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Ressort Suhl
Erschienen am 09.12.2009 00:00
Vessertal
Nationalpark: Magie und Möglichkeit
Informationsbedarf und Forderung nach Entwicklung des Vorhandenem
Von Heike Hüchtemann

Suhl - Noch steht er nur im Koalitionspapier der

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Auch die Ausstellung Waldwunderwelten im Biosphärenreservat Vessertal zeigte, was des Menschen Hand in dieser Kulturlandschaft gestaltete.
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Landesregierung, der Nationalpark Vessertal. Korrekter: Der Entwicklungsnationalpark. Definitionen dieses Gebildes sind allerdings vage. "So was gibt es doch gar nicht", so Jennifer Schubert, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen und diplomierte Biologin. Sie wollte kürzlich mit Mitgliedern, Sympathisanten, dem Oberbürgermeister und Interessenten über das jüngst hochgekochte Thema diskutieren, das die Koalition mit ihrem Ziel, im Vessertal einen Entwicklungsnationalpark zu etablieren, aufgemacht hat (Freies Wort berichtete). Also muss es doch auch den Begriff "Entwicklungsnationalpark" geben. Würde er sonst in einem hochoffiziellen Papier einer Landesregierung stehen? Das Internet reagiert auf den Suchbegriff "Entwicklungsnationalpark" und spuckt unter anderem Kriterien aus, an der man offensichtlich die Eifel auf ihre Potenzen für solch einen Nationalpark geprüft hat. Mindestens 6000 Hektar Fläche müssten dafür da sein, eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt und national wie international bedeutsam soll das Gebiet auch sein. Und: Es sollte nicht oder nur wenig (wie viel ist wenig?) von Menschen beeinflusst und die Fläche sollte in öffentlicher Hand sein. So weit, so vage.

Detail-Arbeit für die Debatte

Es fehlen fachliche und sachliche Informationen für eine weiterbringende Debatte darum, ob das Biosphärenreservat Vessertal zu einem Nationalpark entwickelt werden kann und soll oder nicht. In die hinein haben Äußerungen der umweltpolitischen Sprecherin der SPD, Eleonore Mühlbauer weitere Irritationen gestreut. Während sie in einem Interview mit Freies Wort (23. November) sagte, dass man freilich weiterhin im Wald Holz klauben dürfe, wissen andere, dass dies gesetzlich anders geregelt sei. Und auch, dass man in einem Nationalpark die Wege nicht verlassen dürfe, um beispielsweise Pilze zu suchen. "Die Veränderungen wären erheblich - im Biosphärenreservat stehen drei Prozent der Fläche unter Totalschutz, in einem Naturpark sind es 75 Prozent."

Informations- und Diskussionsbedarf hat auch die gut besucht Runde mit den BündnisGrünen des Regionalverbandes Schmalkalden-Meiningen-Suhl in der Gaststätte "Die letzte Instanz" unterstrichen. Hier taten sich selbst zwischen dem promovierten Forstwissenschaftler Jens Triebel und der diplomierten Biologin Jennifer Schubert spürbar fachliche Dissonanzen auf.

Da die beiden Fachgebiete doch so weit gar nicht auseinander liegen wie mitunter die fachlichen Ansätze der beiden Experten, wird hier einmal mehr klar, wie viel Detail-Arbeit die Debatte noch braucht.

Dabei ist die Mitarbeit solch Fachleute wie beispielsweise Eugen Kraibich hilfreich. Der erfahrende Forstwirt legt die Finger auf wichtige Punkte. Auf die Fragestellungen beispielsweise, ob ein Nationalpark gewollt sei oder die Erweiterung des Naturschutzgebietes, oder wie der Holzeinschlag abgedeckt werden soll, der mit Ausrufung des Nationalparks fehlen würden. "Wie will die Regierung die Holz verarbeitenden Betriebe, die zum Teil mit Fördermitteln errichtet wurden, dann künftig mit ausreichend Holz versorgen?" Und wenn ein Entwicklungsnationalpark auf Flächen der öffentlichen Hand etabliert werden soll - "werden dann die privaten Waldbesitzer enteignet?"

Hier gibt OB Jens Triebel (parteilos) weitere Argumente in die Debatte. Jenes beispielsweise, dass etwa 40 000 Arbeitsplätze in Thüringen an dem Thema Holz hängen, dass aus einer Tonne Holz ein Steuervorteil von 61 Euro erwirtschaftet wird - "wir würden also auch eine Minderung der Steuereinnahmen in Kauf nehmen, sollten aber lieber die Erträge für den Naturschutz einsetzen. Bäume und Holz sind das Perpeduum mobile des Klimaschutzes".

"Wir bestehen auf einer Volksabstimmung zu dieser Entscheidung", macht Hartmut Kempf, Ansprechpartner zum Thema Nationalpark in der Suhler Ortsgruppe des NABU. Auch er sieht noch reichlich Klärungsbedarf. Auch zu der Frage, welche Klientel den Nationalpark eigentlich will und woher das Geld zu dessen Entwicklung kommen soll. "Auf jeden Fall müssen wir so entscheiden, dass wir uns die Zukunft nicht verbauen, dass die Entscheidung auch nächsten hunderte von Jahren trägt."

Der Status in Gefahr?

Davor aber soll etwas ganz wichtiges stehen: Die Überlegung, wie das Biosphärenreservat aufgepeppt werden kann. "Wir müssen sicher die Debatte um den Nationalpark führen, aber auch das Biosphärenreservat weiterentwickeln", gab Brigitta Wurschi (Bündnis 90/Die Grünen) in die Debatte. Vor diesem Hintergrund müsste ein erster Schritt sein, Druck gen Erfurt aufzumachen bezüglich des ausstehenden Informationsgebäudes für das Biosphärenreservat, ohne dem die UNESCO mit Aberkennung des Status droht, sagt Ingrid Ehrhard (Freie Wähler).

Starkmachen für die Entwicklung dessen, was da ist, entspricht auch einer Intention des OB. Das Land könne sich sehr gut engagieren, wenn es beispielsweise den Suhler Tierpark als Portal zum Biosphärenreservat entsprechend unterstützen würde. "Bei aller Magie, die von einem Nationalpark ausgeht - er wird der Situation im Thüringer Wald nicht gerecht", ist er sich sicher.

Genügend Stoff für weitere Debatten, die schon am 14. Dezember (18 Uhr im FRIZ) seitens der Linkspartei fortgeführt werden.

Im Februar nächsten Jahres wird es auf Antrag der CDU-Stadtratsfraktion eine große Veranstaltung geben, die Aufschluss über die Möglichkeiten, Chancen und Grenzen der Entwicklung eines Nationalparks im Bereich Vessertal geben soll.

 
 

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