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Ressort Feuilleton
Erschienen am 09.12.2009 00:00
Blende-Wettbewerb
Die Lust am Augenblick
"40 aus 2199" lautete die Aufgabe für die Jury beim Zeitungsleser-Fotowettbewerb in diesem Jahr. Doch einem Lotteriespiel glich die Suche nach den besten Fotos keineswegs.
Von Peter Lauterbach
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Nach zwei Tagen harter Juryarbeit hatten Ramona Trentschka (l.), Mirco Leffler, Gisela Reinhardt und Peter Lauterbach (nicht im Bild) diese 40 Fotos unserer Leser als die besten des "Blende"-Jahrgangs 2009 ausgewählt. Foto: ari
Bild:  

Diese Zahl überraschte alle: Genau 2199 Fotos stapelten sich in zwei großen gelben Kisten, als die Jury vor ein paar Tagen zu Werke ging. Mit so vielen Fotos wie noch nie in seiner immerhin gut 15jährigen Geschichte beteiligten sich Leserinnen und Leser unserer Zeitung in diesem Jahr am Fotowettbewerb "Blende". Es wäre wohl wenig überraschend, würde man diese gewaltige Resonanz allein der digitalen Fototechnik zuschreiben, die es dem Besitzer einer entsprechenden Kamera immer bequemer und immer preiswerter ermöglicht, qualitativ immer bessere Fotos - noch dazu in nahezu unbegrenzter Zahl - auf einen Speicherchip zu bannen. Ein Foto zu machen - das ist doch längst keine Kunst mehr. Könnte man meinen.

Der diesjährige "Blende"-Wettbewerb legt eine ganz andere Vermutung nahe. Überrascht war die Jury nämlich nicht, weil unter den vielen Einsendungen auch viele jener Fotos gewesen wären, denen man ansieht, dass der Fotograf schnell mal auf das Motiv gehalten und abgedrückt hat. Überrascht war die Jury, weil unter den vielen Einsendungen auch viele Fotos sind, die von der Suche des Fotografen nach dem richtigen Augenblick, nach dem richtigen Blickwinkel, dem richtigen Licht, dem richtigen Motiv für sein Foto erzählen. Und das spricht für das deutlich gestiegene Bemühen vieler Hobbyfotografen, der digitalen Bilderflut, und damit auch der Abwertung des einzelnen Fotos durch die Beliebigkeit eines fast schon zufällig zustande kommenden Massenprodukts ganz bewusst sorgsam komponierte Fotografien entgegenzusetzen.

BILDERGALERIE
Blende 2009 - die Sieger

Von einer Renaissance der Fotografie zu sprechen, angesichts des täglichen multimedialen Bombardements an Bildern, die nicht wegen des Motivs, sondern um des Bildes willen gemacht werden, wäre vielleicht vermessen. Die Jury (Ramona Trentschka vom Verlag und Peter Lauterbach von der Redaktion unserer Zeitung, der Suhler Fotograf Mirko Leffler und Gisela Reinhardt vom gleichnamigen Suhler Fotostudio) versuchte bei ihrer zweitägigen Juryarbeit ganz bewusst, diese Lust des Fotografen am richtigen, an einem einzigen Augenblick nachzuempfinden.

Momente der Stille

Denn eine gute Fotografie ist auch ein Monument der Stille. Sie erfordert Zeit zum Betrachten, zum Entdecken. Und hält so mit einem einzigen, aufs Papier gebannten Augenblick die Zeit des Betrachters einen ganzen Moment lang an. Einigen Fotografen, vornehmlich natürlich den "alten Hasen" der "Blende", sind solche Augenblicke ganz unzweifelhaft gelungen. Etwa Edith Ruckser mit einem Erntemuster in einem Feld, Thomas Wils mit einem Mädchenporträt in Grün (das Foto oben im Bild), Horst Bradsch mit einer Zwergziege auf einem Felsen, Roland Müller mit einem Sonnenaufgang am Schnetter Simmersberg oder Volker Schmidt mit einem Winterabend in Thüringen. Vier Themen hatten wir vorgegeben: "Die Farbe Grün", bei dem wir auf die grenzenlose Inspirationsfähigkeit unserer Leser spekulierten, "Zwischen Tag und Nacht", das schon einen versierten Umgang mit der Kamera voraussetzte, und "Ab in den Zoo", bei dem Tiere Modell stehen sollten - was sich aber nur auf den ersten Blick als einfach erwies. Das Jugendthema "Der letzte Schrei" schließlich war zwar bewusst allgemein gehalten, zeitigte jedoch auch in diesem Jahr mit nur knapp 50 Zuschriften die geringste Zahl an Einsendungen. Die meisten Leser hatten an der Farbe Grün ihren Spaß: 797 Fotos hatte die Jury hier zu bewerten. 753 waren es für Augenblicke zwischen Tag und Nacht, 605 für tierische Momente.

Profilierung im nächsten Jahr

Auch wenn die Wahl des Motivs und die Assoziation mit dem Thema für die Jury den Ausschlag bei der Bewertung gab, das fotografische Handwerk spielte natürlich auch eine Rolle. Wer ein unscharfes Motiv einschickt, der kann nicht gewinnen, auch wenn es noch so treffend ist. Deutliche Unschärfen im Bild und ungeschickt beschnittene Motive fielen bei der Juryarbeit häufig als handwerkliche Mängel auf.

Die 40 Siegerfotos werden wir in Kürze wie gewohnt auf vier Sonderseiten in unserer Zeitung veröffentlichen. Schon jetzt sind sie als Bildergalerie im Internet einsehbar. Die überwältigende Resonanz der "Blende 2009" hat uns übrigens bewogen, den Wettbewerb im kommenden Jahr noch weiter zu profilieren. Dann können nicht nur die Ergebnisse in einer Fotoschau betrachtet werden. Wer mitmacht, kann seine Fotos auch selbst via Internet in entsprechende Fotogalerien überspielen.

 
 

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