Römhild – Das Städtchen Römhild verschlafen zu nennen,
„Phönix aus der Asche“ lautet daher nicht von ungefähr das Motto, das treffender nicht gewählt sein könnte und zeigen soll, wie gern man in Römhild einen alten Schatz wieder aufpolieren möchte. Denn ein Schatz sind die Römhilder Keramiksymposien unbestritten. Einer noch dazu, der Charme hat. Eilte ihnen doch schon zu DDR-Zeiten ein guten Ruf voraus – nicht nur im Bezirk oder der Republik, sondern auch international. Neben Künstlern aus dem Ostblock reisten seinerzeit auch Keramiker aus den USA, aus Israel, Schweden, Frankreich und Finnland ins grenznahe Städtchen des Hildburghäuser Unterlandes zum kreativen Erfahrungsaustausch und zu praktischer Tätigkeit.
1975 fand das erste Symposium statt, mit dem vor allem der rund 500 Jahre alten Römhilder Handwerkstradition künstlerisch Rechnung getragen werden sollte. Im dreijährigen Rythmus folgten weitere. 1993, nach dem siebten Symposium, war erst einmal Schluss. Der Gedanke, Keramiker aus allen Teile der Erde zu fördern und traditionelle Handwerkstechniken zu pflegen, hatte sich bei den damaligen Organisatoren verflüchtigt, die notwendige Infrastruktur – Arbeitsstätten, Unterkünfte und Brennöfen – standen für ein solches Treffen nicht mehr zur Verfügung.
Sechs Teilnehmer
Den Neuanfang nach 15 Jahren will der im April letzten Jahr gegründete Förderverein mit Unterstützung der Stadt schaffen. Im November wurde das achte Symposium in internationalen Fachzeitschriften ausgeschrieben. Schon anhand der fortlaufenden Nummerierung lässt sich ablesen, wie sehr man an die erfolgreichen Symposien aus DDR- und Nachwendezeit anknüpfen möchte. Gestern trafen sich die fünf Juroren, um über die 14 Anmeldungen zu entscheiden. Die Jury besteht aus den Keramik-Meistern Reinhard Keitel, Stefan Hasenöhrl und Judith Runge sowie aus Antje Scharfe, Professorin an der Hochschule für Kunst und Design in Halle/Saale, und der Römhilder Museumsleiterin Kerstin Schneider. Nach mehrstündigen Beratung standen die sechs Teilnehmer fest. Sie kommen aus Österreich, Tschechien, Deutschland, den USA und Belgien.
Die Auserwählten werden vom 29. Juni bis 27. Juli in Römhild sein und mit einem Arbeitsstipendium von jeweils 3000 Euro ausgestattet werden. Die Römhilder Firma Eliog Kelvitherm GmbH, ein Produzent von Spezialöfen, stellt sowohl Brennöfen als auch Werkstätten zur Verfügung. Die Künstler wohnen während ihres Aufenthalts im Schullandheim. Neben praktischer Arbeit sind mehrere Veranstaltungen geplant.
Die „Aufwertung des Keramik- und Töpferhandwerks der Region“ nennt der Förderverein als ein Ziel für das Symposium. Der Stadt Römhild, wo heute eher unscheinbar getöpfert und den Handwerkern die Keramik nicht mehr wie zu DDR-Zeiten aus den Händen gerissen wird – wenn sie nicht exportiert wurde –, kann dies nur dienlich sein. Immerhin sind die Werke von rund 160 Künstlern aus 29 Ländern, die in den vergangenen Jahrzehnten in Römhild zu Gast waren, im Schloss Glücksburg ausgestellt. Die Handwerkstradition des Ortes und ein ambitionierter künstlerischer Anspruch finden auf diese Weise zusammen.
Die kulturgeschichtliche Tradition des Gleichberggebietes findet sich darüber hinaus auch beim einem Nebenthema des Symposiums. In Römhild soll unter fachlicher Anleitung des Steinsburgmuseums ein keltischer Lehmofen gebaut werden, indem die Keramik nach alter keltischer Technik bei rund 1300 Grad Celsius mit Holz gebrannt werden wird. Der passt übrigens auch gut zum Thema „Phönix aus der Asche“. Denn die Asche des verbrennenden Holzes ist es, die bei hohen Temperaturen schmilzt und sich wie eine Glasur auf die Keramik legt. Ob das Symposium ähnlich dem Vogel aus der ägyptischen Sage verjüngt aus der Feuerprobe der Neuauflage hervortritt, bleibt zwar abzuwarten. Den Glauben an den Neuanfang aber gibt es schon jetzt. Und Glaube kann bekanntlich Berge versetzen.


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