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Ressort Suhl
Erschienen am 26.07.2008 00:00
Ausstellung
Wo man die Kindheit wieder entdeckt
In eines Suhlers Spielzeugparadies stehen die Besucher Schlange – allerdings in Peenemünde
Von Lilian Klement

Suhl – Schlangen vor einem Museum in Suhl – wann hat

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Königs schöne alte Spielzeugwelt ist vor allem eine Faszination für die Erwachsenen. Fotos: M. Schimmack
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es das schon gegeben? Höchstens vor ein paar Wochen zur Eröffnung des neuen Waffenmuseums.

Währenddessen sorgen ein Suhler und dessen Sammlung anderswo für Schlangen vor dem Eingang: Herbert König und seine Spielzeugsammlung, die man im fernen Peenemünde an der Ostsee bewundern kann. Und das nun schon in der vierten Saison.

Der Betreiber der Einrichtung, Erhard Diller, ein gebürtiger Fambacher, den es nach der Wende an die Küste verschlagen hatte, will in diesem Jahr sogar eine Besucherzahl von dreißigtausend anpeilen und ist ziemlich zuversichtlich, dass er die auch erreicht, nachdem sie in den Jahren zuvor stetig angestiegen war. Die Ausstellung und die spezielle Art ihrer Gestaltung werde gut angenommen. Zusammen mit einigen anderen, nahe gelegenen Museen, bis hin zu einem Original-U-Boot, hat der kleine Urlauberort auf der Insel Usedom besondere touristische Attraktionen zu bieten, die vor allem in den Sommermonaten gefragte Ziele sind.

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16 000 Exponate

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Auch Erhard Diller ist fasziniert von der umfangreichen Sammlung Herbert Königs, „der hat mich regelrecht angesteckt mit seinem

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Schlangen vor dem neuen Eingang zum Museum. Hierher pilgert man mit Kind und Kegel.
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Spielzeug-Fieber und dessen kulturhistorischem Hintergrund“, erzählt er am Telefon. Immerhin so sehr, dass die Ausstellungsfläche mittlerweile schon verdoppelt wurde, ein neues Bistro, ein neuer Eingangsbereich hinzu kamen, und die Sammlung selbst ständig um neue Themenbereiche ergänzt wird.

Dazu schuf Herbert König in den Wintermonaten auch eigene neue Figurengruppen mit bekannten Grimmschen Märchenmotiven, zu „Hänsel und Gretel“ oder dem „Tapferen Schneiderlein“ beispielsweise. Die reizvollen Plastiken, die gerade den Kindern so gut gefallen, machen einen sehr robusten Eindruck, dabei sind sie nur aus Styropor, verrät der Künstler, der seit Anfang Juni schon wieder in Peenemünde, an seinem Zweitwohnsitz gewissermaßen, ist, und dort auch bis September bleiben will.

Die meiste Zeit verbringt er inmitten seiner Teddys, Puppen, Autos, Eisenbahnen, Puppenstuben, Kaufläden. Da beobachtet er nicht nur die Leute, sondern macht auch Führungen und oft einen Schwatz mit ihnen. „Wenn ich die Freude in den Gesichtern sehe, die leuchtenden Augen, dann weiß ich, dass es richtig war, all diese Dinge auszustellen.“ Das Gästebuch, erzählt Herbert König, spräche Bände über die Resonanz bei den Besuchern.

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Die Hexe aus „Hänsel und Gretel“ gehört zu den neuen Figuren, die Herbert König (im Foto) schuf.
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Herbert Königs Schatz ist riesengroß, allein über 16 000 Exponate aus drei Jahrhunderten sind in Peenemünde zu sehen, und zu Hause, in seinem Haus in Suhl, lagert mindestens noch einmal das Doppelte an Spielzeug aller Art.

Dabei ist die Ausstellung in Peenemünde, darauf legt der Künstler Herbert König großen Wert, kein bloßes Sammelsurium, sondern eine ernsthaft und thematisch gegliederte Exposition, die eine Kulturgeschichte des Spielzeugs erzählt. „Eigentlich“, sagt er, „ist das gar keine Schau für Kinder, wie viele zunächst denken. Das ist eine Ausstellung für Erwachsene, die ihre Kindheit wieder entdecken. Und bisher kommen die Kinder noch ein bisschen zu kurz. Hier finden sie weder Gameboy noch Barbie, aber wenigstens ein Kino, wo Märchenfilme gezeigt werden. Da bedarf es sicher noch einiger Ergänzungen.“

Doch das ist Königs geringste Sorge, denn hier kann er erstmals seine Sammlung so umfassend zeigen. Seinen Traum, das auch einmal in seiner Heimatstadt Suhl tun zu können, so, wie er sich das vorstellt, hat er nicht aufgegeben. Und er ist auch immer noch auf der Suche nach einem geeigneten Ort. Er hat einen kostbaren Schatz in vielen Jahren zusammen getragen, und ausgerechnet da, wo er daheim ist, findet sich aus seiner Sicht kein geeigneter Platz. Alle Überlegungen, sagt er, scheiterten immer wieder an den Finanzen. „Ohne kommunale Hilfe geht es aber nicht“, macht er klar.

Noch vor einiger Zeit hingen seine Gedanken am Heinrichser Rathaus, das wäre ein passendes Ambiente für seine historische Sammlung gewesen. Im sachlichen CCS hätte er die sich nicht vorstellen können, „es bedarf eines Raumes mit einem warmen Charakter, um solche Exponate angemessen zeigen zu können. In Suhl gibt es noch genügend historische, denkmalgeschützte Häuser, wo es möglich wäre, diese Ausstellung unterzubringen.“ Selbst das alte Kulturhaus oder der ehemaligen Bibliotheksanbau seien für ihn geeignet.

König kann von seiner Leidenschaft nicht lassen. Noch immer stromert er über Flohmärkte und Sperrmüllberge, auf der Suche nach Dingen, die ihm fehlen könnten. Egal ob Tässchen für die Puppenstubenküche oder zerknautschter Teddy. Alles macht einen Sinn.

Spielzeugmuseum Peenemünde, tägl. geöffnet von 10 bis 18 Uhr

 
 
 

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