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Entwicklung
Eine Vision für Steinach im Jahr 2019
Beim Neujahrsempfang sucht Steinach nach seiner Rolle in der Zukunft.
Von Ully Günther

Steinach - Diese Stadt, der Blick aus den Panoramafenstern

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Wurden in 20 Jahren zu einem Markenzeichen für Steinachs putzmuntere Eigenwilligkeit: die "unvergleichlichen" Blech Bruch Bräzel Big Bier Bichlers. Fotos: camera900.de
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des Jugend- und Vereinshauses zeigt es, ist ein bisschen anders als die anderen. Ein Wetter wie aus dem Wintermärchenkatalog, und auf dem Marktplatz unten türmen sich labyrinthisch die Schneewände. Dazwischen schlittern lustig Autos auf Parkplatzsuche. Meist springen dann drei, vier Gestalten aus so einem Kleinwagen - schwarze Scherenschnitte im gleißenden Gegenlicht - die flugs ihre Snowboards unter den Arm klemmen und sich hüpfend auf den Weg machen zum Bus-Shuttle Richtung Silbersattel.

So also will die Stadt Steinach sein. So will sie aussehen wie an diesem traumhaften Sonntagmorgen: springlebendig, kreativ, ruhig auch einmal mit jener dosierten Prise Chaos, ohne die kein authentisches Leben denkbar ist.

Die Unvergleichlichen

"Lebendig!" Oder auch "kernig!" Solche Wörter passen zu Steinach. Die Stadt ist genau so wie diese eigenwilligen "Bruch Blech Bräzel Big Bier Bichlers". Seit 20 Jahren existiert die Truppe mittlerweile. Echte Typen eben, die mit diesem schrammeligen Louisiana-Sound, der gar nicht hierher gehört und doch perfekter passt als die Faust aufs Auge, zu einem Markenzeichen der Stadt geworden sind. Auch deswegen spielten die "unvergleichlichen sechs B" (O-Ton des Bürgermeisters) beim Steinacher Neujahrsempfang an diesem Sonntag. Banjo und Snowboard, auf diesem Breitengrad ungefähr liegt das Zukunftsprogramm für Steinach.

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Ulrich Kurtz
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Ja, sprach vorne am futuristischen Rednerpult, das einen Hauch von Raumschiff Enterprise verströmt, der städtische Commander Ulrich Kurtz, die Welt an sich sei - das Jahr 2009 habe es gezeigt - in einem eher bemitleidenswerten Zustand: Amokläufe, Krisen, Großpleiten, Kriege, Grippeviren, nichts was wirklich Anlass zu solider Hoffnung gäbe, außer Barack Obama vielleicht. Die Zeit, sie scheine sinnlos dahinzurasen und gönne den Menschen keine Pause zum Verschnaufen, nicht einmal über den einst idyllischen Jahreswechsel. Der Weltbürger von heute, er empfinde sich zunehmend als Getriebener, als ein Bedrängter, ein tiefes inneres Unbehagen habe sich breit gemacht, analysierte Kurtz und zitierte Albert Einstein: "Wir leben in einer Zeit vollkommener Mittel und verworrener Ziele." Der vorgebliche Fortschritt, urteilte Ulrich Kurtz, kaschiere nur eine Art Hilflosigkeit, die darin bestehe, "dass wir nicht wissen, was wir wollen. Das ist die Krankheit unserer verworrenen Zeit."

Nach Möglichkeit natürlich soll diese Krankheit der Welt am besten gar nicht oder in möglichst begrenztem Umfang auf Steinach übergreifen. Deshalb, so Kurtz, sei der Kommunalpolitik an einer sehr klaren und realistischen Zielsetzung gelegen. Ein Leitbild solle in den nächsten zwei Jahren entwickelt werden, damit die Stadt Steinach einschließlich ihrer Bürger genau weiß, wo sie hin will und was sie erreichen möchte bis zu ihrem 500-jährigen Jubiläum im Jahr 2019. Die Grundlinien sind dabei bereits umrissen: Steinach möchte sich als Stadt der kreativen Lebensart und des Sports präsentieren. Hier liegt das entscheidende Potenzial, wie schon der Blick auf die "unvergleichlichen sechs B" und die Snowboardfahrer, die über den Marktplatz hüpfen, zeigt. Für größere Industrieansiedlungen hat Steinach schlicht keine Flächen, deshalb sieht die Stadt ihr Arbeitskräftepotential im Dienstleistungsbereich, "besonders im Tourismus", sagt Kurtz. Man sei schon auf dem Weg.

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Steinachs Zukunftsprogramm steckt schon im Logo der Stadt.
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Unten am Markt habe in diesem Jahr der neue Besitzer Axel Müller das ehemalige Hotel Steinacher Hof in ein Sporthotel "verzaubert". Unten auf der Ostseite des Marktes habe auch die Stadt nun Flächen aufgekauft. 3 000 Quadratmeter stünden damit zur Verfügung für ein neues Alten- und Pflegeheim im Herzen Steinachs. Die Verhandlungen mit zwei Investoren liefen. Im nächsten Jahr könne das Heim bezugsreif sein, wenn alles gelänge.

So will Steinach etwas für seine älteren Bürger tun, denn über allen Zukunftsvisionen schwebt die Idee von der Generationengerechtigkeit. Steinach soll einerseits attraktive Heimat werden für junge Menschen, ein besonderes Augenmerk liegt deshalb auf einer nachhaltige Entwicklung, die zukünftigen Generationen Chancen wahrt statt sie heute schon zu verspielen. Andererseits will die Stadt aber auch vertraute und lebenswerte Heimat bleiben für den wachsenden Anteil ihrer älteren Bürger. Das ist der Spagat, den die Stadt schaffen muss vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung Die Einwohnerzahl nämlich geht zurück. Im Jahr 2009 sank sie um 82 Menschen auf 4305. Diese Schrumpfung ist verbunden mit einer steten Erhöhung des Durchschnittsalters. Höchste Zeit also, die Stadt lebenswert zu erhalten für ältere Menschen und sie gleichzeitig attraktiv zu gestalten für die Jüngeren, damit sie hier bleiben statt abzuwandern.

Auch kleine Schritte können helfen auf diesem Weg. So kündigte Kurtz beim Neujahrsempfang an, dass trotz geringerer finanzieller Spielräume im Jahr 2010 ("Diese unsägliche Krise ist jetzt auch bei uns angekommen.") Steuern und Abgaben in der Kommune nicht erhöht würden. Auch die freiwilligen Leistungen würden vorgehalten. "Sie sind entscheidend für die Lebensqualität." Klare Worte also zum neuen Jahr in Steinach. Draußen glitzerte munter der Schnee. Drinnen griffen bestens gelaunt nach ihrem kreativen Mittagsbier die unvergleichlichen "Bruch Brech Bräzel Big Bier Bichlers" in die Tasten und sahen dabei aus, als ob sie sich gerade für die nächsten 20 Jahre einspielten - wenigstens aber für 2019.

 
 

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