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Berglauf-WM
Klitschka: Mittendrin statt nur dabei
Wie der sehbehinderte Extremsportler aus dem südthüringischen Neuenbau bei der "Tour de Tirol 2009" die internationale Teilnehmerschaft und das Publikum in Erstaunen versetzte.
Von Stefan Löffler
Söll / Neuenbau - "Diesmal bin ich wirklich absolut an
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Glücklich im Ziel und unter der Iso-Matte angekommen, ließen sich Steffen Klitschka aus Neuenbau (rechts) und sein bewährter Vorläufer Roland Beyer aus München ein Belohnungsbierchen für die ausgestandenen Strapazen nicht nehmen. Fotos (4): Kathrin Klitschka
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meine körperliche Grenze gegangen", bekennt Steffen Klitschka, wenn er auf die "Tour de Tirol" zurückblickt. Dieser Extrem-Marathon ging kürzlich im Wilden-Kaiser-Gebiet beim österreichischen Söll über die Bergpfade. Zur "Tour de Tirol 2009" wurde der sogenannte "Kaisermarathon" diesmal aber auch zum Schauplatz der Langstrecken-Berglauf-WM, zu der heuer rund 600 Läufer aus 22 Nationen an den Start gingen. Unter ihnen nicht nur die gesamte Welt-Elite des Berglaufes, sondern auch Steffen Klitschka, der stark sehbehinderte Extremsportler aus dem Sonneberger Land. Nur noch über fünf Prozent Sehvermögen verfügt der von Jugend auf an einer schweren und sich kontinuierlich verstärkenden Augenkrankheit leidende Neuenbauer. Das hielt ihn aber nicht davon ab, hier abseits zu stehen. Nach seiner diesjährigen Teilnahme am Rennsteiglauf, am Nord-Ostsee-Kanallauf, am Bitterfeld-Marathon sowie am Sechs-Stunden-Lauf von Ottobrunn also nun die "Tour de Tirol". Es sollte für ihn die Krönung seines Lauf-Jahres 2009 werden - und wurde es auch.

Dass sich Klitschka solch extremen Herausforderungen stellt, ist nichts Neues. Hat er doch schon ähnlich harte Läufe absolviert. Erinnert sei hier nur an seine Teilnahme am Marathon-Lauf auf der Großen Chinesischen Mauer (2008).

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Je höher man kam, wurde das Wetter immer nebeliger und nieseliger. Klitschka musste Vorläufer Beyer dicht auf den Fersen bleiben.
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Das Besondere an der "Tour de Tirol": Dieser Lauf über die obligatorischen 42,195 Marathon-Kilometer, bei dem zudem noch ein Höhenunterschied von fast 3 000 Meter zu überwinden ist, ist ein Lauf für absolute Profis. Die Strecke führte zunächst an der Nordseite des "Wilden Kaisers" entlang hinauf zur Hohen Salve (1850 Meter) und dann - über steile Berghänge, Skipisten und schmale Gebirgspfade - weitere 1000 Meter bergan. Klitschka war der einzige Behinderte, der hier teilnahm.

Dass auf seinem Lauf-Shirt die Aufschrift "Sehbehinderter Läufer" prangte, verwirrte manchen Mitläufer und Zuschauer sichtlich. "Vor allem waren es einige Mitläufer, die schier fassungslos waren, als ich sie dann auch noch überholte", erinnert sich Klitschka und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: "Schließlich waren sie nicht nur deshalb fassungslos, weil ich als Behinderter so was schaffte, sondern auch, weil ich ja nun auch keineswegs so ein Leichtgewicht bin wie die meisten Läufer, sondern stattdessen auch etwas übergewichtig."

Das mit dem Überholen hat aber natürlich nicht nur an seiner Kondition gelegen, sondern auch deshalb so gut geklappt, weil Roland Beyer mich so gut leitete. Für Klitschka ist der Münchner seit seinem China-Lauf der Vorläufer, an dem er sich orientiert. Das war auch bitter nötig, denn die Strecke war sehr schwierig. Hinzu kam das nebelige und nieselige Wetter an jenem Samstagmorgen. Das wurde immer schlimmer.

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Am Ziel warteten schon Tiroler Maiden mit wärmenden Iso-Matten - aber auch Steffens Frau, die ihn zur "Tour de Tirol" begleitete.
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Klitschka: "Ich musste vorsichtig sein. Schließlich wollte ich mich ja auch nicht verletzen. Vor allem die letzten vier Kilometer, wo es mit einem bis zum Zieleinlauf zu überwindenden Höhenunterschied von über 1 100 Metern noch mal richtig krachte, waren für mich die Hölle. Schließlich gelang es mir aber unter den 392 Läufern zu sein, die diesen Berg-Marathon in maximal sechseinhalb Stunden bewältigten. Ich war zwar nicht unter den Vorderen, sondern eher im Mittelfeld - sozusagen mittendrin statt nur dabei. Aber das war okay."

In einer respektablen Zeit von 5:05 Stunden kamen Klitschka und Beyer als 168.
ins Ziel. Der Neuenbauer kommentierte das Ergebnis so: "Das ist zwar keine Top-Platzierung, aber wenn man die ganzen Umstände und Verhältnisse sieht, ist es am Ende eine sehr gute Mittelfeld-Platzierung. Schließlich sprachen selbst die Elite-Läufer bezüglich dieses Laufes von einem ,brutalen Hammer' und benötigten über drei Stunden. Ich brauche mich deshalb mit meiner Platzierung wirklich nicht verstecken und bin riesig stolz darauf. Wenn man bedenkt, dass ich mit meiner Sehschwäche und mindestens 25 Kilo mehr auf dem Kreuz weit mehr als die Hälfte guter Bergläufer hinter mir ließ. Dann darf man nicht vergessen: Es war schließlich eine Weltmeisterschaft auf internationalem Spitzenniveau. Es wäre ja auch wirklich nicht normal, wenn ich noch mit den Topläufern mithalten könnte. Ich glaube, da würden sich manche ein neues Hobby suchen, oder gar den Beruf wechseln ..." Was Steffen Klitschka - außer dem Glücksgefühl, es geschafft zu haben - noch blieb von der "Tour de Tirol", ist ein Gefühl tiefer Dankbarkeit - für seinen Vorläufer Roland Beyer, für seine Unterstützer vom SV Germania, der Likra Sonneberg, Bernd Knabner aus Tettau, Ehefrau Kathrin und seine ganze Familie. Aber auch für den Österreichischen Berglaufverband, der ihn zu dieser WM zuließ. Steffen Klitschka dazu: "Schließlich ist es ja für jeden Veranstalter beziehungsweise - wie in diesem Falle - für einen ganzen Verband stets ein gewisses Risiko, einen sehbehinderten Läufer starten zu lassen."

 
 
 

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