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Ressort Feuilleton
Erschienen am 10.05.2010 00:00
Ballett
Voller Sehnsucht im Herzen
Andris Plucis und die Eisenacher Tänzer schaffen zu Schumanns Musik Bilder voller Schönheit, doch keine schlüssige Choreografie
Von Susanne Sobko
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Voller Anmut: Das Eisenacher Ballettensemble bei "Der Tod und das Mädchen". Foto: LTE
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Was erwartet man wohl bei einer Choreografie mit dem Titel "Der Tod und das Mädchen"? Einen Tod und ein Mädchen natürlich. Aber das wäre zu einfach gewesen - zumal Franz Schubert seinen Stücken die Titel gar nicht selbst verliehen hat. Andris Plucis ließ sich stattdessen von Schuberts Musik für seinen Ballettabend am Landestheater Eisenach zu ganz eigenen Bildern inspirieren. Mit mehr und weniger beeindruckenden Resultaten.

Am gelungensten sind die Anfangs-Szenen zu Schuberts Komposition "Der Tod und das Mädchen" in der Bearbeitung für Streichorchester von Gustav Mahler. Die Landeskapelle unter Leitung von Carlos Dominguez-Nieto braucht bei der Premiere am Samstagabend zwar einen Moment, bis sie ganz zusammen sowie zu Schubertschem Pathos findet. Dann aber spielen die Streicher voller Leidenschaft, bittersüß und lebensprall tönt es aus dem Orchestergraben herauf. Auch die Tänzer zeigen viel Seele und erschaffen so eine atmosphärische Parallelwelt zu Schuberts Musik. Welch eine Anmut in den Bewegungen, formvollendet die Figuren, ausdrucksstark die Gesten. Vor allem die Pas de deux beeindrucken - Plucis hat seine Choreografie hier von viel Fantasie und Gefühl für Ästhetik leiten lassen. Dadurch entstehen Bilder voller Schönheit und Tiefe, anrührend und begeisternd. Lobenswert auch der "Mut zur Lücke": Der Ballettchef arbeitet gekonnt mit Pausen, kostet emotional aufgeladene Szenen genussvoll aus. Einsamkeit, Ängste und Neurosen quälen seine Figuren - sie irren suchend durchs Leben, voller Sehnsucht im Herzen. Immer wieder gelingt es ihnen für kurze Momente, sich gegenseitig vom Leid zu erlösen, aber das Glück währt meist nicht lang, Streit und Kampf zerstören die Idylle, die Sinnsuche quält wie zuvor. Hier sind Schubert und Plucis ein Team, hier ist alles im Fluss.

Mit dem Verlauf des Abends wird jedoch zunehmend ein Mangel an echter Inspiration spürbar, manch ein Bild wirkt gar wie ein Verlegenheits-Füller. Zumal es kein durchgängiges Konzept für den Abend gibt - er ist eher so etwas wie eine Nummern-Revue mit schnell wechselnden Szenen. Diese Beliebigkeit wird durch das Bühnenbild von Frank Leimbach unterstützt. Türrahmengroße Papiervorhänge werden für verschiedenste Spielereien eingesetzt, was dank einer ausgefeilten Lichttechnik zum Teil für eindrucksvolle Effekte sorgt. Die Lichtstelen im zweiten Teil des Abends können dabei nicht mithalten und ihr gleißender Schein blendet eher die Zuschauer. Jetzt spielt Georg von Einsiedel am Flügel die "Wanderer-Fantasie" von Schubert. Und jetzt setzt Plucis mehr auf die Wirkung des Gesamt-Ensembles statt einzelner Tänzer. Das hat auch seinen Reiz, beispielsweise wenn er ein "Hand- und Fußballett" aufführt. Zudem hat sich die Synchronizität innerhalb der Gruppe spürbar verbessert, so dass teilweise faszinierende Gesamteindrücke entstehen. Unterstützend wirken dabei die neckischen Kostüme von Danielle Jost in zarten Pastellfarben. Die Tiefe und Emotionalität des Anfangs wird jedoch nicht mehr erreicht. In der Ausdruckskraft fallen zudem einige Tänzer auf - Sarah Hochster und Ramona Seeck beispielsweise. Ansonsten werden durchweg beachtliche Leistungen geboten, und zum Schluss gibt es langen Applaus.

Weitere Vorstellungen: 15./24. Mai, Karten über 036 91/25 62 19.

 
 

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