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Erschienen am 12.12.2008 00:00
Finanzkrise
Schulterschluss und kleine Brötchen
Bankexperte Dr. Edgar Most sprach über viel Geld, viel Gold und noch mehr Kleinkariertes

UnterschönauÜber Ursachen und Auswirkungen der

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Gewerbevereins-Vorsitzender Erich Bahner und Edgar Most in der Fragerunde. Foto: Erik Hande
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aktuellen Finanzkrise sprach Dr. Edgar Most auf Einladung regionaler Gewerbevereine und des Steuerbüros Wolf vor über 100 Unternehmern, Bürgermeistern und Bürgern.

Der ehemalige Direktor der Deutschen Bank berichtete zunächst über die Geschichte der Geld-Gold-Bindung. Aufgegeben wurde diese durch die USA, die während des Vietnam-Krieges immer mehr Geld benötigten, welches sie nicht mehr adäquat mit Goldreserven hinterlegen konnten. Seitdem war die Bindung zwischen Finanz- und Realwirtschaft verlorengegangen und führte immer wieder zu Konflikten. Die jetzige Finanzkrise sei längst nicht die erste, aber die schwierigste. Nicht davon betroffen sind die Regionalwährungen wie in der Region Chiemgau, brachte Dr. Most in seinem Vortrag eine Alternative ins Spiel. Diese könne zwar nicht den Euro ablösen, aber helfen, eine Region zu stärken. In diesem Zusammenhang meinte der ehemalige Banker: „Die kleinkarierte Denkweise, die ich hier antreffe, erstaunt mich.“ Allein am Beispiel einer Regionalwährung sei unter Umständen mehr Zusammenarbeit möglich.

So wenig konkrete Vorschläge der in Tiefenort (Wartburgkreis) geborene Edgar Most gegen die Auswirkungen der Finanzkrise auch hatte, eines empfahl er aber inständig: nicht kleinkariert denken, sondern sich miteinander vernetzen und Interessen verbinden. Deutlich wurde er am Beispiel der Autohäuser. Dort droht bei nahezu jedem dritten freien Händler die Pleite. Warum können sich diese in der Region nicht – wenigstens zeitweilig – zusammenschließen, einander ergänzen und helfen?, lautete seine Frage. Wenn die Krise überstanden ist könne man solch einen Verbund wieder lösen, nannte Edgar Most einen Weg, der auf viele Branchen zutreffen könne.

Wie dringend notwendig neue Lösungsansätze für die Unternehmen aller Größenordnungen sind, schilderte der in zehn Aufsichtsräten tätige Bankdirektor a. D. weiter. So habe eine Firma binnen weniger Tage die Stornierungen von sieben Schiffsbau-Aufträgen erhalten. Das sei fast eine Jahresproduktion für das Unternehmen, machte er das enorme Ausmaß deutlich. Wie in der Automobilbranche hängen dahinter etliche Zuliefer. „An den kleinen Popel denkt da keiner“, schilderte Edgar Most die Handlungsweise der deutschen Politik und der Wirtschaft. Insgesamt werde dort seiner Meinung nach momentan nur viel geredet, aber zu wenig zur Lösung der Probleme unternommen.

Mit Blick auf die internationalen Finanzmärkte wies Dr. Most neben den „faulen“ Immobilienkrediten in den USA auf die bisher nicht zutage getretene Krise um die Kreditkartenschulden hin. Zudem sei die gegenwärtige Übersicht zur weltweiten Finanzkrise noch unvollständig. Schließlich wisse keiner genau, wer wann wo welche verbrieften Kredite gekauft und weiterverkauft hat. Das vollständige Ausmaß der Finanzkrise werden Banken und Unternehmen deshalb wohl erst im kommenden Jahr feststellen können. Deren erste Opfer in Deutschland waren bekanntlich die IKB sowie die Landesbanken in NRW, Sachsen und Bayern.

„Ich hätte sie pleite gehen lassen“, verkündete der pensionierte Bankdirektor unmissverständlich. Dass nun auch noch die Commerzbank die Hand nach dem milliardenschweren Rettungsschirm der Bundesregierung ausstreckt und damit offensichtlich die Last aus dem Kauf der Dresdner Bank bewältigen möchte, sei nicht akzeptabel, weil hier für private Unternehmen noch einmal Steuergelder eingesetzt werden. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann müsse man für seinen Verzicht auf diese Milliarden loben, stattdessen werfe ihm die Öffentlichkeit Überheblichkeit vor. Dabei habe der nur erklärt, keine Steuergelder nehmen zu wollen, um die Folgen der Finanzkrise auszubügeln, welche die Finanzbranche selbst verursacht hatte, warb Most um Verständnis für seinen einstigen Chef.

Aus der Höhe der globalen weltumspannenden Finanzpolitik stieg der Tiefenorter noch einmal auf die Ebene des regionalen Mittelstandes hinab. „Gemeinsamkeiten suchen und zusammenrücken“, beschrieb er den Konsens, den heimische Unternehmen anstreben sollten. Das treffe übrigens auch auf die Orte im Tal zu, bei ihm wäre das „alles eine Großgemeinde“, meinte Edgar Most unter spontanem Beifall der Zuhörer. Die Wirtschaft müsse aber im Gegensatz zur Politik sehr viel schneller zusammenfinden, ergänzte der ehemalige Bankdirektor. Das treffe auch unter der Maßgabe zu, dass eine Zeit lang kleinere Brötchen gebacken werden. So wie er es bis jetzt sehe, meinte Edgar Most, habe die Region aber noch keine großen Probleme. „Außer wenn sie Zulieferer in der Weltwirtschaft sind, dann haben sie die Probleme schon“, so Dr. Most zur Automobilbranche. Dabei appellierte er ausdrücklich an heimische Geldhäuser wie die Sparkasse und die VR-Bank, den Mittelstand zu unterstützen.

Als Fazit des Abends konnten diese den Appell mitnehmen, in der Krise die wirtschaftliche Struktur zu verzahnen, enger aufeinander abzustimmen und die Talsohle gemeinsam zu durchschreiten. Apropos Struktur: Warum es in der Region überhaupt noch eine Handwerkskammer und eine Industrie- und Handelskammer (IHK) gibt, wollte Most wissen. eh

 
 

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