Sonneberg - Traditionell, am ersten Tag des neuen Jahres,
Im Jahre 1808, gerade erst 22 Jahre alt, war Carl Maria Friedrich Ernst von Weber, als er seine sieben Variationen opus. 9 in F-Dur schrieb.
Gefühlvolles Spiel
Gleich zu Beginn des Konzertes faszinierte das musikalische Thema dieses Werkes durch das durchsichtige und gefühlvolle Spiel von Leopoldo Lipstein. Hohe Virtuosität legte Carl Maria von Weber, aber auch der Pianist, in dieses Werk. Differenziert, jedoch mitunter auch sehr kraftvoll, arbeitete Lipstein die technisch und musikalisch sehr hohen Anforderungen heraus. Die tragische Aussagekraft im Moll-Teil, das kompositorische "Ausbrechen-Wollen", hielt der Pianist hervorragend "fest". Die gesamte Komposition wurde durch die Interpretation von Lipstein sehr positiv und lebensbejahend empfunden. Gegensätzliche intensivste Gefühle müssen in dem 22jährigen Weber gelebt und gesteckt haben, als er dieses geniale Werk von einer solchen Aussagekraft, gepaart mit einer überwältigenden Virtuosität, schuf. Viel Frische und viel Freude "sprechen" aus diesen sieben Variationen. Regelrecht jubelnd lassen der Komponist und der Interpret dieses Meisterwerk ausklingen.
Schwer zu spielendes Werk
Auch Franz Schubert war erst 25 Jahre, als er 1822 seine "Wanderer-Fantasie" D 760 schuf. Der musikalische Grundcharakter ist von dem Ursprung völlig losgelöst. Schubert nahm für seine "Wanderer-Fantasie" die harmonische und melodische Folge aus seinem Lied "Der Wanderer" opus. 4 Nr. 1 nach dem Gedicht von Schmidt von Lübeck. Aus dem Lied spricht eine sehr suchende Grundaussage. Die besagte Stelle im Lied, die Schubert für seine Fantasie benutzte, lautet: "Die Sonne dünkt mich hier so kalt, die Blätter welk, das Leben alt ..." Original steht die Akkordfolge in cis-Moll, die Schubert auch nur im zweiten Satz in der Fantasie so Tonartoriginal übernimmt. Das Akkordprinzip beginnt jedoch im Anfangsteil in C-Dur und in der Interpretation von Leonardo Lipstein strahlte dieser Satz sogar Optimismus aus. Heroisches schwang im zweiten Satz. Alle vier Sätze gehen nahtlos ineinander über, sodass die Komposition als ein in sich geschlossenes Ganzes erlebt wird.
Ohne jegliches Sentiment interpretierte Lipstein die "Wanderer-Fantasie", die eine bunt schillernde Gefühlswelt zum Ausdruck bringt. Es ist ein grandioses Meisterstück, das in seiner Umsetzung sehr spannend gesehen werden kann. Leopoldo Lipstein spielte das technisch und musikalisch schwere Werk meisterhaft.
Frederic Chopin schrieb sein "Fantasie-Impromptu" opus 66 in cis-Moll ungefähr mit 24 Jahren, etwa um 1834. Schubert hat sicherlich mit seinen Impromptus den jungen Chopin beeinflusst. Brillierend interpretierte Leonardo Lipstein dieses Stück, das in seinem melodischen Mittelteil sehr musikantisch, ohne Gefühlspathos, gespielt wurde. Lipstein gab diesem Werk einen sehr "spielerischen" Charakter.
Tango-Geist war herauszuhören
Alberto Ginastera ist ein argentinischer Landsmann von Leopoldo Lipstein. Drei Tänze: "Der Tanz des alten Ochsenlenkers", "Der Tanz des anmutigen Mädchens" und "Der Tanz des freien Gauchos" kamen zu Gehör, die auf unser Musikverständnis zwar recht ungewöhnlich, aber doch sehr interessant wirkten. Buenos Aires gilt als die Welthauptstadt des Tangos. Ginastera ist in Buenos Aires geboren, und in seinen Tänzen ist dieses Tanzelement sogar heraus zu hören. Das "anmutige" Mädchen wirkte in der Interpretation von Lipstein im Mittelteil doch recht selbstbewusst und fordernd. Mit einem sehr schrägen Akkord aufhörend, lässt das wachsende Selbstbewusstsein des Mädchens nur ahnen. Überquellende Lebensfreude, völlige Freiheit und impulsive Freude der Indios spricht aus dem zwar disharmonischen, aber hoch virtuosen "Tanz der freien Gauchos".
Aber auch der voll erlebte Schmerz der Gaucho-Indios "schreit" regelrecht aus dem Ende des Tanzes durch die beiden "Glissandi". Eine grandiose Komposition und eine ebensolche Umsetzung durch Leopoldo Lipstein.
Mit Zugaben verabschiedet
Die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt ist ein Werk, das Weltruhm erlangt hat, aber nicht nur als Klavierwerk, sondern auch durch die Instrumentierung zum Orchesterwerk. Es ist ein ideales Werk für den Einsatz von orchestralen Klangfarben. Die verschiedensten Klangfarben aus dem Klavier herauszuholen, ist für jeden Pianisten eine enorme Herausforderung.
Die Interpretation des fast viertelstündigen hochvirtuosen Werkes wurde von den vielen Zuhörern mit Bravorufen bedacht. Mit zwei Zugaben beendete Leopoldo Lipstein einen mehr virtuos konzipierten Konzertabend.











