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Ressort Feuilleton
Erschienen am 10.03.2010 00:00
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Eine Zeit der Liebe - und der Krise
Das neue Programm des Weimarer Theaters steht
Von Michael Plote

Weimar - "Ich bin ein glücklicher Frühstücksdirektor." Selbstironisch und locker hat Generalintendant Stephan Märki so früh wie noch nie das Programm für die neue Spielzeit am Deutschen Nationaltheater in Weimar präsentiert. Dafür gibt es Gründe. Alle Vertragsfragen im Haus sind geklärt, zur Tourismusbörse in Berlin soll das Programm internationalem Publikum vorgestellt werden, und er spüre "ein geändertes politisches Klima", sagt Märki mit Blick auf den Hauptgesellschafter des Theaters, den Freistaat Thüringen.

Zehn Neuproduktionen im großen Haus, je fünf im Schauspiel und im Musiktheater, könnten unter der Überschrift Krise und Liebe stehen, ein offizielles Motto gibt es diesmal nicht. Im Sprechtheater dominieren Klassiker: Shakespeares "Sturm", Sartres "Schmutzige Hände", Goethes "Wahlverwandtschaften" und Brechts "Arturo Ui", dazu "Gullivers Reise" nach Swift von John von Düffel für die ganze Familie. Krisen und ihre Begleiterscheinungen werden mit Blick auf die Gegenwart thematisiert, wie der neue Chefdramaturg Hans-Peter Frings ankündigte.

Im Musiktheater setzen Operndirektor Karsten Wiegand und Generalmusikdirektor Stefan Solyom auf die Liebe, unter anderem mit Mozarts "Figaro" und Wagners "Tristan und Isolde". Ein szenischer Liederabend steht unter dem Arbeitstitel "Methusalem-Projekt" und soll vor allem älteren Menschen und Künstlern gewidmet sein. Als Kontrast und Experiment plant das Theater "Babykonzerte" für die Allerjüngsten bis 12 Monate.

Im Konzertprogramm der Staatskapelle Weimar setzen die Jubilare Robert Schumann (1810-1856) und Franz Liszt (1811-1886) Akzente. Erklingen werden unter anderem Schumanns Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 54 zum Saisonauftakt sowie seine Sinfonien Nr. 3 und 2. Zum Jahreswechsel 2010/11 wird der 31jährige GMD Solyom Schumann und Liszt dirigieren sowie am 26./27. Juni 2011 die Eröffnung des Liszt-Jahres mit "Prometheus".

Im Sommer 2011 gibt es zwei Wagner-Wochen in Weimar, die Wiederaufführung des gefeierten "Rings", dazu die aktuelle "Tristan und Isolde"- Inszenierung sowie Liederabende, Vorträge und Diskussionen. Ein internationales Tanzfestival soll im Mai 2011 aus der Taufe gehoben werden. Geplant sind Gastspiele etablierter Compagnien und von Newcomern, Filmreihen, Gespräche und Partys sowie Workshops, auch für Laien. So soll "ein kleines Pflänzchen wachsen", wie Stephan Märki seine Erwartungen umschrieb.

Im Blick zurück bilanzierte Geschäftsführer Thomas Schmidt eine vergangene Spielzeit, die an die personellen und finanziellen Grenzen des Hauses gelangt sei. 155 000 Besucher, 760 Aufführungen, eine Auslastung von etwa 75 Prozent bei 12 Prozent Einspielergebnis. Die Publikumsmagneten sind Brechts "Dreigroschenoper" und Verdis "Rigoletto". Die neue Spielzeit beginnt mit einem Theaterfest am 28. August, dem 261. Geburtstag Goethes - ein schönes Symbol für Weimar.

 
 

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