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Ressort Suhl
Erschienen am 12.12.2007 00:00
Tierpark
Die Bärendamen verlassen Suhl im März
Laut Gesetz ist das Bärengehege zu klein, deshalb ziehen die Tiere nächstes Jahr in einen Bärenwald nahe Holland
Von Andrea Voigt
Baerengehege im Tierpark Bild vergrößern
Nicht mehr lange wird diese Bärendame durch die Gitterstäbe auf ihre Besucher aus Suhl und Umgebung schauen. Foto: frankphoto.de
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SuhlNach 37 Jahren müssen sich die Suhler von ihren Bären im Tierpark trennen. Einer EU-Zoorichtlinie zufolge ist das Gehege für die Tiere zu klein. „Diese Richtlinie wurde im Thüringer Umweltgesetz umgesetzt und weil die Stadt Suhl nicht genug Geld hat für eine Vergrößerung der Bärenanlage, müssen wir uns von den Tieren trennen“, sagt Michael Koch, der Leiter des Tierparks. Er betont jedoch, dass die Aufgabe der Bärenhaltung für ihn nur vorläufig ist und hofft, dass man die Zeit für einen Umbau nutzen kann und es später in Suhl wieder Bären geben wird. „Unser Konzept sieht die Haltung heimischer und nordeuropäischer Tierarten vor. Da gehören Bären ganz klar dazu.“

Kurz nach der Eröffnung des Tierparks kam 1970 der erste Bär aus der Partnerstadt Kaluga nach Suhl. Bei einer Aktion von Freies Wort suchten die Leser gemeinsam nach einem Namen für das Tier. Goschka wurde er schließlich genannt. Viele der Leser und Suhler Bürger halfen auch mit Arbeitseinsätzen nach Feierabend, ihrem Goschka und den anderen Tieren ein Zuhause in der Suhler Schweiz zu verschaffen. Selbst Mitarbeiter und Redakteure von Freies Wort hoben beispielsweise Gräben aus.

Nach einigen Jahren erhielt Goschka noch eine Gefährtin aus einem anderen Zoo. „Bären sind zwar Einzelgänger, aber in Tierparks kann man sie leicht zusammen halten“, erklärt Koch. Einmal im Jahr können Bären Nachwuchs bekommen, ein Wurf besteht aus einem bis fünf Jungtieren. Viele Söhne und Töchter der beiden bereicherten so die Tierparks in der DDR. Eine Tochter, Rommeline, blieb jedoch in Suhl. Ihre Mutter starb Anfang der 90er-Jahre. Kurz danach kamen zwei neue Bärendamen in den Suhler Tierpark. Die beiden Schwestern kann man so schwer unterscheiden, dass sie nur die Helle und die Dunkle genannt werden. Als sie 1993 hierher kamen, waren die beiden ein Jahr alt.

Großen Anteil nahmen die Suhler Bürger, als im Jahr 2001 Goschka im Alter von 31 Jahren gestorben ist. „Er war damals altersschwach, konnte nicht mehr richtig laufen und fressen. Dann kam noch organisches Versagen hinzu, deshalb mussten wir uns entschließen, ihn einschläfern zu lassen“, erinnert sich Michael Koch. Davon seien die Suhler besonders betroffen gewesen, weil ihnen der Bär in über 30 Jahren doch sehr ans Herz gewachsen war.

Aus Rommeline wurde Martina

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Mit einer Geschenkurkunde wurde Goschka damals aus Kaluga an den Suhler Tierpark übergeben. Foto: Freies Wort-Archiv
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Goschkas Tochter Rommeline wechselte 2004 in den Tierpark nach Innsbruck über, wo sie Martina genannt wird. „Bären hören nicht auf ihre Namen. Weil sie so gefährlich sind, gibt es eigentlich keinen direkten Kontakt zwischen ihnen und den Pflegern. Beschäftigt werden sie allein durch das Futter, das sie suchen oder sich anderweitig erarbeiten müssen“, sagt der Tierparkleiter. So konnte aus Rommeline problemlos eine Martina werden. Seit sie in Innsbruck ist, sind die Schwestern Helle und Dunkle die einzigen Bären im Suhler Tierpark.

Als sich jetzt die gesetzliche Lage zur Bärenhaltung verschärfte, trat der Deutsche Tierschutzbund an die Suhler Einrichtung heran und bot an, dass die beiden Bärinnen ein neues Quartier beziehen können. Dafür bietet sich der Anholter Bärenwald an, der im Westen des Münsterlandes, direkt an der holländischen Grenze liegt. Dort leben auf 2,5 Hektar bereits mehrere Bären. Die Helle und die Dunkle werden sich nach ihrer Ankunft in einem separaten Käfig an ihre neuen Nachbarn gewöhnen, bis die dortigen Tierpfleger sich entscheiden, die Tiere zusammen zu lassen. „Wir sind sehr froh über das Angebot des Tierschutzbundes. Es wird zwar wehtun, die Bären wegzugeben, aber wir müssen daran denken, wie gut es ihnen in ihrer neuen Umgebung gehen wird“, sagt Koch.

Der Transport in die neue Heimat, den der Tierschutzbund finanziert, soll im März stattfinden. Erst dann beenden die Bärinnen ihre Winterruhe und sind transportfähig. So bleibt den Suhlern noch einige Zeit, um sich von ihnen zu verabschieden. Denn trotz der Winterruhe halten sich die beiden fast die ganze Zeit im Außenbereich ihres Geheges auf und kommen auch zum Fressen. „Sie fressen im Winter nur ein Kilo Futter am Tag, im Sommer sind es rund zehn Kilogramm täglich“, erklärt Koch. Bären sind Allesfresser. Im Tierpark bekommen sie überwiegend Obst und Gemüse und ein bis zwei Mal pro Woche auch Fleisch. So fressen sie sich im Sommer eine Speckschicht an, die sie im Winter zusätzlich zum dicken Pelz warm hält.

Wenn dann der Transport der zwei Bärendamen ansteht, werden die beiden narkotisiert und verladen. „Bevor die Fahrt losgehen kann, müssen wir aber warten, bis sie aus der Narkose erwacht sind. Man darf Tiere nur im wachen Zustand transportieren, weil sie sich sonst schwere Verletzungen zufügen können“, stellt Koch klar. Er plant, dann mit den beiden Bären die Reise anzutreten um zu sehen, wo sie in Zukunft heimisch sein werden.

 
 
 

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