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Ressort Suhl
Erschienen am 09.04.2009 00:00
Grüner Stammtisch
Der Realität ins Auge schauen
Suhler diskutierten mit der Vizepräsidentin des Bundestages Themen zur Stadtentwicklung
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Zum Suhler Visite von Katrin Göring-Eckardt (m.) gehörte auch der Besuch in der Schwangerschaftsberatungsstelle der Caritas. Im Gespräch mit Regina Hübner (2.v. r.) und Brigitta Wurschi (r.) informierte sie sich über deren Arbeit und die Problemlagen der Ratsuchenden. Mit dabei ihre Büroleiterin Simone Maaß (l.).
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Suhl - Die Grünen wollen künftig wieder mehr Präsenz zeigen in Suhl, auch wenn sie nicht zur Kommunalwahl antreten. Vor einem halben Jahr mit den Mitstreitern von Schmalkalden-Meiningen zum erweiterten Kreisverband SMS zusammengeschlossen, haben sie nun auch eine neue organisatorische Basis und Struktur gefunden, "die für uns passt und funktioniert" macht Brigitta Wurschi von den Suhler Grünen am Dienstag deutlich.

An diesem Abend treffen sie sich gemeinsam mit interessierten Bürgern zum ersten Herantasten an die Themen, die ihnen wichtig sind: Premiere für den 1. Grünen Stammtisch in Suhl. Prominenter Gast der Runde im "Tivoli" ist Katrin Göring-Eckardt, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags. Am Nachmittag weilte sie mit ihrer Büro-Leiterin Simone Maaß, hierzulande noch als Stadträtin und einstige OB-Kandidatin bekannt, zu einem Gespräch im Rathaus. Mit OB Jens Triebel erörterten die beiden Politikerinnen Probleme und mögliche Perspektiven Suhler Stadtentwicklung.

Nölen hilft nicht

Und dieses Thema ist es auch, das am abendlichen "Stammtisch" in erster Linie diskutiert wird. Wie geht es weiter mit der Stadt, wie können sich die Grünen einbringen? Antworten wurden verständlicherweise (noch) nicht gefunden in dieser Runde, aber so manche, auch unkonventionelle Idee diskutiert. Wichtigste Erkenntnis: Man muss den Tatsachen ins Auge blicken. Der Schrumpfungsprozess der Stadt, ein Phänomen nicht nur in (Ost)Deutschland, lasse sich nicht umkehren, dessen ist sich Göring-Eckardt sicher. "Die Frage ist nur, welchen Weg wollen die Suhler gehen. Im Moment habe ich das Gefühl, in Suhl redet man nur darüber, was man nicht will", so die Bundestagsabgeordnete. Der Prozess der schrumpfenden Städte und der immer älter werdenden Einwohner, so einschneidend er auch sei, berge doch auch eine große Chance auf Veränderung, auf Erneuerung und neuer Identität - vorausgesetzt, man begegnet der Realität positiv. Eine verklärte Sicht auf die Vergangenheit ist bei derartig epochalen Veränderungen alles andere als hilfreich. Ein junger Mann aus der Runde beschreibt es mit den Worten, "viele Suhler haben sich in ihrem Nölen und Vertrauen auf die Vergangenheit eingerichtet".

Mut für neue Wege

Dabei hat Suhl viel vorzuweisen - intakte Infrastruktur, kurze Wege, einen gut funktionierenden Nahverkehr, beste Lage, viel Natur, mittelständische Wirtschaft, gute medizinische Versorgung, zählt der Gast aus Berlin einige Beispiele auf. Die Frage steht jedoch, wie die Übergangsphase der kommenden 15 Jahren gemeistert werden kann. Hier, so Göring-Eckardt, sei auch Experimentierfreudigkeit gefragt.

Doch die Veränderungen spielen sich keineswegs nur auf lokaler Ebene ab. "Sie sind global und erfordern ein dramatisches Umdenken", macht Rainer Gunkel deutlich und spielt auf das weltweite Einbrechen der Industrie und auf die endlichen Ölressourcen an. "Wollen wir warten, bis der Crash kommt oder bereiten wir uns schon jetzt darauf vor", so der Suhler, der mit dem Verein Überlebenskultur diese Themen in den öffentlichen Fokus rückt. Weltweit hätten sich Städte darauf bereits mit autarker Entwicklung, mit den alten Kulturtechniken der Selbstversorgung, beispielsweise mit der Einführung von Regionalgeld eingestellt. Die 8 500 Einwohner zählende südenglische Stadt Totnes ist eine von ihnen. Über deren Wandlungsprozess hat sich der Suhler direkt vor Ort informiert. Darüber wird er demnächst in einem öffentlichen Vortrag berichten. Ein Angebot, das der Stammtisch gern angenommen hat.

Dok.-Film "Neuland"

Mit dem Dok.-Film "Neuland", der ostdeutsche Kommunen zwischen Abbruch und Aufbruch reflektiert, und (eventuell) einer Ausstellung zur Thematik Stadtentwicklung wollen die Grünen in Suhl die Diskussion befördern helfen. Die Weiterführung des Grünen Stammtisches gehört dazu. "Wir Grüne wollen mit dem Schrumpfungsprozess in unserer Stadt positiv umgehen", resümiert Brigitta Wurschi den ersten Stammtisch und die Position der Suhler Grünen. Ruth Schafft

Die nächsten Grünen Stammtische finden am 19. Mai und 25. August, jeweils 19 Uhr, im "Tivoli" statt. Interessierte Bürger sind herzlich eingeladen.

 
 

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