierigkeiten eine gute Unterstützung gebe. Das gelte ebenso für das zu Beginn dieses Jahres neu aufgelegte Bürgschaftsprodukt „IHK Mittelstand“, das den Unternehmen gestattet, sich ohne Antragsstellung bei der Hausbank direkt und unbürokratisch an die Bürgschaftsbank zu wenden.
Schwerpunkt der Arbeit des neuen Vereins soll die Unterstützung der Mitglieder in den unterschiedlichsten Bereichen sein. Noch ist das Zusammenwachsen der beiden bisherigen Vereine nicht gelungen, für das gegenseitige Kennenlernen aller Mitglieder soll deshalb mehr getan werden. Roland Weidner: „Wir wollen in diesem Jahr mehrere Unternehmerdialoge durchführen, die jeweils im Raum Schmalkalden, Meiningen, Suhl und später auch im Raum Hildburghausen und Bad Salzungen stattfinden werden, und das abwechselnd in einem Mitgliedsbetrieb. Damit hat der einladende Betrieb die Möglichkeit, den Dialogteilnehmern sein Unternehmen vorzustellen.“ Daraus könnten dann Kontakte der einzelnen Unternehmen und eine engere Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil entstehen.
Rohrer Dialog
Weiterhin hat sich der Vorstand darauf verständigt, in den nächsten Monaten den III. Rohrer Dialog zu veranstalten. Im zweiten Halbjahr ist eine Wirtschaftskonferenz Südthüringens im CCS Suhl vorgesehen. „Der Rohrer Dialog könnte zum Beispiel die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in der Region Südthüringen mit dem Schwerpunkt Raum Schmalkalden haben. Hier könnte der Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, Herr Carius, eingeladen werden“, so Roland Weidner. Zur Wirtschaftskonferenz in Suhl soll dann Wirtschaftsminister Machnig eingeladen werden, da dort das Thema steht: „Geht die Wirtschaft Südthüringens gestärkt aus der Krise hervor, sind die notwendigen strategischen Weichen gestellt?“
Sorgen macht den Südthüringer Unternehmen die demographische Entwicklung. Prognosen zufolge wird im Jahr 2030 jeder dritte Thüringer über 65 Jahre alt sein. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Jugend sein Glück in den alten Bundesländern sucht. Aufrüttelnde Worte des Vereinsvorsitzenden zu dieser prekären Situation: „Der Weggang der Jugend muss nach Möglichkeit verhindert werden. Es sind völlig neue Überlegungen anzustellen, wie wir unseren Bevölkerungswegzug, insbesondere junger Menschen, beenden können.“ Jugend- und familienfreundliche Bedingungen zum Arbeiten, Wohnen und Leben in den Südthüringer Kommunen seien dazu erforderlich. Wissensbasierende Wirtschaftsbereiche sind zu stärken und auszubauen und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Wachstum und Innovation zu fördern.
Wurden vor Jahren die Betriebe noch gebeten, durch zusätzliche Anstrengungen weitere Lehrstellen zu schaffen, hat sich das Verhältnis inzwischen völlig umgekehrt. „Schon jetzt beginnt der Kampf der Unternehmen, um ihren langfristigen Nachwuchs zu sichern und zunächst wenigstens die einfache Reproduktion zu gewährleisten“, zog er ein nüchternes Fazit. „Wir müssen alles erdenklich Mögliche tun, um unserer heranwachsende Jugend hier in dieser Region eine aussichtsreiche Perspektive zu geben. Nur durch attraktive Arbeitsplätze mit einer guten Entlohnung und einem weiteren gezielten Ausbau der Infrastruktur kann unsere Jugend an unsere Region gebunden werden.“ Schlimme Zahlen dazu kommen auch aus Berlin: „Das Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung sieht Thüringen als eines der demographischen Notstandsgebiete Europas.“ Jedes Jahr verringert sich die Einwohnerzahl Thüringens um rund 18 000 Menschen, das entspricht einer Stadt wie Schmalkalden. Nirgendwo sonst in Europa sind so viele junge Frauen abgewandert wie in Thüringen. „Es ist fünf Minuten vor zwölf“, warnte Roland Weidner. (dws)
Ressort Meiningen
Erschienen am 07.03.2010 13:28
Mittelstandsvereinigung
Gebündelte Wirtschaftskraft
Weggang der Jugend muss verhindert werden
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