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Ressort Suhl
Erschienen am 13.02.2010 00:00
Geschichten zum Wochenende
Dehämm in Suhl, dem SCC verschworen
Sie verfügen über 270 Jahre Karnevalserfahrung. Mit dieser arbeiten sie SCC-Geschichte auf.
Von Gabi Hoffmann
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Kirsten Melech, Klaus Deckert und die Gründungsmitglieder Jochen Rebhan, Dieter Trommer (vorn, v.r.n.l.) sowie Gerhard Eckstein und Bernd Heyder (hinten, v.r.n.l.). Foto: frankphoto.de
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Suhl - Dehämm in Suhl geboren - nicht für alle trifft dies zu. Doch dem SCC verschworen, das sind sie, die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Traditionspflege - Kirsten Melech, die noch maßgeblich im Hintergrund die Fäden für die Weiberfastnacht webt; Dieter Trommer, Baumeister, "Elfe" und Vorsitzender der Revisionskommission; Gerhard Eckstein, im 45. Jahr als Zeremonienmeister; Jochen Rebhan, der bis 2002 die Präsidentenkappe trug und nun Ehrenpräsident ist; Klaus Deckert, der 40 Jahre lang als Till auf der SCC-Bühne für akrobatische Späße sorgte und den Waffenschmied auf seinem Brunnen schmückte, und Bernd Heyder, der "Mutter der Kompanie" genannt wird. Mit dem Suhler Carneval Club sind sie "gereift", wie sie scherzen.

Einem Jahr Karneval folgten drei, fünf, 20 ... Nun sind's fast 45. Wie war das doch damals, 1965, als der Club aus der Taufe gehoben wurde? Was ging seitdem über die Bühne? Wer stand in der Bütt? Wie viele Motto-Lieder gab es? Festgehalten vom närrischen Treiben im Thälmann-Klubhaus, in der Stadthalle der Freundschaft, im Zelt, in der Eventhalle in Heinrichs und im CCS wurden nur Bruchstücke. "Es gab nur wenige Fotos. In der Zeitung sind wir kaum aufgetaucht in früheren Jahren. Doch jeder hat etwas für sich persönlich aufgehoben", weiß Ehrenmitglied Bernd Heyder zu berichten.

Das meiste existiert noch im Oberstübchen bei den Aktiven. Doch viele Erinnerungen verblassen, werden sie nicht wachgerufen. "1965, da waren wir alle jung. Da hat keiner an Traditionspflege gedacht. Ende der 80er Jahre hielten neue Kameras Einzug. Da wurde ganz viel fotografiert. Und dann kam die Computertechnik. Jeder präsentierte sich neuerdings auf einer Homepage. Wir wollten das auch. Unser damaliger Präsident Kai Albrecht und Technik-Freak Lutz Gruber kümmerten sich darum. Doch sie brauchten auch Material, das sie veröffentlichen konnten. 2002 erhielt ich den Auftrag, eine Chronologie zu Papier zu bringen. Ein Jahr später hatte ich sechs, sieben Seiten fertig. Das genügte nicht. Auf unserer Hauptversammlung, die immer traditionell am 25. April, unserem Gründungstag, stattfindet, wurde 2004 beschlossen, eine Arbeitsgemeinschaft Traditionspflege zu gründen", blickt Bernd Heyder zurück. Seine fünf fleißigen, freiwilligen Mitstreiter wählten ihn einstimmig zum Vorsitzenden. "Eine gute Wahl", wie Kirsten Melech und die vier SCC-Mannen meinen.

