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Ressort Schmalkalden
Erschienen am 22.09.2008 00:00
Tag der offenen Tür im Blindeninstitut
Lernen, den Alltag zu meistern
Wie blinde und mehrfach schwerbehinderte Kinder lernen

SchmalkaldenAlle zwei Jahre lädt die

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Volles Haus: Schon am Morgen war der Andrang groß und auch am Nachmittag wurde es kaum weniger. Fotos (2): fotoart-af.de
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Blindeninstitutsstiftung zu einem Tag der offenen Tür ein. Jetzt war es wieder soweit und der Andrang schon am Morgen groß. Ärztin Verena Mau empfing die Gäste und stellte die Einrichtung kurz vor. Für viele Auszubildende in heilpädagogischen Berufen ist die Blindeninstitutsstiftung ein Kompetenzzentrum. Sie nutzen die Gelegenheit, sich über den neuesten Stand der Arbeit mit blinden und schwerbehinderten Kindern zu informieren.

Das Ehepaar Kroll aus Asbach wollte die Arbeitsstätte der Schwiegertochter kennenlernen. Grundschüler aus Asbach kamen in die Notstraße, um zu schauen, wie blinde Kinder lernen können.

Gelehrt wird nach den Prinzipien der Graf-von-Bentheim-Schule am Hauptsitz der Blindeninstitutsstiftung in Würzburg. Schulleiterin Katrin von Vogt: „Vom mobilen, sehbehinderten Kind, das Schwarzschrift lernt, Deutsch und Mathe auf dem Stundenplan hat bis zum schwerst mehrfach behinderten Kind, das andere pädagogische Konzepte, eine andere Tagesstruktur braucht, ist in unserer Schülerschaft alles vertreten.“ Das erfordere eine hohe Differenzierung. Die Schulleiterin betont, dass für alle Kinder die Schulpflicht besteht. Nur in wenigen Fällen könne diese für ein Jahr ausgesetzt werden. Die staatlich genehmigte Ersatzschule in freier Trägerschaft biete derzeit für ein Kind die Hausbeschulung an.

Das Paul- und Charlotte-Kniese-Haus, benannt nach der gleichnamigen Stiftung zur Blindenförderung, ist die Schule für zwei Tagesschulklassen und zwei Schulheimklassen. Vier weitere Schulheimklassen befinden sich im Robert-Koch-Haus.

Diese Klassen haben je sieben Schülerinnen und Schüler. In einem Film stellten die Tagesschüler ihren Alltag eindrucksvoll nach. Der gut gemachten Eigenproduktion von „Blindiwood“ gaben sie den Titel „Umbratilies“ – „Den Schatten genießen“.

Keine Klingelzeichen

Klingelzeichen gibt es in dieser Schule, deren Klassenräume sich im ersten Stock befinden, nicht. Der Tag beginnt mit der Ankunft der

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Thomas Heller (r.) übergab den Scheck der Lions. Foto: M. Dressel
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Kinder mit dem Fahrdienst. Dann gibt es ein gemeinsames Frühstück und danach geht es zum Händewaschen. Einer freien Spielphase folgt der Unterricht. Er wird je nach dem Entwicklungsstand der Kinder unterteilt in Blockund Projektunterricht.

So lernt der zehnjährige Dominik Schreiben und Lesen. Philipp beschäftigt sich mit der Blindenschrift und Jan ertastet Formen und Gegenstände. Ganz wichtig sei, so Ärztin Verena Mau, die verbliebenen Möglichkeiten des Sehens immer wieder anzuregen. Das werde zum Beispiel mit Lichtreizen erreicht. Seit zwölf Jahren arbeitet Katrin Distel, sonderpädagogische Fachkraft, in der Tagesschule. „Hier gibt es auch Schulfreundschaften, aber ein wesentlicher Unterschied ist, dass unsere Schüler hier vor allem lernen, ihren Alltag zu meistern.“

Im Erdgeschoss lernen zwei Gruppen des Schulheimes. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus ganz Deutschland. Es sind Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen. Sieben sonderpädagogische Fachkräfte sind rund um die Uhr für jede Gruppe da. Das Lernprogramm entspricht in den Grundzügen dem der

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Gar nicht so einfach: Die Besucher probierten vieles selbst aus.
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Tagesklassen, muss aber viel stärker differenziert werden. Wenn diese beiden Gruppen zum Tag der offenen Tür selbst gekochte Marmeladen und Zwiebelkuchen anboten, dann haben die Schülerinnen und Schüler mitgewirkt.

„Sie legen einen Apfel auf den Tisch oder halten die Kuchenschüssel“, schildert die sonderpädagogische Fachkraft Christina Werner. Ihr Kollege Uwe Burmeister hat die Saftpressen für die Besucher mitgebracht, um zu zeigen, wie vielfältig die Angebote für die schwerstbehinderten Schützlinge sind. Selbstgepresster Apfelsaft – der schmeckte auch Anika aus der Grundschule in Asbach.

Codi war zum Arbeiten da

Traditionell ist der Blinden- und Sehbehindertenverband beim Tag der offenen Tür vertreten. Uwe Hasskerl aus dem Unstrut-Hainich-Kreis fiel mit seinem Gefährten, dem weißen Golden Retriever Codi, auf. „Nicht streicheln, ich arbeite“, steht auf dem Geschirr des dreijährigen Blindenhundes. Das ausgebildete Tier wird per Rezept vom Augenarzt verordnet und kostet rund 20 000 Euro. Noch trage diese Kosten die Krankenkasse, sagt Uwe Hasskerl.

Vom Lions-Club Schmalkalden, der schon seit vielen Jahren die Kinder in der Blindeninstitutsstiftung unterstützt, gab es 500 Euro. Thomas Heller überreichte den Scheck mit dem Erlös der Aktionen beim diesjährigen Stadtfest. Volker Wickendick, Leiter der Blindeninstitutsstiftung, teilte mit, das Geld werde mit anderen Spenden zusammengelegt. Es gebe neue Fördermaterialien und Diagnostikmittel, die angeschafft werden sollen. lou

 
 
 

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