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Ressort Thüringen
Erschienen am 08.09.2007 00:00
FANTASIEWELT
Mit ’nem Tiger im Fahrstuhl
In Suhl treffen sich derzeit die Anhänger einer ganz besonderen Kunstrichtung
VON FRANK HOMMEL
In Hotellobbys sind Tiere nicht gern gesehen. Ausnahme: Das Suhler Ringberg-Hotel. Dort findet derzeit die 13. Eurofurence statt. Deren Teilnehmer schlüpfen gern in andere Rollen. Zum Beispiel in die von Hunden, Katzen, Tigern, Füchsen – oder gleich von Fantasiewesen.

SUHL – Hans Eitner ist begeistert. So etwas hat der Rentner aus Mühlhausen bisher noch nicht gesehen. Zur Zeit macht Eitner Urlaub im Suhler Ringberg-Hotel. Seine Zimmernachbarn: Gestalten, die am liebsten in süß anzuschauenden Kostümen als Katzen, Füchse, Wölfe oder Mäuse durchs Gelände wandeln, als Tigerpärchen im Fahrstuhl stehen oder mit selbst gebastelten Schwänzchen beim Frühstück sitzen. Das Hotel ist noch bis Sonntag Schauplatz der 13. Eurofurence.

Hier Bilder anschauen:

BILDERGALERIE
Fury-Fandoms 2007
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„Furry“, abgeleitet vom englischen Wort „fur“ für „Pelz“, steht für Freunde „antropomorpher Tierdarstellungen“, wie es offiziell heißt. „Eigentlich sind damit Menschen in Tiergestalt gemeint“, erläutert Jörg Reuter. Reuter ist der Pressesprecher des Vereins, der die Eurofurence organisiert hat.

Alter ego Küchenschabe

Es ist wohl das größte Treffen seiner Art in Europa. 600 Menschen aus der ganzen Welt haben den Weg in den Thüringer Wald gefunden, ein paar Thüringer sind auch dabei. Sechs Tage lang tauchen sie ein in Welten, die sie selbst in ihrer Fantasie erschaffen haben. Schlüpfen in Tierrollen, mit deren zugedachten Charaktereigenschaften sie sich zu identifizieren suchen.

Wie Reuter selbst zum Beispiel, der sich O‘Wolf nennt, weil der Wolf für ihn ein Symbol der Freiheit ist. Oder Alexander James Adams aus Portland/Oregon, auf dessen Plastikschild der Name Aja steht und der die Fantasie-Welt in seiner Folk-Musik besingt.

Lance Ikegawa, Ehrengast aus Los Angeles, der die schönsten Kostümköpfe basteln kann und Freunde hat in den großen Hollywood-Studios. Oder Samuel Cornway, Wissenschaftler aus den USA, der in seinem zweiten Leben – selbstgewählt – ausgerechnet eine Küchenschabe verkörpert und der die besten Geschichten erzählen kann.

Warum die „Furries“ in andere Rollen schlüpfen? „Schwer zu sagen“, bekennt Reuter, der im normalen Leben als System-Techniker für Computer sein Geld verdient. „Warum geht ein Schauspieler auf die Bühne?“, fährt Reuter fort, „bei uns geht es in erster Linie um den Spaß. Eine Botschaft könnte sein, dass wir von einer besseren Comic-Welt träumen. Und unsere Jugend nicht vergessen wollen. Für viele ist es wohl ein Rückgriff auf die Helden ihrer Kindheit. Es geht uns jedenfalls nicht darum, aufzufallen.“

Angefangen hat alles mit einem Comic namens „Albedo“, 1978 war das. Dessen Schöpfer Steve Gallacci sollte als Ehrengast nach Suhl kommen, konnte aber nicht. Das Internet half der Furry-Gemeinde, zusammenzufinden. In Chat-Räumen entwickelten sie Rollenspiele und Fantasiewelten.

Diese Fantasiewelten werden nun in Suhl auf verschiedene Art Wirklichkeit. Am markantesten scheinen dabei sicherlich die Kostümträger. Doch es gibt auch Comiczeichner, Geschichtenerzähler, Grafiker, Puppenspieler, Performance-Künstler, Workshops, Gameshows und Animationsfilme.

 
 

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