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Suhl – Die auf dem Ringberg zeitweise hervorlugende Frühlingssonne vermochte den großen dunklen Schatten nicht zu verdrängen, der sich am Wochenende auf Hotel und Stadt legte. Etwa 250 Teilnehmer der NPD-nahen „Gesellschaft für freie Publizistik“ tagten von Freitag bis Sonntag im Ringberghotel und tauschten dort auf ihrem „Deutschen Kongreß“ gut bewirtet, ungestört und bewacht von der Polizei, ihr braunes Gedankengut aus. Dabei verbreiteten bekannte NPD-Funktionäre unter dem Motto „40 Jahre Volkszerstörung! – Das unheilvolle Ende der 68er“ mit wissenschaftlichem Anstrich ihre ganz eigene, revanchistische Sicht auf deutsche Geschichte.
Die zumeist gediegen gekleideten und gut frisierten Damen und Herren aller Altersgruppen genossen in den Tagungspausen des Ambiente des Hotels, schlürften im Foyer Kaffee oder vertraten sich unter den Augen des Staatsschutzes in der Idylle des Ringberges die Beine. Störungen etwa durch Demonstrationen, wie bei ihrem Kongress 2006 in Bayreuth, als Bürger und Gewerkschaften gegen die Neonaziveranstaltung Flagge zeigten, mussten sie in Suhl nicht befürchten. Denn die Suhler Rathausspitze hatte trotz der bereits am Dienstagnachmittag erlangten Kenntnis im Interesse des Hoteliers entschieden und die Veranstaltung unter der Decke gehalten.
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„Wahl zwischen Pest und Cholera“
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„Wir hatten die Wahl zwischen Pest und Cholera, wollten Kollateralschäden für das Hotel verhindern“, begründet OB Jens Triebel (parteilos) seine Entscheidung, zu der ihm neben dem Hotel auch Polizei und „andere staatliche Organe“ geraten hätten, als sich abzeichnete, dass die Veranstaltung nicht verhindert werden kann. „Schließlich bin ich als OB auch Geheimnisträger“, sieht es Triebel, der im Laufe der Woche rückwirkend die Fraktionschefs und Vertreter des Lokalen Bündnisses gegen Rechtsextremismus ins Bild setzen will. Dass man im Rathaus gar keinen Plan hatte, wie man mit der Sachlage umgehen soll, räumt indes Bürgermeister Klaus Lamprecht (Die Linke) ein. „Wir wollten dem Hotel helfen“, sagt er. Doch sollte eine Rathausspitze nicht zuerst dem Image der Stadt verpflichtet sein? Ja, zurückblickend sehe er die von ihm mitgetragene Entscheidung, Stillschweigen zu bewahren, als falsch an. „Wir hätten zumindest mit den Fraktionsvorsitzenden überlegen sollen, wie wir als Stadt unseren Protest gegen eine solche Veranstaltung zum Ausdruck bringen“, sagte Lamprecht am Samstag gegenüber Freies Wort.
Immerhin brachten OB und Bürgermeister eine Pressemitteilung zu Papier, in der sie sich von der Veranstaltung distanzieren und die sie – rückdatiert auf Samstag – gestern nachmittag nach Abreise der Tagungsteilnehmer auf das Faxgerät legten. Darin stellen sie fest, dass die Ursache der für Suhl „schlimmen Situation“ beim Bund liegt und fordern ein Verbot aller rechtsextremistischen Parteien und Vereinigungen.
Zumindest für sein Haus habe er die Lehren aus dem Wochenende gezogen, sagt Hotelchef Wolfgang F: Kanig. „Wir werden unsere Geschäftsbedingungen ändern, damit wir derartigen Gästen die Anmietung unserer Räume künftig verwehren können“, kündigt er an. Ein Versäumnis mit Folgen – denn der Thüringer Hotel- und Gaststättenverband hatte bereits mehrfach vor solchen Veranstaltungen gewarnt.
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Verriegelte Türen und
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Erst Anfang vergangener Woche habe er bemerkt, mit wem er es bei dieser Tagung zu tun habe, blickt Kanig zurück, der die Veranstaltung ebenfalls in einer gestern eilends versandten Pressemitteilung im Namen seiner Belegschaft verurteilt. „Der Vertragsabschluss lief über eine Agentur. Da wurden wir arglistig getäuscht, sonst hätte sowas bei uns nicht stattgefunden“. So aber sei der Vertrag rechtsgültig geworden, ohne dass man noch etwas dagegen hätte machen können. „Wir haben verschiedene Varianten, bis zu einer vorgetäuschten Havarie erwogen, auch den Thüringer Hotel- und Gaststättenverband in die Entscheidungsfindung einbezogen. Doch es gab keinerlei Möglichkeiten mehr, diesen Verein aus dem Haus zu bekommen.“
Er sei sehr froh, dass die Stadt seiner Bitte entsprochen habe, die Sache nicht öffentlich zu machen. Andernfalls, so Kanig, hätte sein Haus vor dem finanziellen Aus gestanden. Immerhin sei es bei der Tagung um eine Gesamtsumme von
60 000 Euro gegangen. „Die hätte uns niemand ersetzt, auch die Stadt nicht. Und die Regressforderungen sowie der Imageschaden bei öffentlichen Aktionen wären verheerend gewesen“. Mit Polizei und Staatsschutz gut besetzt und abgeschirmt wurde das Hotel zur Trutzburg umgestaltet, Not- und Seitenausgänge verriegelt, andere Gäste beim Essen und bei den Abendveranstaltungen so gut es ging separiert. Auch die Mitarbeiter, von denen viele die unliebsamen Gäste mit gemischten Gefühlen bedienten, wurden in Gesprächen auf die Situation vorbereitet.
Aus polizeilicher Sicht sei die Veranstaltung ohne größere Vorkommnisse verlaufen, zog PI-Chef Ullrich Endter gestern Nachmittag ein Fazit des arbeitsreichen Wochenendes. Die polizeiliche Taktik sei damit aufgegangen. Lediglich am Freitagnachmittag hätten drei „amtsbekannte Personen aus dem linken Spektrum“ mit einer Kamera das Geschehen dokumentieren wollen, woraufhin sie vom Hotelchef des Hauses verwiesen wurden. red










