Suhl - Noch vor fünf Jahren stand die Zukunft des
![]() |
|
|
|
||
Fast vier Jahre arbeitete das Hebezeugwerk unter Insolvenzverwaltung auf Sparflamme weiter. Viele Mitarbeiter mussten gehen. Dass der Betrieb heute noch immer existiert und seinen 90. Geburtstag feiern kann, ist der Hartnäckigkeit des Insolvenzverwalters und dem Engagement des Stuttgarter Investors DiA Engineering & Manufacturing zu verdanken, der Ende 2008 als neuer Eigentümer einstieg. "Wir sahen des Potenzial vor allem in den sehr gut qualifizierten und erfahrenen Fachkräften", blickt Geschäftsführer Andreas Eberwein zurück.
Kranbrücken und Kratzer
Der neue Gesellschafter, der sich als Kraftwerksanlagenbauer weltweit etabliert hat, brachte neue Fertigungsaufträge nach Suhl, mit denen auch das krisengeschüttelte Jahr 2009 unbeschadet überstanden wurde. "Von einer Vollauslastung sind wir zwar noch ein ganzes Stück entfernt, aber ein deutlicher Aufwärtstrend ist spürbar", sagt Eberwein. Dies vor allem dank größerer Aufträge aus der Kraftwerksbranche. Neben der Fertigung von Kohlenstaubeinblasschächten, Entaschungsanlagen und großen Stahlkonstruktionen stieg das Hebezeugwerk auch in den Brennerbau für Kraftwerke ein. Damit ist der Suhler Betrieb voll in die weltweit agierende Unternehmensgruppe der DiA integriert. Eine gute halbe Million Euro hat diese bislang in den Suhler Standort investiert. Eine weitere Investition soll in Kürze folgen. "Die zum Teil aus den dreißiger Jahren stammenden Hallenkräne müssen erneuert und tragfähiger gemacht werden", sagt der Geschäftsführer. Dies sei Voraussetzung, um Aufträge größerer Dimensionen abarbeiten zu können. Weil der Platz dafür in den alten Produktionshallen am Sehmar nicht mehr ausreicht, hat der Betrieb Hallen im Simson-Gewerbepark angemietet. "Wunschvorstellung ist es, die alten Hallen abzureißen und einen Neubau hinzusetzen", so Eberwein. Doch das ist allenfalls Zukunftsmusik.
Zunächst einmal soll der Suhler Betrieb wieder verstärkt zu seiner alten Produktpalette zurückkehren: Hebe- und Fördertechnik, Stahl- und Blechbau, Kranbau. Wachsende Umsatzzahlen und mehrere Aufträge aus diesem Segment sind dafür ein viel versprechender Anfang. Spezielle Brückenkrananlagen für die Luftfahrtindustrie mit einer Spannweite von bis zu 62 Metern waren ein Höhepunkt der vergangenen Monate. Die hervorragende Autobahnanbindung erwies sich beim Transport der Riesenteile als Vorteil. Die Fertigung solcher Anlagen ist technisch anspruchsvoll: "Da sind wir das Know-How des Betriebes und seiner Mitarbeiter angewiesen", sagt Eberwein. Einer dieser Mitarbeiter ist Kurt Dorendorf, seit 1975 im Betrieb. "Das sind Leute, auf deren Wissen und Können sich unser Erfolg begründet", weiß der Geschäftsführer.

Andreas Eberwein
Bild:
Nahezu alle Eignungsnachweise, beispielsweise für das Schweißen von dynamisch belasteten Teilen, besitzt das Hebezeugwerk. Im vergangenen Jahr wurde das Leistungsspektrum noch um eine Zertifizierung zum Schweißen von druckführenden Rohrleitungen erweitert. Auf mehr als 40 Mitarbeiter ist die Belegschaft mittlerweile wieder angewachsen. "Jetzt sind wir händeringend auf der Suche nach weiteren guten Schweißern", lässt der Geschäftsführer wissen.
Denn weitere Aufträge im Sonderkranbau sind in Reichweite. Ein kürzlich montierter 6,3-Tonnen-Kran für Dubai zeigt, dass Hebezeuge made in Suhl weltweit gefragt sind.
Vor wenigen Wochen erhielt der Betrieb seit vielen Jahren wieder einen Auftrag für einen Entspeicherungskratzer - ein Produkt, das einst zum Standardrepertoire des Hebezeugwerkes gehörte. Und zu seinem Gründerpotenzial, denn die Gebrüder Kerner waren es, die vor dem zweiten Weltkrieg nach eigenen Patenten die ersten Typen von Entspeicherungskratzern für Lagerhallen der Kaliwerke entwickelten.
Wachsende Umsätze
Bis 1939 expandierte das Unternehmen kontinuierlich und beschäftigte bis zu 100 Mitarbeiter. 1946 wurden die Gebrüder Kerner enteignet. Später wurde das Hebezeugwerk als Leitbetrieb der DDR-Planwirtschaft in die Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) für Ausrüstung von Bergbau und Schwerindustrie (ABUS) eingegliedert, 1993 von der Treuhand privatisiert. Die Produktpalette wurde beibehalten. Mehr als 600 Entspeicherungskratzer, vornehmlich für die Kali- und Salzindustrie, verließen den Suhler Betrieb bis Ende der neunziger Jahre. Vor allem in Osteuropa und Russland - letzteres zählte zu den Hauptabsatzländern - waren Kratzer gefragt. Dann ging die Nachfrage stark zurück. Die Insolenz war nicht mehr aufzuhalten.
Jetzt lebt der Markt wieder auf. Derzeit verhandle man mit Russland über die Lieferung von sechs Entspeicherungskratzern. "Ich denke, dass mindestens zwei kommen werden", gibt sich Eberwein optimistisch. Wachsende Umsätze strebe man auch im Bereich der klassischen Hebezeuge und Lastaufnahmemittel an. In diesem Bereich sollen die Aktivitäten, beispielsweise im Außendienst, verstärkt werden. Eine Entwicklung in Richtung des hundertsten Firmengeburtstages, die auch die Gebrüder Kerner freuen dürfte.


Drucken
Speichern
Versenden













