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Ressort Thüringen
Erschienen am 01.10.2009 00:00
Sparzwang
Geldsorgen plagen Bibliotheken
Tiefe finanzielle Einschnitte befürchten die Thüringer Bibliotheken angesichts knapper Kassen in vielen Kommunen.
Von Andreas Hummel

Saalfeld - Angesichts der Steuerausfälle in den

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Der Thüringer Politiker Günther Pohl liest in der Bad Salzunger Bibliothek zwei Geschichten über die Schildbürger von Erich Kästner und von Astrid Lindgren den Michel aus Lönneberga vor. Foto: Heiko Matz
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Kommunen befürchten die Bibliothekare herbe Einschnitte in den kommenden Jahren. "Die Bibliotheken gehören zu den freiwilligen Aufgaben und werden in solchen Situationen immer wieder auf den Prüfstand gestellt", sagte die Vorsitzende des Thüringer Bibliotheksverbandes, Annette Kasper. Die Folgen seien vielerorts spürbar: Ein Verschleiß der Bestände, der zu rückläufigen Nutzerzahlen führe. Über Konzepte gegen die Krise diskutierten gestern rund 120 Experten beim Thüringer Bibliothekstag in Saalfeld.

Neuer Wind für Büchereien

Die Investitionen in den Bestand der öffentlichen Bibliotheken seien auf 0,77 Euro je Einwohner im vorigen Jahr gesunken, erklärte Kasper. 1992 habe der Wert noch bei 1,28 Euro gelegen. "In vielen Orten sind wir bereits wieder so weit, dass große Teile des Bestandes erneuert werden müssten." Die Aufgabe der Bibliotheken, für alle Bürger einen freien Zugang zu Information und Wissen zu sichern, werde dabei schwieriger. Zudem gebe es wohl keine öffentliche Bibliothek mehr in Thüringen, die keine Gebühr für Nutzerausweise erhebe. Die Ausleihen seien dagegen nach wie vor kostenlos. Zehn Thüringer Bibliotheken haben laut Kasper nach eingehender Analyse neue Konzepte erstellt, vier weitere seien in Arbeit. "Darin wird der konkrete Auftrag der Bibliothek und ihre Zielstellung formuliert, ebenso wie spezielle Zielgruppen benannt, auf die sich konzentriert werden soll", erläuterte Kasper, die die Ernst-Abbe-Bücherei in Jena leitet. Auch gehe es um die dafür nötigen Ressourcen. Die Konzepte sollen in den Kommunalparlamenten beraten werden und Grundlage für die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren sein. "Wir erhoffen uns dadurch mehr Planungssicherheit für beide Seiten." Die Konzepte sollen Baustein des Bibliotheksentwicklungsplans von Kultusministerium, Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken und des Deutschen Bibliotheksverbandes in Thüringen sein. In diesem Plan werden laut Kasper bis Sommer 2010 Standards für öffentliche Bibliotheken festgelegt.

Sorgenkind Internet-Angebot

Zudem erhoffen sich die Einrichtungen davon einen ersten Schritt hin zu einer Novelle des Thüringer Bibliotheksgesetzes. Kasper: "Wir wollen, dass darin die öffentlichen Bibliotheken als Pflichtaufgabe der Kommunen verankert werden." In Thüringen gibt es den Angaben zufolge 269 öffentliche Bibliotheken, von denen 103 von hauptamtlichen Mitarbeitern geführt werden. Im vergangenen Jahr zählten sie mehr als 2,8 Millionen Besucher. Beim Bibliothekstag in Saalfeld wurde die Stadt- und Kreisbibliothek Sömmerda mit dem Thüringer Bibliothekspreis 2009 ausgezeichnet. Sie habe besonders kundenfreundliche Öffnungszeiten und ein überzeugendes Gesamtkonzept, hieß es zur Begründung. Der Preis ist mit 10 000 Euro dotiert.

Sorgenkind ist jedoch weiterhin die Thüringer Internet-Bibliothek "thuebibnet.de". Die Resonanz auf dieses Angebot ist bisher unter den Erwartungen geblieben. Grund seien Hürden der Lizenzgeber, die sich etwa gegen eine einprägsamere Internetadresse oder die Online-Registrierung neuer Nutzer gesperrt hätten, sagte Annette Kasper. Der Verband will nun stärker für das Angebot werben. Außerdem soll die Ausleihe technisch einfacher werden. Momentan biete die Internet-Bibliothek fast 19 000 Hörbücher, Musik und Texte zur zeitlich begrenzten Nutzung zum Herunterladen an.

 
 

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