Erfurt - Selten wurde so offensichtlich für die Thüringer CDU geworben wie in der Zeitschrift "tollesthüringen". Das besondere ist,
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Mit bebender Stimme verkündet Minschke, jetzt sei Schluss mit lustig. Er ist bereit zu beschwören, dass die Thüringer CDU nicht hinter der Sache steckt. Darauf gebe er sein "Ehrenwort". Er kenne die Leute nicht einmal. Wer trotzdem Gegenteiliges behaupte, "der wird sich strafrechtlich relevant ins Abseits bringen". Einfacher formuliert: Der kriegt tierisch Ärger.
Der ist schon da. Zum Beispiel beim Stern-Journalisten, Hans-Ulrich Jörges. Er fühle sich "getäuscht", sagte er der Thüringer Allgemeinen. In einem solchem Umfeld wäre er nie aufgetreten. Jörges steuerte einen Text über seine Heimatstadt Bad Salzungen bei. Beiträge wie dieser geben dem Blatt den Anstrich einer sympathischen Illustrierten. Eine Schönheitskönigin zeigt sich im Bikini, der Sänger Dirk Michaelis ("Als ich fort ging") erzählt über Suhl als seiner zweite Heimat. Aber wer halbwegs kritisch hinblickt, bemerkt alsbald die Tendenz.
So schwärmt der frühere CDU-Ministerpräsident Bernhard Vogel, unbelästigt von kritischen Nachfragen, über seinen Nachfolger Dieter Althaus. Der "Politikberater" Wolfgang Stock behauptet in einer "Analyse" der Wahlprogramme, dass Rot-Rot in Thüringen jeden fünften Arbeitsplatz gefährdet. Die Verteidiger der hoch umstrittenen CDU-Familienpolitik kommen zu Wort - nicht die Kritiker. Auch darf sich Katharina Althaus über sechs Seiten ausbreiten. Dazu kommen zehn Fotos mit ihrem Dieter.
"Es gibt gar keine Verbindung"
Im Mittelteil, der je nach Region verschieden ist, werden "tolle Thüringer" vorgestellt. In Erfurt sind es vier Kandidaten für den Landtag, alle Christdemokraten. "Sicher ist das ein bisschen CDU-lastig", gesteht Geschäftsführer Jochen Dersch. Der gelernte Journalist, der nach eigenen Angaben bei FAZ, Welt und Bild arbeitete, empfindet das trotzdem nicht als Fehler. Außerdem beteuert auch er: "Um Gottes Willen, die CDU hatte keinen Einfluss. Es gibt rein gar keine Verbindung."
"tollesthüringen" existiert seit einigen Monaten als Internetportal. Die Firma sei ein Gewinn orientiertes Unternehmen, sagt Dersch. Inhaltlich wolle sie ein "für die Wirtschaft positives Klima erzeugen". Im Land solle es weitergehen wie bisher. "Wir wollen Leute, die positiv zu Thüringen stehen, darstellen." Die Folge für die Opposition: Linken-Spitzenkandidat Bodo Ramelow kommt mit einem kleinen Alibi-Interview vor, der SPD-Mitbewerber Christoph Matschie mit einer negativen 17-Zeilen-Meldung.
Jeder mag sagen und schreiben, was er für richtig hält. Und wenn Jochen Dersch denkt: "Ich finde es gut, wie das Land regiert wird", dann ist das seine Sache. Aber die Illustrierte, so meint der SPD-Medienpolitiker Hans-Jürgen Döring, "ist ein Lehrbeispiel für eine Manipulation". Sie zeige, wie Journalismus missbraucht wird. Grünen-Landeschefin Astrid Rothe-Beinlich spricht drastisch von "Wähler-Verarschung". Linken-Spitzenkandidat Ramelow geht von einer "verdeckten Wahlkampf-Finanzierung" aus. Noch kennt niemand die Geldgeber hinter dem Internetportal. Laut Dersch sind es fünf Thüringer Unternehmer. Bekannt geben will er sie nicht. "Sie wollen nicht in den Ruch kommen, CDU-Unterstützer zu sein."
Womöglich werden sie - auf Umwegen - juristisch offen gelegt. Denn der Meininger SPD-Abgeordnete Rolf Baumann hat Strafanzeige gegen den Geschäftsführer der landeseigenen Lotto-Gesellschaft, Jörg Schwäblein, gestellt. Lotto schaltete zwei große Anzeigen in dem Blatt. Schwäblein, bis Anfang des Jahres CDU-Abgeordneter, weist jeden Vorwurf von sich und spricht von einem "ganz normalen Vorgang". Er habe sich wegen der großen Reichweite der Illustrierten zur Anzeige entschlossen. Kosten will er nicht nennen. Fühlt er sich jetzt auch getäuscht? "Ich fühle mich nicht getäuscht", antwortet er.
Anzeigenkunde will Klarheit
Anders die AOK, ein weiterer Anzeigenkunde. Man habe zugesichert, dass es sich "um ein neutrales Image-Magazin" handele, teilte die Kasse gestern mit. Nun drängt sie auf schnelle Aufklärung über das Heft. Das ist ganz im Sinn ihres langjährigen Verwaltungsrates, des Bundestagsabgeordneten Frank Spieth (Linke). Ihm zufolge kosteten die AOK-Anzeigen 12 000 Euro. Er sagt: "Das ist eine eindeutige Fehlverwendung von Beitragsgelder zu Wahlkampfzwecken." Der Abgeordnete will nun die Aufsichtsbehörden einschalten.


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