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Es war eine eher leise Feier mit vielen Gesprächen, die sich an den Vortrag des amtierenden Vereinsvorsitzenden Siegfried Müller und eine kurze emotionsgeladene Diskussion anschloss. Schließlich gibt der Zustand des Volkshauses den Vereinsmitgliedern auch kaum Anlass zum ausgelassenen Feiern. Denn zum zehnten Vereinsjubiläum hätte man sich schon größere Fortschritte an dem Gebäude erhofft. Dennoch, ans Aufgeben denken die Vereinsmitglieder noch lange nicht. „Wir waren am Donnerstag wieder im Volkshaus. Da schwebt man zwischen Hoffnung und Entsetzen, was daraus geworden ist. Wenigstens aber sind die Dächer erstmal dicht. Lange darf es nicht mehr dauern, bis etwas getan wird. Es wurden schon viel zu oft Dinge versprochen. Die Stadt Meiningen steht mit 101 Euro Schulden je Einwohner nicht schlecht da. Der 1. Bauabschnitt müsste angefangen werden“, so Müller am Ende seines Exkurses in die wechselhafte Geschichte des traditionsreichen Hauses.
Es herzurichten sei sicher nicht das Problem, aber die laufenden Ausgaben seien angesichts der finanziellen Situation nicht zu schultern, hatte Stadtrat Uwe Achtelstätter (CDU) zu bedenken gegeben. Angesichts eines fehlenden Nutzungskonzeptes und klammer Stadtkasse sah Achtelstätter kaum Chancen für die Sanierung des Volkshauses – und wenn, dann höchstens für den Volkshaussaal. „Wenn die Stadt keinen ausgeglichenen Verwaltungshaushalt hat, können wir nicht noch einen Kredit dafür aufnehmen. Das Volkshaus steht nicht an erster Stelle“, so Achtelstätter.
Dem entgegnete Siegfried Müller, dass man das Volkshaus schließlich auch schrittweise in Jahresscheiben sanieren könne. „Sie sind Mitglied im Volkshaus-Verein. Da kann ich nicht verstehen, dass Sie verlangen, das Volkshaus abzureißen, wo es gerade notgesichert wurde“, brachte der amtierende Vorsitzende seinen Unmut zum Ausdruck.
Optimismus in den 90ern
„Wir haben viele Volkshäuser in der Stadt“, mischte sich Bürgermeister Reinhard Kupietz in die Debatte ein. Wenn Nutzungsideen da sind, sei es relativ einfach, am Volkshaus zu investieren. Es habe freilich auch Interessenten gegeben. Die wollten aber alle einen Generalmietvertrag, bei dem die Stadt die Defizite trägt, erinnerte er. „Wir können uns aber nicht ins Blaue hinein verpflichten“. Kupietz nannte das Engagement der Stadt bei der Schloss-Sanierung und beugte dem Vorwurf vor, die Stadt tue nichts. „Ich war auch mal sehr optimistisch in den 90er Jahren. Da hatten wir noch entsprechende Gewerbesteuereinnahmen und ich dachte, das kriegen wir hin. Heute sehe ich das schaumgebremst. In den nächsten zwei, drei Jahren werden wir das nicht schaffen. Wir haben das Geld nicht. Ich bitte Sie daher um genug Realitätsbewusstsein“, sagte das Meiniger Stadtoberhaupt.
Bekanntlich ist das Dach inzwischen abgedichtet. Im Januar 2009 fasste der Stadtrat den Beschluss, das Saalgebäude in einen veredelten Zustand zu versetzen. Zwischenzeitlich hatte auch ein Autohaus Interesse an dem Objekt bekundet. Im April 2009 gab es dann vom Stadtrat ein knappes Ja, das Volkshaus bis 2013 durch die Stadt sanieren zu lassen. Im vergangenen Jahr waren 980 000 Euro für den ersten Bauabschnitt im Haushalt vorgesehen. Um den städtischen Etat ausgeglichen und genehmigungsfähig hinzubekommen, war der Posten jedoch noch aus dem Haushalt gestrichen worden. 2010 sind bisher ebenfalls null Euro geplant. Dennoch ermunterte Kupietz die Vereinsmitglieder, ihre Lobbyarbeit für das traditionsreiche Haus fortzuführen. Im Oktober stehen im Verein Vorstandswahlen an, informierte Siegfried Müller außerdem. Der bisherige Vorsitzende Hilmar Schellin hatte das Amt unlängst aus persönlichen Gründen abgegeben. b


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