Stefan Hasenöhrl ist nicht allein. Schreibt man all die Namen mit, die zur Wiederauferstehung des Römhilder Keramiksymposiums
Es begann 2006 beim legendären Wildschwein-Cup. So nennen in Römhild aufgewachsene Exilanten ihr traditionelles Wiedersehen, für das sie einmal im Jahr in die Stadt zurückkehren. Bei der Gelegenheit kam Kerstin Schneider vom Schlossmuseum auf die früheren Symposien zu sprechen. Seit 1975 hatten sich Künstler alle drei Jahre in Römhild zum gemeinsamen Arbeiten getroffen. Das Symposium im damaligen Keramikzentrum genoss weltweit Ansehen, nach der Wende aber schlief es ein.
——————
Mammut-Programm
——————
1993 war die bislang letzte Ausgabe. Bis Kerstin Schneider in eben jenem Gespräch einmal mehr überlegte, wie es wiederzubeleben sei. Das größte Problem: Wo würden die Künstler arbeiten? Die entscheidende Idee: Man könnte doch mal bei der ortsansässigen Industrieofenfirma Eliog anklopfen. „Ich glaube, sie wusste nicht, was sie damit auslöste“, schmunzelt Hasenöhrl, bevor seine Augen einen eindringlichen Glanz erhalten: „Ich habe zwei Jahre für das Symposium gelebt.“
Denn in Dirk Becker, Geschäftsführer der Ofenschmiede, fanden Schneider und Hasenöhrl einen Mitstreiter, der sich persönlich wie finanziell überdurchschnittlich engagiert. Er ist heute einer von vielen. Es ist der Wille, ihr Städtchen aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, der sie antreibt. Es ist die Geschichte des Symposiums, die ihnen als Vorbild dient.
Hasenöhrl: „Zu DDR-Zeiten haben in Römhild palästinensische neben israelischen Künstlern gearbeitet. Das war sensationell.“ Mit so einer Tradition, findet er, kann man keine kleinen Brötchen backen. Das Ergebnis: Während sich die sechs von einer Jury ausgewählten und eingeladenen Künstler ab 6. Juli in den Räumen der Firma Eliog ihrem kreativen Schaffen hingeben, können die Römhilder und ihre Gäste aus einem wahren Mammutprogramm an Begleitveranstaltungen wählen.
An den vier Wochenenden gibt es in Römhild eine Menge zu erleben. Es gibt Märkte, Feste, Kino, Konzerte, Theater, Aktivitäten für Kinder, Lesungen, Kabarett. Zum Thema Keramik passend bietet der Verein Fachvorträge, die Benutzung von Brennöfen, Gespräche mit den beteiligten Künstlern.
„Man muss den Leuten schließlich einen Grund geben, von außerhalb nach Römhild zu fahren“, sagt Hasenöhrl. Der Mann, der das Kunststück fertig bringt, Mitglied im Eliteverein Rotary-Club zu sein und gleichzeitig aus Überzeugung kein Handy zu besitzen, ist ein Getriebener. „Mir geht es nicht um Mittelmaß.“
——————
„Ein Leuchtturm“
——————
Stürmt einer ungestüm vorwärts, knirscht es mitunter im Gebälk. Davon berichten gut informierte Quellen auch aus Römhild. Den einen geht es zu schnell, den anderen kann es nicht groß genug sein. Manche seiner Träume konnte Hasen-öhrl für die erste Neuauflage noch nicht verwirklichen.
Und doch haben er und der Verein viele Römhilder angesteckt. Unternehmer, Landkreis und Freistaat fördern das Symposium. So kann der Verein den Künstlern ein Stipendium von 3000 Euro bezahlen. Auch deshalb kommen bedeutende Künstler nach Römhild. Was sie dort erschaffen, verbleibt im Gegenzug beim Verein.
Heribert Haßmüller, Chef der ortsansässigen Raiffeisenbank, hat seine Räume für eine begleitende Ausstellung von Töpfern und Keramikkünstlern der Region zur Verfügung gestellt. „Ein Leuchtturm Römhilds“ soll das Symposium wieder sein, sagt er. Nicht umsonst haben sie es „Phoenix aus der Asche“ getauft, und das gemeinsam: die Römhilder und ihr Anführer aus Meiningen.


Drucken
Speichern
Versenden












