Suhl - Sie schlendern wieder rudelweise durch die Stadt
"Angefangen haben die USA mit den Fantreffen 1990 mit 69 Leuten", sagt Jörg Reuter, Sprecher des Eurofurence e.V. In Deutschland - hier gibt es etwa 5000 Furry-Fans - fand man das cool und zog nach. Und die Treffen erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. "In diesem Jahr waren wir binnen vier Stunden ausgebucht. Echt der Wahnsinn", sagt Dirk Lang.
Aus 32 Ländern sind die Furries (Anm. d. Red.: mit Pelz bekleidet) angereist. Die meisten kommen aus Deutschland, Großbritannien, den USA, aus Holland und aus Frankreich, sind in allen Berufsgruppen vertreten, sind mehr oder weniger gut betucht. Das diesjährige Treffen steht unter dem Motto "110 Arabien Nights" und das habe eine regelrechte Explosion an Kreativität erzeugt, so Jörg Reuter. Was Wunder, dass nun auch der Wüstenfuchs Hochkonjunktur feiert - bei den Zeichnern, den Animationsfilme-Machern oder den Kostümträgern.
Zum letzten Mal in Suhl?
Künstler und Fans, die sonst nur via Internet miteinander kommunizieren können, lernen sich kennen, setzen sich gemeinsam in Szene, "sodass man plötzlich Bekannte in der ganzen Welt hat", ist Dirk Lang von dem Treffen ebenso begeistert wie von den Bedingungen, die ihnen das Ringberghotel bietet, in dem die Furries nun schon zum dritten mal zu Hunderten logieren. "Das Hotel, die Lage, die Crew - wir sind restlos begeistert," lobt Jörg Reuter, schiebt aber nach, dass dies wohl das letzte Treffen auf dem Ringberg sein wird. "Wir sind einfach zu groß geworden und haben mittlerweile so viele Fans, die wir nicht auf der Warteliste versauern lassen wollen, sodass wir uns ein noch größeres Haus suchen müssen."
Hotelchef Wolfgang F. Kanig ist ob dieser Aussichten etwas betrübt, aber relativ sicher, dass sie irgendwann wiederkommen werden. Denn er und sein Team stellen sich komplett auf die illustre Truppe ein. "Unsere Mitarbeiter fahren in dieser Woche harte Schichten." Das Gastronomie-Konzept ist komplett umgestellt worden - die XXL-Burger laufen super, fast eine Tonne Pomme frites ist geordert worden... Aber die Fans der Tiere mit menschlichen Charakterzügen, wie sie sich auch in Comicfiguren wie Bugs Bunny oder Micky Maus wiederfinden, werden sich nicht von Suhl verabschieden, ohne ein gutes Werk zu tun. Wie bei jedem ihrer Treffen starten sie auch in diesem Jahr ein Charity-Projekt. Und das heißt: The Wild Animal Park of Suhl - der Suhler Tierpark.
Und dazu fällt den vielen kreativen Köpfen mehr ein, als mit einer Spendenbüchse umherzulaufen, was die Leute in den drolligen Kostümen freilich auch tun und dabei für jeden klimpernden Euro ein Freudentänzchen vollführen oder in die Pranken klatschen. Über eine Kunstauktion soll Geld in die Kasse kommen und auch die gestrige Poolparty hatte neben dem großen Spaßfaktor 500 Euro eingebracht. Zudem werden heute, ab 14 Uhr acht Kostümträger im Tierpark unterwegs sein, "mit denen sich Besucher gegen eine Spende fotografieren lassen können", stellt Marion Fischer, zuständig für die Charity-Projekte, in Aussicht. Gegen 16.30 Uhr soll es eine Parade der pelzigen Gäste geben. "Wir haben den Tierpark in den letzten beiden Jahren besucht - die Mitarbeiter sind unglaublich produktiv. Wenn man sieht, was sich alles verändert hat und weiß, dass noch mehr artgerecht umgebaut werden soll, dafür aber kaum Geld da ist - irre. Das hat uns überzeugt, also helfen wir, damit hier weiterhin was geht." Wenn das kein Indiz dafür ist, dass die Furries doch wieder nach Suhl kommen ...


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