Suhl - Die SCC-Karnevalisten empfingen am Samstagabend ihre Anhängerschaft im "zweitgrößten Theater der Stadt", womit
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Ja, ja, die SCC-Mannen und Damen teilten auf der Bühne mal wieder ordentlich aus. Wie man's kennt und wie man's erwartet. Bundesprominenz blieb ebenso wenig verschont wie die Lieberknecht-Riege in Erfurt oder die hiesige bunte, nach Karnevalisten-Wahrnehmung vornehmlich rote Politikszene.
Und auch an Weltliteratur wagte sich der Suhler Carneval Club heran. Dafür musste Goethes Prometheus (Michael Rebhan) der Interpretation eines Marcel Reich-Ranicki (Ingo Rebhan) und dessen Sicht auf die Suhler Verhältnisse standhalten. Und bei letzterem kannte sich der deutsche Literaturpapst bestens aus. Wie konnte er sonst wissen, dass OB Triebel - Klammer auf (hin und wieder parteilos) Klammer zu - zwar einerseits den Nanga Parbat bestiegen hat, andererseits ihm aber der Ziegenberg zu hoch ist, so dass er ihn abzureißen gedenkt...
Ein vergnügliches Streitgespräch mit Witz, Hintersinn, mit karnevalistischen Lebensweisheiten und klugen Sprüchen - das Rebhansche Familienduo stimmte auf exzellente Art auf das ein, was in den nächsten drei Stunden noch kommen sollte: Ein wahres Feuerwerk für die Sinne, ein Dauerangriff auf die Lachmuskeln. Und das zur (fast) letzten Veranstaltung in diesem Hause. Zuvor jedoch wurde es "offiziell". Im für ihn gewöhnungsbedürftigen Hochdeutsch und nach nur 33-jähriger Probezeit zumeist auf den hinteren Programmplätzen sei ihm plötzlich und unerwartet die Ehre zuteil, die Eröffnungsrede halten zu dürfen. Joachim Scheibe, der neue SCC-Präsident und Immer-Noch-Herr-Sauerbrey tat's mit Bravour und Witz.
Vorsicht: Scharfe Munition
Dann ging's Schlag auf Schlag. "Kä Furz für ömsonst", das diesjährige SCC-Motto brachte Sänger Werner "Blacky" Hertha über die Bühne, Tanzmariechen Claudia begeisterte auf selbiger mit akrobatischen Künsten und wie immer schoss Waidmann (Ulrich Prüfer) vom Hochstand seine Munition ab und nahm heuer das Wahljahr ins Visier, wo der Althaus ganz schön alt aussah und sich Hirsch Matschie in der Nacht / ans Schwarzwild hat rangemacht. Erna und Fried (Thomas Hertha und Daniel Ebert), die kauzigen Alten, babbelten in alter Sühler Manier über Gott, die Welt, Abwrackprämie und Schlüpferwechsel. Und auch in der Geografie kannten sie sich bestens aus. Dass Suhl in Südafrika - am Kap der Guten Hoffnung - liegt, davon ließen sie sich nicht abbringen...
Voller Hoffnung zeigte sich Walter Ulbricht (Michael Rebhan), dass die Sache mit dem Kapitalismus bald zu Ende gehen wird, nachdem am 9. November 1989 der Aufbau des Sozialismus abgeschlossen wurde. Bei Nacht und Nebel brach damals die sozialistische Arbeiterklasse in das kapitalistische Hoheitsgebiet der Bonner Ultras ein, plünderte Bananenstände und zwang die Bundesbank zur Herausgabe von Millionen Westmark. Von dieser Krise habe sich der Kapitalismus bis heute nicht erholt. Dennoch sei für ihn, den Kapitalismus, kein Insolvenzverwalter zu bekommen. "Vielleicht hilft da ein Zettel von Schabowski?" Auch, ei, ei ei, Herr Sauerbrey machte sich seine Gedanken zur Lage der Nation, und zu den Erfolgsaussichten des Kulturhaus-Umbau-Vorhabens der Suhler IHK. "Eh die sich 'mal umgeguckt / ist sie von Erfurt schon geschluckt".
Chapeau: Ihr ward klasse
Ob die Anonymics mit ihrem neuen Programm als Narren des SCC - ohne Zugabe durften die zehn nicht von der Bühne -, ob die Lumpensammler (Burkhard Kelber, Manfred Saft, Jahn Görting), ob Gustav Gründgens (Christian Lusky) oder die ausgereiften Darbietungen der SCC-Tänzerinnen, wobei die Fünkchen schweinegrippendezimiert auftraten und Showballett und Funken mit der ersten Koproduktion überraschten, ob die Herzilein (Marlies Pietsch und Kirsten Eckert) mit ihrem spanischen Kulturbeitrag und dem Prüfgewicht für die Bühne, ob das Sahnehäubchen des Abends (das Altherren-Duo Jochen Rebhan und Bernd Heyder) - ach, ihr alle ward einfach wieder klasse.













