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Ressort Feuilleton
Erschienen am 12.07.2008 00:00
Kunst
Fünf Frauen, fünf Wege, ein Gefühl
Bereits zur Halbzeit zeichnet sich der Erfolg des wiedererwachten Keramiksymposiums Römhild ab
Von Frank Hommel

Es ist zwar erst Halbzeit in Römhild. Man soll den Tag nicht vor

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Der Kreis der Serbin Danijela Pivaševic-Tenner steht für das Symposiums-Motto „Phönix aus der Asche“: Es gibt weder Anfang noch Ende.
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dem Abend loben. Doch werden heutzutage große Ziele nicht mit Skepsis angegangen, sondern mit positiver Energie und guten Vibrationen. Wenn etwa der FC Bayern München in der kommenden Championsleague gegen Manchester United spielen sollte und dann zur Pause 5:0 in Führung liegt, wird nicht nur der spirituell bewanderte Trainer Jürgen Klinsmann den Spielern auf die Schultern klopfen.

Nun haben Keramikkünstler mit Fußballgöttern so wenig gemein wie Römhild mit München. Aber: Der FC Bayern kickt nach einjähriger Pause ab September wieder mit in Europas Eliteliga. Und in Römhild schickt sich das Keramiksymposium an, nach 15 Jahren Dornröschenschlaf auf Anhieb wieder in die

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Wirkt so kraftvoll wie ihr „Tornado“: Elzbietá Grosseová.
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erste Liga der Arbeitstreffen Bildender Künstler in Deutschland aufzusteigen.

Gesegnet mit langer Tradition und einem ausgezeichneten Ruf, hat der Verein bei der Wahl der Keramiker unglaubliches Gespür bewiesen. Der Belgier Mark Verbruggen sagte zwar kurzfristig ab. Die fünf auserwählten Frauen aber zeigen eindringlich die Vielfalt menschlicher Gedankenwelten. So sehr sich ihre Motivation und ihre Arbeitsweise unterscheidet: Sie eint das Gefühl, in Römhild gut aufgehoben zu sein. Die Atmosphäre beflügelt. Das zeigen die Werke, die in der Halle der Industrieofenfirma Eliog entstehen.

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Neues aus Altem

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Jede Künstlerin drückt dem Symposiumsmotto „Phönix aus der Asche“ einen ganz eigenen Stempel auf. Imposant Elzbietá Grosseová aus Tschechien, seit Jahrzehnten eine der renommiertesten Keramikkünstlerinnen weltweit. Sie zeigt eine Ackerfläche, zerfurcht und

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Gudrun Petzold arbeitet an filigranen Blütenkapseln.
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von einer Art Traktorspur durchzogen. „Something, which is growing“, erklärt sie auf Englisch, „etwas, das wächst.“ Neben dem Acker erhebt sich ein tönerner Wirbelsturm. „Tornado“, erklärt Grosseová. Naturgewalten, die so faszinierend anzuschauen sind und gleichzeitig Tod und Zerstörung heraufbeschwören, haben es ihr angetan. „I like everything changing“, sagt sie: „Ich mag alles, das sich verändert.“ Ihre Augen leuchten, und man fühlt, was sie meint, wenn sie vom Adrenalin erzählt, das beim Arbeiten durch ihre Adern schießt.

Einen Gegenpol bildet Stephanie Link aus Niedersachsen. Ihr Kaleidoskop wirkt verspielt, gleichzeitig kühl und ironisch. Sie setzt es zusammen aus Abdrücken von Schokoladenhasen, aus denen sie zuvor eine Gipsform gefertigt hat. „Es steckt das Thema Massen- und Reproduktion darin“, sagt Link, „und ein Kaleidoskop steht dafür, immer wieder ein neues Bild zu erschaffen.“

Neues aus Altem zu erschaffen: Das Prinzip Phönix, des mythischen Vogels, der sich aus seiner eigenen Asche erhebt. „Es gibt soviel Material zu diesem Thema“, sagt die in Berlin wohnende Serbin Danijela Pivaševic-Tenner. Ihre Arbeit nennt sie „Circulus Viciousus“. Ein

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„Hasen stehen auf ihre Art für Massen-Reproduktion“, sagt schelmisch Stephanie Link. Fotos (5): ari
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riesiger, aus mehreren Schichten Stäbchen geformter Kreis, den sie noch einmal im kleineren Format fertigt. Der Kreis symbolisiert ein Prinzip, das keinen Anfang und keinen Schluss kennt. „Die Zeit hat kein Ende“, sagt die Serbin.

Zeit spielt auch im Werk Gudrun Petzolds eine Rolle. Sie stellt Blütenkapseln in zeitlichem Ablauf her. „Skulpturen sind sehr statisch“, sagt sie, „ich versuche, das Vorher und das Nachher mit aufzunehmen. Man muss sich darauf einlassen, um es zu erkennen.“ Die grobe Idee, fügt sie hinzu, hat sie vorab, „aber die eigentliche Arbeit entsteht beim Tun.“ Noch freier entstehen die Werke von Heidi Preuss Grew. Sie arbeitet an Figuren, die tierische und menschliche Elemente vereinen. Da gibt es zum Beispiel ein Liebespaar sowie eine Gestalt, die sie den „Tragenden“ nennt.

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Tief beeindruckt

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Die Kunstprofessorin aus den USA ist ohne feste Vorstellung gekommen. Sie lässt sich von Römhild und seinen Bewohnern inspirieren.

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Heidi Preuss Grew, Kunstprofessorin aus dem US-Bundesstaat Oregon, formt Figuren mit tierischen und menschlichen Elementen.
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Eine erfolgreiche Strategie, denn von der Stadt und dem Symposium ist sie hellauf begeistert. Die perfekte Organisation, das Interesse der Menschen an ihrer Arbeit, deren Gastfreundschaft und auch Römhilds Lage in der Natur haben alle fünf Künstlerinnen tief beeindruckt. Diese Botschaft schimmert durch jeden Satz, den eine von ihnen sagt. „Es ist viel Arbeit für die Helfer“, erklärt Heidi Preuss Grew, „aber man merkt, sie genießen das alles. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass die Geschichte weitergeht.“

Sonntag ab 14 Uhr laden die Künstlerinnen alle Interessierten zum Gespräch in die Firma Eliog in Römhild.

  
 
 

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