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Suhl – Für Immo Sennewald, gebürtiger Suhler Physiker, Regisseur, Journalist, TV-Moderator, war’s ein echtes Heimspiel. Zur Lesung seines Erstlingsromans am Donnerstagabend blickte der 58-Jährige fast nur in bekannte Gesichter, wie er etwas verlegen, wohl auch überrascht und erfreut vor der Runde kundtat.
Freunde, Schulkameraden, Bekannte und Nachbarn zog es in Scharen und mit Neugier ins Buchhaus Suhl, um mit Sennewald ein Blick vom Turm zu wagen. Dies zwar auf die fiktive Stadt Lauterberg, die aber unschwer als das kleine Suhl erkennbar ist. Zumindest weist das Romanstädtchen vielfältige Parallelen zum Geburtsort des Autoren auf, nicht nur des allseits bekannten Bornmüller Türmchens wegen. Dieses Bauwerk, im 19. Jahrhundert einst vom Ururgroßvater Sennewalds errichtet, war es auch, das dem Roman den Titel „Blick vom Turm“ gab. Eine Geschichte um den Abiturienten Gustav Horbel und seine Familie, um die Tagebuchaufzeichnungen seiner Ururgroßmutter Anna, die Gustav in eben diesem Turm aufstöberte. Eine Geschichte, die in dem kleinen beschaulichen thüringischen Städtchen des Jahres 1968 spielt, während draußen in der Welt mit dem Ende des Prager Frühlings Geschichte geschrieben wurde.
Eine Chronik ist der Roman nicht und doch beschreibt Sennewald Personen und Dinge so, wie es sie damals gegeben hat. Im Suhl vor 40 Jahren, als Gustav, der Romanheld, genauso alt war wie der Autor und man – 18-jährig – gern ins Thälmann-Klubhaus zum Tanzen ging. Mit dem humorvoll beschriebenen Krepelfangen, dem „Ritual dummer Jungen“ (sieht es Sennewald heute), wusste gar dieser und jener gestandene Herr aus dem Publikum noch etwas anzufangen...
Oder die Story im Hotel. Ein Interhotel in Lauterberg! Eine Sensation, wie es auch im Suhl Ende der 60er war. Gustav, der Abiturient, erstmals im Interhotel, Erlauer Stierblut trinkend, dazu die begehrten „Engerlinge“ knabbernd und am Nebentisch der bekannte Schauspieler Obentraut, Sammler von Antiquitäten und alten Autos. Das erfahrene Publikum wusste, wer gemeint war.
Die unbeschwerte Jugend Gustav Horbels findet dann spätestens ab Seite 320 ein Ende. Der Abiturient wird fortan zu einem „operativen Vorgang“. Die Textstellen, die Immo Sennewald las – was allein schon ein vergnügliches Erleben war – wählte er mit feinem Gespür aus.
Der Ausgang der Geschichte blieb am Leseabend offen. Das steigert die Neugierde auf diesen Roman, den Fritz Waniek, Seniorchef des Buchhauses Suhl, „mit großem Vergnügen gelesen und sich besonders über den dramatischen Aufbau, die Satire, den Humor und den Ausgang der Geschichte gefreut hat“. Überhaupt, so auch Verlagschef Bastian Salier, lasse die „Qualität des Buches auf weiteres hoffen“. Eine Fortsetzung von Gustav Horbels Geschichte machte Immo Sennewald jedoch vom Erfolg seines Romandebüts abhängig.
„Blick vom Turm“ ist im Salier-Verlag, Leipzig-Hildburghausen, erschienen. ISBN: 978-3-939611-25-7


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