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Schrill verzerrte Synthesizer-Laute, eine glasklare Knabenstimme, dazu süßliche Texte über die Liebe und die Schönheit der Natur. Was Sänger Morten Harket, Schlagzeuger Magne Furuholmen und den Gitarristen Paul Waaktaar-Savoy - besser bekannt als der norwegische Popexportschlager "a-ha" - seit mehr als 25 Jahren auf die Bühne und in die Radios bringt, lässt sich leicht als kuschelige Reliquie der achtziger Jahre abstempeln. Doch wie überall gilt auch in der Musik: Vorsicht vor vorschnellen Urteilen! Denn was die drei ewig Junggebliebenen mit ihrer "Foot on the Mountain Tour" am Montagabend auf der Bühne der Erfurter Messehalle bieten, ist keineswegs nur aufgewärmter Pop von vorvorgestern. Vielmehr gibt es einen rockpopmelodischen Streifzug durch drei Jahrzehnte Bandgeschichte, vom großen Durchbruch mit "Take on me" bis zu "Shadowside" vom aktuellen Abschiedsalbum.
Schmerzliche Süße
Vollkommen überflüssig bei dieser fulminanten Popzeitreise zum Träumen und Mitfiebern ist lediglich die umständliche Bestuhlung der Konzerthalle, welche die Fans viel zu lange brav auf ihren Plätzen hält. Und so dauert es mehrere Nummer-Eins-Hits, bis es das Publikum bei der opulenten Ballade "Hunting High and Low" endlich aus der Zurückhaltung und von seinen Stühlen reißt. Noch einmal lebt diese schmerzliche Süße der achtziger Jahre auf, diese Mischung aus New Wave und Synthie Pop, ausladend arrangiert und mit angedeutetem Texttiefgang.
Den Norwegern gelingt mit der "Foot on the Mountain Tour" ein Kunstgriff, der nur wenigen der aus vergangenen Jahrzehnten "übriggebliebenen" Popikonen glückt: Statt in der Schnelllebigkeit der Musikindustrie um nostalgische Almosen zu betteln, setzen sich Morten, Magne und Paul einfach über die Trendzyklen des Vergessens und Verpönens hinweg. Sie saugen die sorgengeplagte Gegenwart hinein in das kunterbunte Farb- und Formenmosaik ihrer größten Erfolgsjahre, wirbeln sie mit minutenlangen Refrainspiralen durcheinander und kehren - um keinen Tag gealtert - mit einigen Abstechern in die neunziger Jahre zurück in den November 2009.
Dort erwarten sie die Herzschmerz-Teen-Fans von einst als elegante Mittdreißiger-Erscheinungen. Viele von ihnen Händchen haltend und mit einigen verwischten Tränen in den Augenwinkeln. Gekreische war gestern, die fliegenden Teddys und BHs sind Vergangenheit. Dafür singen die erwachsen gewordenen Fans bei "The Sun Always Shines on TV" genauso textsicher mit wie beim "Summer Moved On"-Revivalerfolg aus dem Jahre 2000 oder dem neuen "Foot on the Mountain". Statt den Feuerzeugen oder Wunderkerzen aus der Jugendzeit wippen heute Heerscharen von Handy- und Digicam-Displays im Takt. Sie verwandeln das Publikum in ein atmosphärisches Funkelmeer, gleichzeitig halten sie Gänsehautballaden wie "Velvet" oder temporeiche Popnummern wie "Riding the Crest" fest für das private Achtziger-Jahre-Archiv mit "a-ha"-Effekt. Ist es doch vielleicht die letzte gemeinsame Livezeitreise mit den Norwegern, die für 2010 ihren endgültigen Bühnenabschied angekündigt haben.
Perfekte Show
Eine ausgeklügelte Setlist mit Hits aus sieben Alben, überraschende Licht- und Videoeffekte, dazu ein smarter Frontmann, der in den höchsten Knabenakkorden an der Grenze zwischen Düsternis und lichtdurchfluteten Popolymp entlangbalanciert - "a-ha" liefert in Erfurt eine perfekte Show, bleibt aber zugleich unnahbar, was auch im Publikum jeden Anflug von Spontanität unterbindet. Gebannt blickt es auf das überdimensionierte grüne Chamäleon, das bei "Forever Not Yours" minutenlang im Zeitlupentempo die Augen verdreht und den Kehlkopf hebt und senkt. Jubelt aufgeblasenen "a-ha"-Lichtgestalten bei "Dream Myself Alive" zu und rauscht mit der Band in rasender Geschwindigkeit durch Meere, Großstadt- und Gebirgssilhouetten. Erst im Zugabenblock erwacht die treue Fangemeinde aus ihrer ehrfurchtsvollen Haltung, bildet einen stimmgewaltigen Chorus für die "Living Daylights", dreht im endlosen Refrain von "Take on Me" noch einmal richtig durch.
Ein letztes Mal. Im Dezember geben Morten, Pal und Magne ihr letztes Konzert in Oslo. Zehn Jahre nach der Reunion der Spätneunziger ist dann endgültig Schluss. Eine der angepasstesten und zugleich erfolgreichsten Bands der achtziger Jahre beendet ihre Karriere und mit ihr ein Kapitel sehnsuchtsvoller Musikgeschichte.


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