44 Ordner im SCC-Büro

Im SCC-Büro in der Friedrich-König-Straße stehen inzwischen 44 Ordner - einer für jede Kampagne, die vom 25. April bis zum nächsten 25. 4. reicht. Bernd Heyder schreibt die Texte, Christel Müller setzt sie per Computer. Werbeartikel, Präsentationen, Zeitungsartikel, die Kirsten Melech und Gerhard Eckstein noch immer akribisch sammeln, Fotos, die Klaus Deckert bei Festsitzungen, Weiberfastnacht, Kinderkarneval, Backstage und auch bei den Vereinsfahrten sowie den Dämmerschoppen am 11. 11. und den Rosenmontagsfrühschoppen schoss, Protokolle, Programminhalte, Motto-Lieder ... all dies findet sich in den Ordnern. Die der letzten Jahre sind am dicksten. "Schwierig war es mit den Mottos. Über jede Kampagne gehört ja eins. Sie sind jetzt komplett. Jeder vom Verein hat ein bisschen mitgemischt und in seinen Erinnerungen gekramt. Es gab viele Gespräche, gestritten wurde auch in unserer AG, vor allem darüber, wann was wie wo war. Denn die Truppe ist sehr sensibel. Vor allem erhitzen alte Fotos die Gemüter, denn auf kaum einem sind Daten oder Namen notiert", schildert Bernd Heyder. "Alle Streitgespräche gingen aber gut aus", beschwichtigt Kirsten Melech.

Verbindungen gibt es zum Karnevalsmuseum Wasungen und zum Bund Deutscher Karnevalisten mit seinem Zentralmuseum im Kitzingen. Hier wurde vom SCC die Video-Aufzeichnung des 26. Präsidententreffens, das in Suhl stattfand, für die Nachwelt hinterlegt. Das wurde 1987 vom Zentralhaus für Kulturarbeit Leipzig ohne Wissen des SCC aufgenommen. Nach dessen Auflösung 1991 ließ es ein "Gönner" dem SCC zukommen. Ein ganz tolles Ereignis war auch die 4. Meisterschaft im Thüringer Gardetanz am 28. September 1996 in der Sporthalle Wolfsgrube. Und mit riesigem Kraftaufwand wurde drei Jahre lang während des Umbaus der Stadthalle zum CCS im Zelt gefeiert. Keiner der 2000 Sitzplätze blieb leer. Auch dies ist festgehalten.

"Dass der chronologische Werdegang des SCC schon so weit gediehen ist, haben wir unserem hartleibigen Bernd zu verdanken. Er führt sein Amt zur vollsten Zufriedenheit aus", sagt Jochen Rebhan. "Vor allem fehlen uns Fotos aus den 60er Jahren und den Anfängen in der Stadthalle. Vielleicht können uns Fans, was sie aufbewahrten, übergeben," wünschen sich die AG-Mitglieder. Sie freute sehr, dass Prinzessin Gisela II. dem SCC ihren Orden überließ, den sie 1954 erhielt.

Rund 20 Büttenredner standen im Laufe der Jahre in der Bütt, einer von ihnen war Werner "Bläcky" Hertha. Er hielt seine erste Bütt 1975. Und er schrieb für 18 der 19 Mottolieder ab 1991/92 die Texte. Einige davon sind im "Kleinen Liederbuch des SCC", das zum 44. Jahrestag seiner Gründung 2009 erschien, festgehalten.

Ratschlag für andere Vereine

Einen Ratschlag richten die Traditionspfleger an andere Vereine: Sie sollten rechtzeitig beginnen, ihre Geschichte aufzuschreiben. Und sie wissen, dass andere Karnevalsvereine in Suhl auch Geschichtliches sammeln und aufbewahren. Vielleicht könnte mit ihnen, so wie beim närrischen Aufzug zum 11. 11. auch auf dieser Strecke die Zusammenarbeit erfolgen.

Zusammen sind Bernd Heyder und seine Mitstreiter 405 Jahre alt (Durchschnittsalter 67,5) und verfügen über 270 Jahre Karnevalserfahrung. Sie wissen, dass es Fans gibt, die dem SCC bis heute die Treue halten. Das wollen sie auch tun, denn "einmal Narr, immer Narr", wie sie scherzen. Spannend wäre auch, Erinnerungen in Geschichten aufzuschreiben. Es gibt unzählige. Schön wäre auch, es würde sich viel Nachwuchs finden, für die Garden, oder als Büttenredner ...

Irgendwann wollen Jochen Rebhan und Bernd Heyder ihre Logen-Plätze räumen. Bernd Heyder verrät, dass er schon 1980, als die Muppets aktuell waren, scherzte: "Jochen, das machen wir mal, wenn wir nichts mehr zu sagen haben!

SCC-Anschrift: Postfach-Nummer 300111. 98501 Suhl

 
 

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