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SUHL – Wenn in diesem Jahr auch jede Jahreszeit früher als sonst dran zu sein scheint – der Karneval hält sich an den Kalender.
Hier Bilder anschauen:
Was sich vier Tage lang in Suhl abspielt, ist das größte europäische Treffen von Menschen, die ein skurriles Hobby pflegen, das dabei ist, sich als künstlerisches Genre zu behaupten und unter dem Begriff Furry-Fandom läuft. Dahinter steckt die künstlerische Darstellung von Figuren, die, obwohl sie wie Tiere aussehen, menschliche Eigenschaften haben. Doch wenn man sich im Ringberghotel umschaut, das die „Furrys“ (könnte man mit Pelz- oder Fellträger übersetzen) für vier Tage komplett okkupiert haben, scheint sich die Sache ins Gegenteil verkehrt zu haben: Hier toben eher Menschen in Tiergestalt durch das Foyer, das im Programmheft des Veranstalters Eurofurence e.V. nicht umsonst als Zoo ausgewiesen wird.
Es sind Pferde, Hunde, Katzen, Wölfe, Tiger ..., die am Morgen nach durchtanzter Nacht beginnen, ihre Rollen zu spielen, Geschichten zu erzählen. Während es niedliche wie gruselige Gestalten in ihren Webpelzen (ein echter passt nicht in ihre Welt) – entrückt in ihre Fantasiewelt – tun und völlig unberechenbar anfangen zu tanzen, zu posieren, übereinander her zu fallen, erzählt Uncle Kage alias Samuel Conway (USA) seine Geschichte auf konventionellere Art. Im wirklichen Leben ist er Doktor der organischen Chemie. Die Natur hat ihn mit so überzeugendem Talent für Schauspiel und Kabarett ausgestattet, dass der Wissenschaftler für derartige Treffs – wie noch bis Sonntag in Suhl – von seinem Arbeitgeber freigestellt wird. „Im vergangenen Jahr haben meine Eltern bei einem solchen Treff ihre Goldene Hochzeit gefeiert und waren total begeistert.“ Er begeistert mit Reden und Gestikulieren.
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Spaß, Stil und Fantasie
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Was treibt Leute, die im wirklichen Leben Philosophen, Informatiker, Wissenschaftler, Kostümbildner, Kfz-Mechaniker und so weiter sind,
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Die Leute in den mitunter recht aufwändig angefertigten Kostümen, die bis zu 6000 Euro teuer sein können, dominieren die Szene auf dem Ringberg. Aber der Furry-Fandom ist viel mehr, sucht seine Ausdrucksmöglichkeiten auch in Comics, in der Literatur, im Malen, in der Musik, im Puppenspiel oder in Filmen. Beliebt bei Fans dieses Genres ist durchaus auch Disneys „König der Löwen“.
Die Fan-Gemeinde der „Furrys“ wächst stetig – „dank des Internets, in dem wir, die wir ein sehr verstreutes und weitgehend unbekanntes Genre bedienen, uns treffen, Charaktere und Geschichten vorstellen, die im Kopf entstehen und auch Rollen spielen“, sagt Jörg Reuter. In den USA, dem Geburtsort des Furry-Fandoms gibt es über 40 000 Anhänger dieses Genres. In Deutschland sind es etwa 250, in Thüringen vielleicht 50.
Dass es die illustre Truppe, bunt zusammengewürfelt aus vielen Ländern der Welt, nun ausgerechnet nach Suhl treibt, begründet Jörg Reuter unter anderem damit, dass die Jugendherbergen, in denen man sich bisher traf, zu klein geworden sind für die große Fangemeinde. „Jemand hat uns das Ringberghotel empfohlen. Und es bietet uns nicht nur ein sehr aufgeschlossenes Team, sondern auch alles, was wir für Workshops, für den Austausch, für den Spaß brauchen.“
Gäste im Ringberghotel, die über das tierische Getümmel ebenso schockiert waren, wie manch Passant in Suhl, haben so auch ihren Spaß gefunden und gewonnen. Und die Erkenntnis, dass Menschen mit an ihre Jeans genähten Hundeschwänzen durchaus auch Künstler sein können.






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