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Ressort Suhl Lokal
Erschienen am 09.02.2010 00:00
Behindertenbeirat
Für eine Stadt ohne Barrieren
Armut und soziale Ausgrenzung behinderter Menschen im Fokus der Debatte
Von Gabi Hoffmann

Suhl - Arbeit, bezahlbares Wohnen, Integration, Bildung und Gesundheit - auf diese Schwerpunkte, die in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen festgehalten sind, richten die Mitglieder des Behindertenbeirates ihr Augenmerk. Sie finden sich im Arbeitsplan des Gremiums für dieses Jahr wieder und werden auch darüber hinaus stets präsent sein. In der jüngsten Sitzung stand das Thema "Armut und soziale Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen" im Mittelpunkt.

Soziale Sicherungssysteme

Sozialplaner Dietmar Behrendt hatte eine sehr gute Diskussionsgrundlage erstellt. "Ich habe lange überlegt, wie man das Thema behandeln kann. Denn es gibt verschiedene Begriffe der Armut", stellte er seinen Ausführungen voran. Grundlegend sei die Unterscheidung zwischen "absoluter" und "relativer" Armut. In der Bundesrepublik seien die Menschen grundsätzlich durch soziale Sicherungssysteme vor absoluter Armut geschützt. Ausnahmen seien etwa Wohnungslose oder Suchtkranke, die aus unterschiedlichen Gründen durch die Sicherungssysteme nicht immer erreicht würden und die daher von absoluter Armut betroffen sein könnten. "Das am stärksten verbreitete Konzept ist das der relativen Einkommensarmut, das auch im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung benutzt wird. Danach gilt als arm, wer über ein bedarfsgewichtiges Nettoeinkommen, auch Äquivalenzeinkommen genannt, von weniger als 60 Prozent des gesellschaftlichen Durchschnitts verfügt - unter der Annahme, dass bei einem solchen Einkommen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht mehr möglich ist", klärte Dietmar Behrendt auf. Relative Armut bestimme sich in Abhängigkeit von den Lebensverhältnissen in einem Land. "Als arm gelten diejenigen Personen, die über so geringe Ressourcen verfügen, dass sie den in ihrer Gesellschaft als annehmbar geltenden Lebensstandard nicht erreichen. Diese Ressourcen können materieller Natur sein, wie zum Beispiel das Einkommen, aber auch mangelnde soziale Einbindung oder mangelnde Bildungschancen gehören dazu", erläuterte er. Er findet wichtig, über Armut im Sinne gesellschaftlicher Teilhabe zu sprechen.

In der sehr intensiven Diskussion wurde deutlich, dass in Suhl schon viele Schritte unternommen wurden, um behinderte Menschen die gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, denn diese ist das A und O. Festgehalten ist auch im Integrierten Stadtentwicklungskonzept das Ziel, das die Stadt verfolgt: Menschen mit Behinderungen einen umfassenden und möglichst ungehinderten Zugang zu allen Bereichen des täglichen Lebens zu sichern.

Doch deutlich wurde auch, dass es noch Barrieren gibt, beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt und auch in der Schule. Gefordert ist eine Schule für alle. Empfohlen wurde, zum Thema Bildung behinderter Kinder in "normalen" Schulen einen Experten einzuladen.

Beiratsvorsitzende Renate Kremser sieht die Paul-Greifzu-Schule schon als "Leuchtturm". Die Grundschule Am Himmelreich müsste auch entsprechend ausgestaltet werden, meinte sie. Inge Schwinger, ihre Stellvertreterin, machte darauf aufmerksam, dass Erfahrungen in der Integration noch fehlen. In zwei Kindertagesstätten funktioniert sie bereits, wie Regina Voigt unterstrich.

Stadt kann nicht steuern

Alle Suhler Kindertagesstätten für alle Kinder zu öffnen, wie Stadträtin Manuela Habelt (Aktiv für Suhl) forderte, kann durch die Stadt nicht gesteuert werden. "Das Land sagt, 45 Plätze sind in zwei Einrichtungen vorhanden - genügend entsprechend dem Bedarf", klärte Bürgermeister Klaus Lamprecht auf. "Ausgrenzung behinderter Menschen erfolgt für mich bei Kindern über die Schule und bei Erwachsenen über die Arbeit", nannte er seinen Standpunkt.

Am 17. Februar wird sich der Beirat mit dem Thema "Neue Anforderungen für eine Stadt Suhl ohne Barrieren" befassen, teilte Renate Kremser mit.

 
 

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