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Ressort Suhl
Erschienen am 22.11.2008 00:00
Geschichten zum Wochenende
Historischer Exkurs auf Bauchbinden
Rolf Ultsch frönt einem hierzulande eher seltenen, aber sehr lehrreichen Hobby – der Vitolaphilie
Von Ruth Schafft
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Über 5 000 Zigarrenbauchringe aus vieler Herren Länder hat Rolf Ultsch in etwa 30 Jahren zusammengetragen. Foto: frankphoto.de
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SuhlAuslöser für seine Sammelleidenschaft war ein kleines grünes, abgegriffenes Album mit vielleicht 15 Zigarrenringen drin. Es gehörte dem ältesten Sohn und lag über Jahre unbeachtet im Schrank.

Jetzt – nach etwa 40 Jahren – verfügt Rolf Ultsch über 5 000 dieser kleinen Kunstwerke, die jedermann kurz und bündig nur Bauchbinden nennt. Gezählt habe er seine Mini-Schätze freilich nicht, aber den größten Teil übersichtlich in Alben geordnet. „Wenn ich etwas anfange, dann ziehe ich das auch bis ins Detail durch“, beschreibt der ehemalige Lehrer sein Lebensmotto, blättert in den Alben, holt die eine oder andere Bauchbinde vorsichtig mit der Pinzette aus der Hülle, betrachtet die kleinen Kunstwerke unter der Lupe. Manche Serien haben Hunderte Exemplare, von anderen kennt man den Umfang nicht, wiederum andere gibt es als 24er-Serie, sorgsam durchnummeriert. Von diesen hat Rolf Ultsch 96.

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Enorme Vielfalt

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Kleine Kunstwerke sind die bunten Bildchen fast allesamt. Und mehr noch. So eine Zigarrenbauchbinden-Sammlung könnte eigentlich so manches Lexikon ersetzen. Was man in den dicken Wälzern nachschlagen kann, verraten oft die Bauchbinden auf dem ersten Blick. Da gibt es Serien über historische Schlachten, wie beispielsweise Waterloo, Jagdszenen, Märchenbilder, historisches Militärgerät, Uniformen, Ausgaben über sämtliche Olympiasieger von 1968 in Mexiko-City, über die Vögel dieser Erde, Orchideen, Persönlichkeiten, die amerikanischen Astronauten, über Pistolen, Winston Churchill in verschiedenen Posen, Kostüme und Städtewappen, über Schmetterlinge und Käfer... Letzteres kann Rolf Ultsch in so einer Vielfalt präsentieren, dass selbst der Suhler „Käfer-Doktor“ Carl Fiedler seine helle Freude dran gehabt hätte. Wie vielleicht auch Waffensammler, würden sie der Pistolen-Bauchbinden ansichtig werden. Und sähen Eisenbahnfreaks die Serie der historischen Lokomotiven in der Ultschen Sammlung – ihre Augen würden anfangen zu leuchten.

Es gibt (fast) nicht, was es nicht gibt. „Diese Vielfalt findet man auf keiner Briefmarke“, ist sich der Sammler sicher. Und schöner und farbenfroher sehen die Bauchbinden ja auch aus. Er muss es wissen, denn Rolf Ultsch sammelt gleichfalls Briefmarken, Bierdeckel, Münzen... Zum Glück auch Fußballwimpel. Denn auf diese war einst ein junger Mann scharf, der im Tausch etliche Bauchbinden anbot.

Ein wenig bedauert es Rolf Ultsch schon, dass es in Suhl so gar keine Szene der Vitolaphilisten gibt. So nennen sich die Sammler von Zigarrenringen. Dass er am kommenden Dienstag von den Briefmarkensammler eingeladen wurde, über sein Hobby und seine Stücke zu berichten, freut ihn deshalb besonders. Vielleicht könnte der Verein noch eine Sparte Bauchbinden-Sammler aufnehmen...

Seit mehr als 150 Jahren trägt die gute alte Havanna und ihre nikotinhaltigen Schwestern einen Ring zur Zierde. Werbegründe für die Produzenten mögen es gewesen sein, den Tabakstängel auf diese Weise aufzuwerten. Ursprünglich aber, so Ultsch, seien es wohl die Frauen in Havanna gewesen, die einst ihre Zigarre mit einer Papierbanderole umwickelten, um so die Finger vor Nikotinverfärbungen zu schützen. Katharina die Große benutzte vornehmerweise ein Seidentüchlein, wenn sie sich eine Zigarre schmecken ließ, weiß der Suhler Vitolaphilist zu berichten.

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Nur theoretisch

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Mit den Zigarrenringen beschäftigt sich Rolf Ultsch übrigens nur theoretisch. „Ich sammle erst, seit ich mit dem Rauchen aufgehört habe und das war im Jahre 1975“, gibt der 68-Jährige zu verstehen.

Das abgegriffene und allererste Album besitzt Rolf Ultsch immer noch. Auch das hat eine Geschichte. Als sein ältester Sohn in den 60er-Jahren – damals wohnte die Familie in Mecklenburg – einen Freund vor dem Ertrinken rettete, erhielt er dessen Zigarrenbauchbinden-Schatz als Dank dafür. Lange ward das Album vergessen, bis eines Tages der Vater zum Sohn sagte: „Pass mal auf, was man daraus machen kann...“ Das Ergebnis ist bekannt.

 
 

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