Arnstadt - Es waren einige Schlüsselerlebnisse, die es für Johanna
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"Besonders bedrückend für mich war die Mauer, das Eingesperrtsein. Wenn wir an der Grenze waren, zum Beispiel in Saßnitz und wir standen da und durften mit den Schiffen nicht mitfahren, da habe ich gepoltert." Und wieder war es die Grenze, gegen die Johanna Voigt rannte, als sie ihren Schwager in Geisa besuchte. Sie wollte ihren Kindern die Grenze zeigen, dieses Absurde des Gefangenseins und ging auch ganz dicht Richtung Stacheldrahtzaun und Minenfeld. Eine alte Frau beobachtete sie aus dem Fenster heraus und spielte sich auf. Warum die Familie bis dorthin überhaupt gehen könnte, um in den Westen zu sehen. Die Familie hatte dafür nicht lange Gelegenheit. Ein Wachoffizier nahm sie mit und hielt sie zwei Stunden fest. Sie konnten erst wieder gehen, nachdem ihre Daten in Arnstadt abgeprüft waren. "Wir hätten schießen können", ließ der Offizier keinen Zweifel am Schießbefehl.
Wo blieb die Menschenwürde?
Wie mit den Menschen in der DDR umgegangen wird, wie sie "respektiert" werden, prägte sich bei Johanna Voigt bei weiteren Gelegenheiten ein. Da war das Klassentreffen, das sie 1985 organisierte. Voigt ist Jahrgang 1934. Sie hat das Ende des Krieges erlebt, ist von Stettin nach Thüringen gekommen, beendete die Schule in einer Zeit, in der es zwar schon Deutschland Ost und West gab, aber es noch möglich war, die Grenzen zu überschreiten. Einige ihrer Klassenkameraden haben in Westdeutschland ihr familiäres und berufliches Glück gefunden, andere in der Schweiz und in England. Für sieben Klassenkameraden hat sie die Aufenthaltsgenehmigung für das Klassentreffen beantragt. Der Polizist sagte: "Na, da haben sie ja allerhand Zeugs." "So wurden die Menschen angesehen", erbost sich Voigt noch heute.
Oder das Schlüsselerlebnis 1988, als am 9. November der jüdische Gedenkstein eingeweiht wurde. "Ich hatte mich gefragt, wie hätte ich mich verhalten bei der Verfolgung und Verhaftung von Juden? Ich weiß, ich hätte nichts gemacht, ich hätte viel zu viel Angst gehabt."
Kurz nach dieser Gedenksteineinweihung hat sich ihr eine Gelegenheit gegeben, doch etwas für Verfolgte zu tun. Es ging um eine Hafttauglichkeitsuntersuchung. Der Mann kam in Haft, weil er dagegen demonstrierte, dass die Sowjets mit Granaten einen Teich abfischten. Voigt hatte angeboten, wenigstens seiner Frau Bescheid zu geben, dass er verhaftet worden war. "Es hat mir gezeigt, ja, ich kann etwas tun."
"Es war unwürdig, dass einem vorgeschrieben wurde, was man lesen darf und was nicht. Ich bekomme jetzt noch Herzklopfen, wenn ich an die Zeit denke." Johanna Voigt wollte sich umfassend informieren. Über Kontaktpersonen im Westen, bekam sie Literatur. Besonders solche, in denen es um die Einheit Deutschlands ging, waren ihr wichtig. Autoren, die den Zustand des damaligen Systems beschrieben, die Verfolgung der Widerstandsleistenden im Dritten Reich. Wichtig war ihr auch, die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum 40-jährigen Kriegsende. Sie schrieb an Weizsäcker und bekam die Rede mit persönlichem Anschreiben.
Stasivorbereitung gesehen
Johanna Voigt wuchs auf im Kreis von Christen. Sie war in der jungen Gemeinde engagiert, im studentischen Kreis, in der Kirchengemeinde. Als Christin arbeitete sie 1988 an den Arnstädter Thesen für die ökumenische Versammlung für Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung in Dresden mit. Darin enthalten, was die Arnstädter forderten.
"Ich war immer im Widerstand, habe auch provoziert aber immer so, dass man mich nicht einsperren konnte. Und ich wurde behütet."
Als Johanna Voigt 1989 eines Tages im Krankenhaus zu Mittag aß, wurde ihr der Aufruf vom Neuen Forum aus Berlin zugespielt, die Revolution der Kerzen. Gleichzeitig und unabhängig voneinander hatte Günther Sattler seine Flugblätter mit dem Aufruf zur Stehdemo mit den Forderungen: Meinungsfreiheit, Reformen politisch sowie wirtschaftlich, Schluss mit der Schuldenwirtschaft überall, Reisefreiheit für alle verteilt. "Ich hatte in der Poliklinik Notdienstbereitschaft. Da sah ich die Vorbereitungen der Stasi. Ich hatte schon Angst, was werden könnte. Wir sind dort zu 14 Uhr hingegangen und plötzlich, 14 Uhr, war die Poliklinik voll und wir sind zusammen raus gegangen und standen da und haben dann gesagt, nächsten Samstag treffen wir uns wieder 14 Uhr. Da kamen dann mehr.


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